Lukas Resetarits

ORF/URSULA HUMMEL-BERGER

Kabarettist Lukas Resetarits im Gespräch

Der Österreichische Kabarettpreis 2017 geht an Lukas Resetarits für sein aktuelles Soloprogramm "70er - leben lassen". Der Kabarettist und Schauspieler feiert diesen Herbst seinen 70. Geburtstag und sein 40-jähriges Bühnenjubiläum als Solokabarettist. Im Interview spricht er über unreflektiertes Geplapper im aktuellen Wahlkampf und die Traumvorstellung, irgendwann von der Bühne zu kippen.

Mittagsjournal, 2.9.2017

Judith Hoffmann

Kasperl, Pizza und zurückgegelte Haare

Inhaltsleere, aber medienwirksame Slogans statt gehaltvoller Programme - so fasst Lukas Resetarits in einem Rundumschlag den derzeitigen Wahlkampf in Österreich zusammen. Er verweist auf das immer noch ausständige Wahlprogramm der Liste Kurz sowie auf den missverständlichen Slogan "hol dir, was dir zusteht" der SPÖ. Es sei eine Politik der Medienberaterinnen und -berater, in der Fragen dominieren wie: "Was können wir sagen? Tragen wir eine Pizza aus? Ziehen wir einen zu kleinen Anzug an? Oder gelen wir uns die Haare nach hinten?"

"Gusenbauer soll gehen, 'G!lt' geht nicht"

Dem ehemaligen Kanzler Gusenbauer rät Resetarits dringend, alle Ämter zurückzulegen und aus der SPÖ auszutreten, "weil das nicht zusammengeht, seine zynischen Sager zuletzt etwa im 'Falter'-Interview, das geht sich für mich nicht aus". Selbst in die Politik gehen wolle er nicht, stellt der Kabarettist klar, schon gar nicht in der Form, wie es sein Berufskollege Roland Düringer mit "G!lt" derzeit mache: "Sich so eine Kasperltruppe zusammenholen und dann immer verwundert sein, dass der Kasperl irgend einen Blödsinn auf seiner Webseite hat, das erschließt sich mir nicht. Aber ich glaube, das erschließt sich Roland Düringer selbst auch nicht."

40 Bühnenjahre und eine unbeugsame Haltung

Geboren in Stinatz, wuchs Resetarits im 10. Wiener Gemeindebezirk auf. 1975 trat er der Kabarettgruppe Keif bei, unter anderem neben Erwin Steinhauer. Anfang der 80er Jahre wurde er dem Fernsehpublikum als Major Adolf Kottan vertraut, seither wirkte er neben seiner Solokarriere in zahlreichen Film- und Fernsehproduktionen mit.

Auf und abseits der Bühne ist Resetarits bekannt für seine klare sozialpolitische Haltung, besonders in Sachen Flüchtlingspolitik, Minderheiten und Integration. Der Kabarettist über seinen Berufsethos: "Wenn es einem gegeben ist, sein Hirn einsetzen zu können mit einer gewissen Effektivität, Probleme zu formulieren, mit der Sprache satirisch umgehen zu können, dann hat man die Verantwortung, das auch einzusetzen."

Immer noch im Unruhestand

Seit 2012 befindet sich Lukas Resetarits im selbst gewählten "Unruhestand" (so der Titel des damals aktuellen Programms). Diesen Zustand werde er beibehalten. "Die Traumvorstellung ist, irgendwann einfach von der Bühne zu kippen." Bis dahin werde er seinen Beruf leidenschaftlich gern ausüben, den er als eine Art "Selbsttherapie" betrachtet: "Ich kann meinen Zorn und meinen Frust unterbringen in einem Schmäh und werde dafür auch noch belohnt durch Lachen. Das ist für mich das Größte."

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