Shirin Neshat

AFP/MANDEL NGAN

Iranerin Shirin Neshat inszeniert "Aida"

Die Premiere von "Aida" von Guiseppe Verdi am Sonntag bei den Salzburger Festspielen wird mit Spannung erwartet. Nicht nur weil Publikumsliebling Anna Netrebko erstmals die Aida singt, sondern auch weil die aus dem Iran stammende bildende Künstlerin Shirin Neshat für die Regie verantwortlich zeichnet.

Es ist die erste Opernregie der Fotografin und Filmemacherin, die bereits bei den Filmfestspielen von Venedig mit einem Silbernen Löwen ausgezeichnet wurde. Die künstlerische Leitung hat Riccardo Muti inne.

Mittagsjournal, 4.8.2017

Sabine Oppolzer

Kulturjournal, 4.8.2017 - Shirin Neshat im Porträt

Anna Netrebko (Aida), Ekaterina Semenchuk (Amneris), Roberto Tagliavini (Der König), Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor

Monika Rittershaus

In den Chorpassagen triumphieren die Ägypter über die Äthopier und preisen ihr Kriegsglück. Für Shirin Neshat ist es aber falsch, dass die Aida den Krieg verherrlicht - es geht auch um die menschlichen Tragödien, die damit verbunden sind.

Um diese Schattenseiten des Krieges zu veranschaulichen, hat sie Tänzer eingesetzt, die tierische Totenkopfmasken tragen. Es sind Figuren, die stilisierte Bewegungen ausführen und so wie leicht unwirkliche düstere Tänzer zwischen den Welten wirken. Hin und wieder setzt Neshat großflächige Videoprojektionen ein, um das Leid der Kriegsflüchtlinge zu veranschaulichen.

Tanzendes Ensemble mit Tiermasken

MonikaRittershaus

Mischung der Religionen

Anna Netrebko singt die Aida, die als Sklavin am ägyptischen Hof lebt und denselben Mann liebt, wie die Königstochter Amneris. Als Iranerin, die ihr Heimatland 1979 nach der "Iranischen Revolution" verlassen musste, kann sich Shirin Neshat gut in das Heimweh der Aida einfühlen, wie sie sagt.

Die Priester und das Militär sind in dieser Inszenierung hochgradig stilisiert dargestellt: Shirin Neshat hat versucht, eine Mischung der Religionen zu gestalten. Diese Geistlichen könnten gleichermaßen Muslime sein, Christen oder Juden - um zu zeigen, dass Fanatismus in allen Religionen problematisch ist.

Anna Netrebko (Aida)

Monika Rittershaus

Wer ist gut, wer ist böse?

Es ging Shirin Neshat darum, herauszuarbeiten, dass es nicht so klar ist: Wer sind die Guten und wer die Bösen? Denn mit den vielen Klischees, die diese Oper über die orientalische Welt liefert, will Neshat aufräumen. Viele Menschen in der orientalischen Welt finden diese Oper nämlich problematisch, um nicht zu sagen rassistisch, erklärt Neshat. Die Proben haben gezeigt: Die erste Opernpremiere von Shirin Neshat scheint ein Erfolg zu werden.

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Salzburger Festspiele - Aida

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