Harald Schmidt - trödelnd am Traumschiff

Ex-Talkmaster und Traumschiff-Kreuzfahrtdirektor Harald Schmidt liest heute Abend beim "Schwimmenden Salon" in Bad Vöslau. Zuvor hat er mit Wolfgang Popp über "seinen" Autor Michel Houellebecq, Politikerinterviews und sein Leben als Privatier gesprochen.

Morgenjournal | 14 07 2017

Wolfgang Popp

Die Liebe für düstere Welten

Nein, in seiner Show habe er Michel Houellebecq nie zu Gast gehabt, winkt Harald Schmidt ab, das sei aber vielleicht ganz gut so, denn oft laufe es auf eine Enttäuschung hinaus, Menschen zu treffen, die man bewundere.

Harald Schmidt: "Ich habe, glaube ich, alles von ihm gelesen und ich finde ihn nicht nur als Autor faszinierend, sondern auch als Gesamtkunstwerk. Also diese Outfit, dieses Morbide, wo ich mir gar nicht sicher bin, ob das wirklich so ist, oder ob das von ihm kultiviert wird. Obwohl ja viele sagen, die Romane wären düster oder würden ein dekadentes Szenario beschreiben, finde ich, beschreibt er eine Welt, in der ich ganz gerne leben würde."

Blutleere Interviews

Neben seinen Auftritten als Kreuzfahrtdirektor in der Endloswohlfühlserie "Traumschiff" hat Harald Schmidt seit Mai eine Videokolumne in der Online-Zeitung "Spiegel Daily". Dort denkt er gewohnt frech und direkt in die Kamera über den letzten Tatort nach, über das Steuergebaren Boris Beckers oder darüber, wem Putin wohl bei der Bundestagswahl in Deutschland an die Macht verhilft. Politiker lässt er jedoch nicht an sein Mikrofon.

Harald Schmidt: "Es ist unmöglich, von einem Politiker etwas Neues zu hören. Die Politiker an der Spitze sind absolute Medienprofis, genauso übrigens wie Fußballer. Ich komme noch aus einer Generation, in der Trainer Dinge gesagt haben wie 'du musst Schwein sein', 'ich will Blut sehen' oder 'du musst eine Drecksau sein, die in den Pfosten beißt'. Ich mochte das sehr. Heutzutage sagt einer, der überhaupt nicht mehr spielen darf, 'wenn ich damit meiner Mannschaft helfen kann, bin ich happy'. Also das ist unfassbar öde. Und bei einem Spitzenpolitiker ist es genau das Gleiche. Da ist jedes Wort überlegt. Selbst das unüberlegte Wort ist überlegt."

Kulturjournal | 14 07 2017

Wolfgang Popp

Cappuccino statt Kanzler

Harald Schmidt feiert im August seinen 60. Geburtstag und genießt sein Leben als Privatier. Als Berufsbezeichnung würde er derzeit weder Kabarettist noch Kolumnist, weder Talkmaster noch Schauspieler wählen, sondern: "Spaziergänger, eigentlich, oder auch Rumtrödler. Ich finde es eigentlich toll, den Tag zu vertrödeln und beobachte mit großer Freude meine Generation: Also immer, wenn ich lese, dass ein Manager sechzig wird und mir sage, schau mal, der ist ja so alt wie du. Wahnsinn, was der noch alles will, was der will jetzt noch eine Firma dazukaufen. Die Bundeskanzlerin ist glaube ich, zwei Jahre älter als ich, Martin Schulz ist ein Jahr älter als ich. Wenn ich mir den Alltag von Martin Schulz vorstelle, friert es mich. Also wenn er morgens in der Früh aufsteht, egal wo er hinschaut, wird er lesen, ‚du schaffst es nicht‘, und wenn er es nicht liest, sagt es ihm eine Stunde später Sigmar Gabriel, also da bestell ich mir gleich noch einen Cappuccino."

Zwitschernde Politiker

Dass er beim Cappuccino-Trinken aber weiterhin mit scharfem Blick über seinen Kaffeetassenrand auf Politik und Gesellschaft blickt, beweisen seine Kolumnen. "Ich frage mich nur bei einigen Politikern, wo soll der Adressat sein, wenn man sich jede halbe Stunde mit einer anderen Wahnsinnsmeldung meldet. Wen soll das dazu bringen, dass er mich wählt? Aber ich bin fern von jeder Politikerverachtung. Ich denke mir eher, wie lange funktionieren die Institutionen bei uns noch? Also wie lange hat der Satz 'ich hole die Polizei' noch eine Wirkung?"

Wirkung hat hingegen noch immer der Satz, Ich hole Harald Schmidt. Die Lesung heute Abend in Bad Vöslau ist nämlich restlos ausverkauft.

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