Christian Muthspiel

ORF/JOSEPH SCHIMMER

Christian Muthspiels Signations-Relaunch

Ihr Kultursender ist in einem stetigen Wandel begriffen: Neue Sendungen treten in Erscheinung, andere fallen weg, junge Gestalter/innen und Sprecher/innen kommen dazu, ältere wechseln in den Ruhestand. Punkto Signations gönnen wir uns jetzt einen gänzlichen Neuanfang - zu hören ab 1. Oktober.

Pirchner, Kaizar, Muthspiel

Vor bald zweieinhalb Jahrzehnten kreierte der Tiroler Querdenker Werner Pirchner neue Signations für Radio Österreich 1: Klänge, Melodien, Sounds, Samples - das volle Spektrum der damaligen Kompositionskunst und -technik wurde ausgeschöpft. Seit mehr als zehn Jahren hat der Komponist Peter Kaizar an diesem akustischen Kleid einzelne Ausbesserungsarbeiten vorgenommen, dem Stil Pirchners verbunden und doch immer neu. Viele dieser Kennmelodien sind uns - vielleicht auch Ihnen - ans Herz gewachsen, sie vermitteln Stimmungen, öffnen Räume, schaffen Spannung, im besten Fall auch Aufmerksamkeit. In jenen Jahren haben uns diese Kleinodien durch den Tag begleitet, von GUTEN MORGEN ÖSTERREICH bis zur Ö1 KLASSIKNACHT.

Mit dem Komponisten, Jazzmusiker und Dirigenten Christian Muthspiel wurde ein Künstler gefunden, dem wir zugetraut haben, jenes schon etwas in die Jahre gekommene Kleid neu zu entwerfen und zu produzieren. Mehr als ein Jahr hat dieser Prozess gedauert, von den ersten Gesprächen zwischen Ö1 Programmchef Peter Klein und Christian Muthspiel bis zum letzten Feinschliff an den Signations. Es war ein arbeitsreiches Jahr für den Musiker.

Wenn schon, denn schon

Gingen wir in der vorhergehenden Planungsphase noch davon aus, dass wir einzelne der alten Signations behalten würden, weil sie uns gar so ans Herz gewachsen waren, überzeugte uns Muthspiel bald davon, dass der Neuanfang in diesem Fall einen vollständigen Abschied vom Bisherigen erfordert, schon aus ästhetischen Gründen: Es sollte sich ein musikalischer Grundgedanke, in mannigfaltigen Abwandlungen, durch alle unsere Sendeflächen ziehen - Relikte würden hier das Konzept stören, ja ad absurdum führen.

Vom Kern ausgehen

Christian Muthspiel begann die Aufbauarbeit mit dem Zentrum der akustischen Landschaft von Österreich 1: der Senderkennung. Bisher bestand sie aus einem auf einer Bratsche gespielten Dreiklang - Grundton, Quinte und Oktave. Ein geniales Gerüst Pirchners, denn jene Töne ergeben weder eine Dur- noch eine Moll-Tonart, sondern eine nach allen Seiten offene Basis. Diese hat Muthspiel in seine Klangwelt übernommen: Seine Senderkennung ist ein vielgestaltiges, graziles Gebilde, das sich aufgrund seiner einander überlagernden musikalischen Schichten ebensowenig abnützt wie Pirchners eingängiger Dreiklang.

Die vielen Schichten der Produktion

Von hier aus ging Christian Muthspiel auf verschlungenen Pfaden durch seine musikalischen Sphären, das Thema der Senderkennung immer im Gepäck. Zirka hundert Signations hatte er zu entwerfen. Was zunächst auf dem Klavier erprobt und auf Notenblättern notiert wurde, übertrug er in ein Kompositionsprogramm auf dem Computer, setzte Noten, bestimmte Klangfarben - zu hören waren vielschichtige Gebilde, überlagernde Melodien, dargeboten auf computergenerierten Instrumenten, also bei weitem nicht in jenem Feintuning, mit dem Monate später das ORF Radio-Symphonieorchester aufwartete. Dieses hatte Muthspiel sich nämlich als Klangkörper für seine Signations gewünscht, jedenfalls für einige von ihnen. Die restlichen wurden von Studiomusikern eingespielt, vom E-Piano über E-Gitarre und Schlagzeug bis zu Muthspiels eigener Posaune.

Hinweis

Die HÖRBILDER haben ihn übrigens in dieser Zeit begleitet, beobachtet, ihm zugehört. Sie können das also nun auch.

Text: Philip Scheiner
Textbearbeitung: Joseph Schimmer

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