Südbahnhotel

APA/JÜDISCHES MUSEUM WIEN/YVONNE OSWALD

Die Grande Dame erwacht - Kultur in Baujuwelen

Das Südbahnhotel am Semmering gehört zu den historischen Baujuwelen des Landes. Es gehörte um die Jahrhundertwende zu den führenden Luxushotels Europas, mit prominenten Gästen wie Gustav und Alma Mahler, Sigmund Freud, Karl Kraus oder Arthur Schnitzer. Auf Initiative des Musikers Florian Krumpöck, der den Kultursommer Semmering leitet, wird das Südbahnhotel, wie auch das Kurhaus im Sommer mit Konzerten und Lesungen wiederbelebt.

Intermezzo, 15.8.2017

Florian Krumpöck im Gespräch über den Ausverkauf von Kulturgut und mögliche Nutzungskonzepte für die Region Semmering.
Katharina Menhofer

Seit den 1970er Jahren ist der Betrieb stillgelegt, nach mehreren Besitzerwechseln steht das Südbahnhotel bis heute leer und zum Verkauf. Die Festspiele Reichenau konnten das Hotel zehn Jahre lang als Theaterspielort nutzen, seit sieben Jahren ist es für die Öffentlichkeit geschlossen.

Intendant Florian Krumpöck

Philipp Horak

Intendant Florian Krumpöck

Warum lässt man solche Kulturjuwelen langsam verfallen?

"Der private Ausverkauf an österreichischem Kulturgut ist - gerade was Gebäude in Bad Gastein oder am Semmering betrifft - eine große Schande", sagt Florian Krumpöck. "Die Auflagen bei solchen Verkäufen sind nicht so, wie sie sein sollten und auch nicht so, wie sie in anderen Ländern sind. Wir haben das große Glück, dass die Besitzer des Kurhauses und des Südbahnhotels sehr hilfsbereit sind - Menschen, die an die Region und an das Kulturgut per se glauben. Das ist allerdings die Ausnahme. Die Regel ist, dass man in Österreich als ausländischer Investor ohne jegliche Probleme Kulturgüter kaufen und sie dann verfallen lassen kann."

Morgenjournal, 1.7.2017

Katharina Menhofer

Als schlummernde Grande Dame am Semmering wird das Südbahnhotel gerne bezeichnet, mit den grüngedeckten Türmen und den Terrassen thront es am Hang und blickt majestätisch über den Zauberberg. Nicht nur äußerlich hat sich diese Dame ihre Schönheit bewahrt - vom Sessel bis zum Luster, von der Wanduhr bis zum Waschtisch, von der Fliese bis zum Glasfenster - alles ist Originalausstattung.

Sanftes aber teures Lifting

"Es gibt hier so viel Zauber, so viel Patina so viel Leben, obwohl das Haus seit 40 Jahren leer steht, 1976 ist der letzte Gast hier gewesen. Jeder ist überrascht, wie gut das Haus beisammen ist", sagt Edgar Bauer, der im Namen des Besitzers potentielle Käufer durchs Haus führt.

  • Großer Speisesaal

    Großer Speisesaal

    Alexander Dacos

  • Luster im großen Speisesaal

    Luster im großen Speisesaal

    Mariana & The Kats

  • Gesellschaftsraum

    Gesellschaftsraum

    Peter Lechner

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Das Südbahnhotel gehört seit 1993 einem deutschen Arzt, der die alte Dame mit sanftem aber teurem Lifting, am Leben hält: Er zahlt Personal für die Instanthaltung, hat das Dach und die Haustechnik erneuert, die Fassade verputzt, und das Haus mit Kameras ausgestattet. Immerhin will er es bald verkaufen - um 8 Millionen ist es zu haben, weitere 70 bräuchte man, um es schlüsselfertig zu machen, am besten wieder als Hotel.

Potenzielle Interessen gäbe es. Diesen Sommer darf aber einmal noch die Kultur einziehen. Florian Krumpöck leitet den Kultursommer Semmering: "Seit bekannt ist, dass wir ins Südbahnhotel dürfen, boomt der Kartenverkauf beängstigend."

Hotel

ORF/KATHARINA MENHOFER

Kultur im Südbahnhotel & im Kurhaus

Während im Südbahnhotel eher kleinere Konzerte von Nachwuchskünstlern stattfinden werden, präsentiert man im Kurhaus etwas weiter oben Stars wie Peter Simonischek, Nicholas Ofczarek, Ursura Strauss, Maria Bill, Angelika Krichschlager oder Elisabeth Leonskaja, mit einem vielfältigen Programm aus Lesungen, Klassik, Jazz und Chanson.

"Wir haben im Zentrum eine Theater-Uraufführung von Friederike Mayröcker, die sie extra für uns, für das Kurhaus, geschrieben hat. Mir war es wichtig, dass ich, als ich die Chance bekommen hab, ins Südbahnhotel zu gehen, nicht einfach mit allen Stars hinüberwandere, weil mir diese Nachwuchsschiene ein großes Anliegen ist", sagt Krumpöck.

Investorengruppe aus Kasachstan

Das Kurhaus, ein ähnliches Juwel wie das Südbahnhotel, hat etwas weniger rührige Besitzer. Es gehört einer Investorengruppe aus Kasachstan, die das Haus langsam aber sicher verfallen lässt. Florian Krumpöck: "Ich finde, dass die Politik einsehen muss, dass es sich hier um Kulturgut handelt, dass man nicht ohne Auflagen in ausländische Hände geben kann, das erhalten werden muss, das man aber nur erhalten kann, wenn man nicht von Profit ausgeht."

Der kulturelle Ausverkauf der Region wird von vielen Seiten beklagt, dabei könne der Semmering mit einem entsprechenden Masterplan und mit Hilfe von Bund und Land zu einer der interessantesten Kultur- und Tourismusregionen werden, gerade in Zeiten, wo Nostalgie in Mode sei, und sich das Reiseverhalten vieler Menschen ändere. Der Kultursommer Semmering zeigt zumindest in kleinem Rahmen, dass und wie es funktionieren könnte.

Service

Kultursommer Semmering - 1. Juli bis 3. September 2017

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