"The Parthenon of Books" der argentinischen Künstlerin Marta Minujin

APA/dpa/Uwe Zucchi

Documenta 14: Konzept für Kassel

Die Documenta 14 wird am Samstag, den 10. Juni in Kassel eröffnet. Weil die Kunstschau heuer unter dem Titel "Von Athen lernen" erstmals an zwei Schauplätzen stattfindet, hat bereits vor zwei Monaten der erste Teil in der griechischen Hauptstadt seine Pforten geöffnet. Der künstlerische Leiter, Adam Szymczyk, präsentierte gestern das Konzept. Sabine Oppolzer berichtet aus Kassel.

Morgenjournal, 8.6.2017

Hunderte von Journalisten aus aller Welt drängten sich gestern zur Pressekonferenz in Kassel. Adam Szymczyk verriet allerdings nicht: Was er seit der Eröffnung in Athen vor zwei Monaten von Athen gelernt hat. Weil das, was er unter lernen versteht, eher ein Verlernen ist. In einer chaotischen Welt, die von Terror und Kriegen geprägt sei, gebe es keinen Lehrmeister, der uns sagen könnte, was zu tun ist und wie wir leben sollten, sagte Szymczyk.

Kulturjournal, 9.6.2017

Documenta-Talk
Sabine Oppolzer, Wolfgang Popp

Untergeordnete Rolle der Kunst

Adam Szymczyk schwebt mit dieser Documenta ein anarchistisches Anti-Ereignis vor, das bestehende Machtverhältnisse aufhebt und damit politische Fragen im Vordergrund stellt. Er will bei der Documenta 14 die gesellschaftlichen Ränder ins Zentrum holen: verschiedene indigene Völker, wie Samen oder kanadische Ureinwohner, aber auch Transsexuelle. Es ist eine Biennale der Inklusion, bei der die Kunst eine untergeordnete Rolle spielt. Ganz im Gegensatz zur kürzlich eröffneten Venedig-Biennale, die unter dem Titel "Viva Arte Viva" die Kunst und die Künstler feiert.

Säulen des "Pantheons of books"

Besucherinnen stehen zwischen den Säulen des "Parthenon of books" der argentinischen Künstlerin Marta Minujin

APA/dpa/Boris Roessler

Spiegel der Gesellschaft

Bereits die Gründung der Documenta im zerstörten Nachkriegsdeutschland im Jahr 1955 war der Versuch, unterschwellig brodelnde gesellschaftliche Konflikte im Spiegel der Kunst zu betrachten. Nun, inmitten eines fragmentierten und zutiefst orientierungslosen Europas, versucht man von Neuem, den Umweg der Kunst nehmen - zur Bewältigung von politischen Spannungen. Diesmal zwischen Deutschland und Griechenland.

Ob dieses Konzept aufgehen wird, darf mit Spannung erwartet werden. Zumindest bei der Eröffnung der Documenta in Athen schien es noch so, als ob sich die politische Schieflage zwischen Deutschland und Athen eins zu eins in der Kunstwelt abbilde: Griechische Künstler sahen sich unterrepräsentiert und der ehemalige griechische Finanzminister Yanis Varoufakis kritisierte die Documenta als von "Krisentourismus".

Nun, in Deutschland angelangt, wird man es wohl nicht mehr wagen, diese Documenta so frei heraus zu kritisieren. Etwa für ihre eher dokumentarische als künstlerische Bravour. Scheint sie doch mit all ihren Inklusionsanliegen eigentlich unantastbar zu sein.

Service

documenta 14 - Kassel, 10. Juni bis zum 17. September 2017

Gestaltung

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