Misha Didyk als Alexej

Wiener Staatsoper / Michael Pöhn

Prokofjews "Der Spieler"

Eine Rarität als erste Premiere der Wiener Staatsoper: Sergej Prokofjews vor 100 Jahren fertiggestellte Oper erklingt erstmals als Eigenproduktion im Haus am Ring. Das auf Dostojewskis Roman basierende Werk um Geld und Liebe, Spielsucht und Verzweiflung inszeniert Karoline Gruber, Simone Young dirigiert. Ö1 überträgt live am 7. Oktober ab 19:30 Uhr.

Insbesondere als Komponist für die Bühne hat sich Sergej Prokofjew selbst erachtet, gerade in diesem Genre ist ihm aber nie die erwünschte Anerkennung zuteilgeworden wie als Schöpfer von symphonischen Werken, Konzerten, Balletten oder Kammermusik. Von den acht mit Opuszahlen versehenen Opern aus seiner Feder (einige davon sind erst nach seinem Tod zur Uraufführung gekommen) hat eigentlich nur eine einzige - "Die Liebe zu den drei Orangen", uraufgeführt 1921 in Chicago - einen gewissen, wenn auch randlagigen Platz im ständigen Repertoire gefunden, während man Werken wie "Krieg und Frieden", "Der feurige Engel", "Semjon Kotko" oder "Die Verlobung im Kloster" auf den Opernbühnen nur punktuell begegnet.

1929 in Brüssel uraufgeführt

Dies gilt auch für den Vierakter "Der Spieler", ein Werk, das zwischen 1915 und 1917 entstanden ist - gerade einmal 25 Jahre alt war der Komponist, als er die Partitur abschloss. Für eine Produktion im Mariinski-Theater in Sankt Petersburg, damals Petrograd, war das neue Werk des jungen Tonsetzers vorgesehen, doch nach der Februarrevolution 1917 war an eine Bühnenrealisierung nicht mehr zu denken - und gerüchteweise soll auch das mit den extrem schwierigen Partien unzufriedene Ensemble aufgeatmet haben, als das schon in Proben befindliche Werk abgesetzt wurde. Erst 1929 ging "Der Spieler" erstmals über die Bühne, in Brüssel in französischer Übersetzung als "Le Joueur" - und vom Komponisten stark überarbeitet und in vielen Details vereinfacht.

Ein General hofft vergebens

Nach einem autobiografischen Roman von Fjodor Dostojewski - der auch mehrmals verfilmt wurde - hatte der Komponist selbst das Libretto verfasst; als Handlungsort wird "Roulettenburg" genannt, womit Wiesbaden oder Baden-Baden gemeint sein könnte, wo der Dichter selbst der Spielsucht verfallen war.

Hier trifft man auf einen hoch verschuldeten General und seine Familie; diese wartet gespannt auf Nachrichten aus Moskau über die Großmutter des Generals. Ihr Tod würde der Familie ein reiches Erbe bescheren, mit dem man sich endlich aus unterschiedlichsten Verpflichtungen freikaufen könnte. Doch statt der erlösenden Nachricht trifft die gestrenge alte Dame selbst ein, gibt sich tollkühn dem Spiel hin und verliert ihr ganzes Vermögen. Es geht in der grotesken Geschichte um Geld und Liebe, Spielsucht und Verzweiflung - und um an der Liebe zum Spieltisch im Leben scheiternde Existenzen.

Erstmals wird Prokofjews vor 100 Jahren fertiggestelltes Werk in diesem Monat - als Eigenproduktion - über die Bühne der Wiener Staatsoper gehen, inszeniert von Karoline Gruber und dirigiert von Simone Young. Dennoch handelt es sich dabei nicht um eine Erstaufführung im Haus am Ring: Für zwei Aufführungen im Jänner 1964 stand das Werk schon einmal auf dem Staatsopern-Spielplan, damals allerdings als Gastspiel des Nationaltheaters Belgrad.

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Wiener Staatsoper - Der Spieler

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