Jan Fabre

APA/GEORG HOCHMUTH

Jan Fabre: Wachrütteln als künstlerische Mission

Der Theatermacher, bildende Künstler und Zeichner Jan Fabre fasziniert und provoziert. Heute Abend eröffnet er mit seiner Solo-Performance "I am a Mistake" im Wiener Leopold Museum das ImPulsTanz-Festival. Dort widmet sich seit letzter Woche auch die Ausstellung "Stigmata" Fabres künstlerischen Solo-Projekten der letzten 40 Jahre.

Morgenjournal, 13.7.2017

Judith Hoffmann

Interview

Jan Fabre im Gespräch über kritische Liebeserklärungen, die extreme Rechte und den eigenen Körper. Kulturjorunal, 13.7.2017

Wo auch immer der Name Jan Fabre auftaucht, ist die Zuschreibung "Provokateur" nicht weit. Der Künstler selbst findet diesen Umstand weder besonders begrüßens- noch erstrebenswert. Es handle sich um eine typische Journalisten-Wortkreation, so der Künstler. Ihm selbst gehe es nie um Skandal und Provokation, sondern immer darum, die Menschen aus ihrer mentalen und körperlichen Lethargie wachzurütteln.

Handfeste Publikumsreaktionen

Fabres metaphorisches Wachrütteln löst allerdings regelmäßig eine Reihe ganz handfester Reaktionen aus. Von Rippenbrüchen bis zu Morddrohungen reicht die Palette der Gewalt, die ihm angesichts seiner aufrüttelnden Kunst schon widerfahren ist. In der aktuellen Ausstellung im Leopoldmuseum wird sie auszugsweise dokumentiert durch Tagebucheinträge an den Wänden. Da berichtet Fabre von gebrochenen Rippen nach einer Straßenschlacht oder von anderen Verletzungen, die ihn wiederholt ins Krankenhaus brachten.

Immer jenseits der Schmerzgrenze

Dazwischen zeugen Videos, Kostüme, Requisiten oder Zeichnungen von einer kompromisslosen Solo-Performance-Karriere, die stets eher jenseits als diesseits der Schmerzgrenze verlief, etwa wenn Fabre in einer Ritterrüstung gegen sich selbst kämpft oder stundenlang an einer Straßenkreuzung Passanten anschreit, in Erwartung ihrer Erwiderungen, wenn er gefesselt auf den Pflastersteinen eines öffentlichen Platzes liegt oder sich selbst Blut abzapft, um damit zu malen.

Zur Eröffnung von ImPulsTanz 2017 wird sich ein weiteres Exponat in Form einer Solo-Performance dazugesellen, wie immer einmalig, ohne Wiederholung. Der Titel "I am a Mistake" (Ich bin ein Fehler) sei weder kokett noch verbittert gemeint, sondern als Metapher für jemanden, der wie er nicht in die Gesellschaft passe, weil er stets eigene Wege gehe und nicht an Medien, Werbung oder Mode glaube.

Differenzierter Denker und Nachtarbeiter

Hinter den ungestümen und immer ein wenig anarchisch anmutenden Kunstausbrüchen steht der Mensch Jan Fabre als höchst politischer Denker, der keinen seiner Sätze in die Welt hinausruft, ohne ihn vorher eingehend zu reflektieren. Er beklagt aktuelle politische Tendenzen wie den Rechtsextremismus in Europa oder den zunehmenden Konservativismus Antworten und Anleitungen für seine aktuelle Kunst sucht er stets in der Geschichte, etwa in Märchen, Mythen oder bei den Alten Meistern.

Jan Fabre

LIEVEN HERREMAN

STIGMATA – Actions & Performances 1976–2016

"Echte Avantgarde wurzelt immer in der Tradition", so die Überzeugung des Künstlers, der seinen Rubens, Bosch und Van Dyck eingehend studiert hat und dennoch am liebsten mit BIC-Kugelschreiber malt. Und das am besten die ganze Nacht hindurch bis in die frühen Morgenstunden. Zeichnen und Schreiben sei wie Atmen, der Ursprung all seiner künstlerischen Arbeit: "Es kostet nichts und alles ist möglich, denn in einer Sekunde kann auf dem Papier aus einem Rechteck ein fliegender Teppich werden."

Festival-Schwerpunkt Fabre

Beim diesjährigen Impulstanzfestival leitet Fabre auch einen Workshop für Tänzer und Performer, am 18. Juli hat außerdem sein neues Ensemblestück "Belgian Rules / Belgium Rules" Weltpremiere. Die Ausstellung "Jan Fabre - Stigamata. Actions & Performances 1976-2016" im Leopoldmuseum ist noch bis Ende August zu sehen.

Service

ImPulsTanz - 13. Juli bis 13. August 2017
Leopold Museum - Jan Fabre. Stigmata, bis 27. August 2017
Jan Fabre

Gestaltung

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