Ferdinand Schmalz

APA/GERT EGGENBERGER

Bachmann-Preisträger Ferdinand Schmalz im Porträt

Mit der Verleihung des Ingeborg-Bachmann-Preises und von vier weiteren Literaturpreisen sind gestern in Klagenfurt die 41. Tage der deutschsprachigen Literatur zu Ende gegangen. Mit dem Hauptpreis, dem mit 25.000 Euro dotierten Ingeborg-Bachmann-Preis, wurde der österreichische Theaterautor Ferdinand Schmalz ausgezeichnet. Die drei weiteren Jurypreise gingen an den Frankfurter Erhard Nickel und die Schweizerin Gianna Molinari und das Publikum votierte für die Linzerin Karin Peschka.

Morgenjournal, 10.7.2017

Kristina Pfoser

Zum Bachmann-Preis kam Schmalz mit Krawatte, Schnauzbart und Hut und mit anarchischem Humor. Sein Humor spaziere am Abgrund entlang, sagt er selbst, "da kann viel Erkenntnis herausspringen."

Ferdinand Schmalz zählt derzeit zu den erfolgreichsten Jungdramatikern im deutschen Sprachraum. Nach seinem Burgtheater-Debüt mit "am beispiel der butter" vor drei Jahren hat er eine steile Karriere hingelegt: Die Zeitschrift "Theater heute" hat ihm den Titel Nachwuchsdramatiker des Jahres 2014 verpasst, eine ganze Reihe weiterer Uraufführungen folgte. Und jetzt auch noch ein erfolgreicher Start als Prosaautor. Es mache ihm gerade wieder Spaß, Prosa zu schreiben, er anders arbeiten könne, "weil man anders mit Bildern umgehen kann". Die fetten Metaphern, die er so gerne dick aufstreiche, könne er in der Prosa anders bedienen.

"mein lieblingstier heißt winter" heißt der ausgezeichnete Text, eine raffinierte, eisige Schauergeschichte - Ferdinand Schmalz hat sie im Klagenfurter ORF-Theater nicht nur gelesen, sondern in rhythmischem Vortrag aufgeführt.

Ein Tiefkühlwaren-Lieferant als Selbstmordhelfer und eine verschwundene Leiche, in der Nebenrolle: jede Menge Rehragout. Skurrile Szenen und das Thema Essen - die Ingredienzien seiner Theaterstücke beschäftigen Ferdinand Schmalz also auch in seiner Prosa.

"Das Essen ist die Fortsetzung der Sprache mit anderen Mitteln", heißt es in Ferdinand Schmalz‘ Stück "Herzelrfresser". - Und dann gibt es noch einen ganz persönlichen Zugang zum Thema, erklärt der Autor, "weil ich ja selbst auch gerne esse, vor allem, wenn ich viel schreibe", bekennt er lachend.

Übrigens: Ferdinand Schmalz ist ein Pseudonym. Eigentlich heißt der neue Bachmann-Preisträger Matthias Schweiger. Sein alter ego verdankt er der etwas böswilligen Karikatur eines Freundes, der ihn als Walroß porträtiert hatte - mit der Bildunterschrift "Schmalz". Das sei an ihm haften geblieben - und Ferdinand hätte er immer schon als schönen Namen empfunden, "den hab' ich mir dann selbst gegeben".

Den Klagenfurter Siegertext "mein lieblingstier heißt winter" will Ferdinand Schmalz jetzt zum Roman ausbauen. Davor wird Ferdinand Schmalz noch einen anderen ins Grab bringen: Im Februar 2018 wird sein Stück "Jedermann stirbt" am Wiener Burgtheater uraufgeführt.

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