"The Israelites Leaving Egypt" von David Roberts

PD

"Mosè in Egitto"-Premiere live in Ö1

Eine Rossini-Rarität bei den Bregenzer Festspielen.

Seine komischen Opern wie "Il barbiere di Siviglia", "L‘Italiana in Algeri" oder "La Ceneretola" gehören zu den vielgespielten Klassikern des Opernrepertoires, die seriös tragischen Werke von Gioachino Rossini haben sich dagegen - insbesondere im deutschen Sprachraum - nie in dauerhafter Präsenz durchsetzen können.

Immerhin hat das Theater an der Wien in der jüngeren Vergangenheit Opern wie "La Donna del Lago" oder "Elisabetta, Regina d’Inghilterra" präsentiert bzw. die Oper Graz das Spätwerk "Wilhelm Tell", doch handelte es sich bei diesen Wiederbelebungen um punktuelle Spielplanbereicherungen.

Plakatmotiv, Moses in Ägypten

BREGENZER FESTSPIELE

Einmalige Gelegenheit

Und es wird wahrscheinlich auch eine für lange Zeit einmalige Gelegenheit in Österreich bleiben, Rossinis "Mosè in Egitto" hören und sehen zu können - an drei Terminen steht diese Azione tragica-sacra im Juli auf dem Spielplan der Bregenzer Festspiele, szenisch realisiert im Festspielhaus von Regisseurin Lotte de Beer und musikalisch geleitet von Enrique Mazzola.

Diese Oper - der Komponist hat manchmal von einem Oratorium gesprochen - dreht sich um die biblische Erzählung vom Auszug des israelitischen Volkes aus Ägypten, verzichtet aber auch nicht auf eine klassische Liebeshandlung: Der Sohn des ägyptischen Pharaos hat sich in die Israelitin Elcia verliebt. Für dramatische Konflikte auf mehreren Ebenen ist also gesorgt.

1818 erfolgreich uraufgeführt

Für die Passionszeit des Jahres 1818 war dieses Werk entstanden; die Uraufführung am 5. März jenes Jahres geriet für den Komponisten und seinen Textdichter Andrea Leone Tottola zu einem großen Erfolg - selbst wenn die damalige Bühnentechnik mit dem Zug durch das geteilte Rote Meer einigermaßen überfordert gewesen sein dürfte: Gerade dieser große emotionale Moment dürfte bei den ersten Wiedergaben in Heiterkeit untergegangen sein.

Auch wenn sich Rossini wie häufig bei seinen Werken einiger bereits zuvor komponierter Nummern aus früheren Opern bedient hatte, sprach Donizetti-Fachmann Herbert Weinstock in Bezug auf diese Oper dennoch von einer der größten und am sorgfältigsten vorbereiteten Partituren, die Rossini bis dahin geschrieben hatte.

Die "unmittelbarere" Erstfassung

Und zumindest eine Nummer aus dieser Partitur ist weltberühmt geworden - auch dank der Variationen, die Niccolo Paganini über diese Nummer geschrieben hat: das Gebet "Dal tuo stellato soglio". Bemerkenswerterweise fehlte gerade diese einprägsame Melodie bei der Uraufführung noch, Rossini fügte sie erst für eine Überarbeitung des Werkes im März 1819 der Partitur hinzu.

Viele Jahre später arbeitete er den "Mosè" zu einer französischen Grand Opéra mit dem Titel "Moïse et Pharaon" um; Fachleute taten aber zuweilen diese Zweitversion als überladen ab - und favorisierten die in Bregenz gespielte erste Fassung als die unmittelbarere.

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Bregenzer Festspiele - 19. Juli bis 20. August 2017

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