Mirkan Deniz

privat

Mirkan Deniz, bildende Kunst

Mirkan Deniz ist in Istanbul geboren und lebt in Wien und Zürich. Ausgangspunkt ihrer Arbeiten sind politischen Ereignisse in Kurdistan. Mit einer konzeptuellen Kunstform ruft sie diese Momente der Geschichte ins Gedächtnis und fragt, wo und wie sie stattgefunden haben und inwiefern sie mit unserem Kontext zu tun haben.

Was ist Kunst?

Das ist eine Frage, die ich mir auch immer stelle, seit ich angefangen habe, Kunst zu machen.

Wie sind Sie zur Kunst gekommen?

Ich hatte schon lange Interesse an Kunst, aber früher keine Gelegenheit, Kunst zu machen. Als ich aus der Türkei in die Schweiz kam, habe ich gemerkt, dass Kunst zu machen für mich das Wichtigste und das Richtige ist. An der Zürcher Hochschule der Künste (ZhdK), wo ich den Bachelor gemacht habe, hatte ich Dozent/innen, die mich motiviert und sehr unterstützt haben. Und so habe ich dort meinen Weg gefunden.

Kommt Kunst von können, müssen oder wollen?

Je nachdem, was man machen möchte und in welchem Kontext, kann es sein, dass man Kunst als Ausgangspunkt benutzen kann, um auf bestimmte Realitäten aufmerksam zu machen. In Ländern, in denen es viel Zensur gibt, können sich Menschen durch Kunst auch politisch ausdrücken. Kunst wird dann zu einem Mittel, um schwierige Situationen auch international zu vermitteln – über Sprach- und Landesgrenzen hinweg.

Wo würden Sie am liebsten ausstellen?

Ich bin dafür, dass Kunst für jede/n zugänglich sein soll, egal wo. Von daher habe ich keine konkrete Vorstellung. Allerdings gefällt es mir, im und mit dem öffentlichen Raum zu arbeiten, eben gerade weil Kunst für mich nicht eine Sache von Eliten oder einem engen Kreis ist.

Mit wem würden Sie gerne zusammenarbeiten?

Ich bin offen für neue Erfahrungen.

Wie viel Markt verträgt die Kunst?

Die Vermarktung von allem, auch von Kunst, ist eine Konsequenz des kapitalistischen Systems, in dem wir leben. Ich halte es für eine Illusion, dass wir uns diesem komplett entziehen können.

Und wie viel Kunst verträgt der Markt?

Die Geschichte zeigt, dass Kunst nie stirbt. Sie wird immer Teil des menschlichen Schaffens sein und also auch Teil eines Marktes. Für mich sind eher solche Fragen wichtig: Wo und wie, für wen wird Kunst gemacht? In jedem örtlichen und zeitlichen Kontext hat sie schließlich eine ganz andere Bedeutung und Wichtigkeit.

Wofür würden Sie Ihr letztes Geld ausgeben?

Vielleicht ist meine Antwort sehr klassisch, aber für Kunst. Weil Kunst ein großer Teil meines Lebens ist.

Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?

Ich sehe mich in zehn Jahren auch im Kunstbereich.

Haben Sie einen Plan B?

Ich habe keinen Plan B, ich möchte nicht etwas anderes als Kunst machen. Politische, kritische Kunst zu machen, finde ich in meinem Kontext nötig.

Wann und wo sind Sie das letzte Mal unangenehm aufgefallen?

Ich habe Ende August eine Solo-Ausstellung in einem unabhängigen Kunstraum in Zürich. Ich bin extra von Wien nach Zürich geflogen, um die Ausstellung zu besprechen. Am Tag, an dem der Termin stattfand, war ganz schönes Wetter und ich bin in der Stadt spazieren gegangen. Dabei habe ich total vergessen, dass ich den Termin hatte. Die Kuratorinnen haben mich angerufen und gefragt, "Wo bist du, wir warten auf Dich?" Dann bin ich schnell dorthin gefahren. Das war für mich schon ein bisschen unangenehm, aber auch sehr lustig für uns alle.

Wollen Sie die Welt verändern?

Das klingt für mich fast wie eine ironische Frage. Ich möchte nicht die Welt verändern, aber versuchen, mit meiner Kunst die politischen Probleme in Kurdistan in einer anderen Form als dieder Medien für die Welt offen zu legen.