Alfred Dorfer: "und…" – die Überwindung der "Links-Rechts-Kacke"

Nach über zehn Jahren bringt der Kabarettist und Schauspieler Alfred Dorfer sein neues Soloprogramm "und…" auf die Bühne. Das Ein-Mann-Stück über das Aufbrechen und Ankommen hatte am Sonntagabend seine Österreich-Premiere im Innsbrucker Treibhaus und verspricht gewohnt brisant-brillante Rundumschläge.

Kulturjournal, 2.10.2017

"Für mich ist Humor in erster Linie eine Form der Intelligenz." - Alfred Dorfer im Gespräch

Judith Hoffmann

Vom Pragmatismus der Titelgebung

"Und…" Der kurze, ebenso einfache wie kryptische Programmtitel lässt Raum für nahezu alle Assoziationen und Querverbindungen, habe aber zunächst – wie so viele Programmtitel – eine rein pragmatische Entstehungsgeschichte, erzählt Alfred Dorfer: "Wenn man ein neues Programm ins Auge fasst, braucht man zuerst einen Titel und einen Pressetext, bevor man überhaupt weiß, worum es gehen wird. Da hilft ein Titel, der wie ein Jolly universal einsetzbar ist. Interessanterweise passt er jetzt sogar auf den Inhalt."

Passend nämlich erscheint das verbale Allroundtalent als Bindeglied zwischen den beiden Teilen des Abends und zwischen den beiden Welten, die Dorfers Bühnenfigur gerade betritt bzw. verlässt. Sie erhält einen entscheidenden Stückauftrag, der eine Übersiedelung zur Folge hat, und sitzt nun inmitten der Kisten und Umzugskartons auf der Bühne. "Das ist sozusagen der Startschuss, ein Lebenskonzept zu entwerfen, das dann im zweiten Teil mit der Realität zusammenstößt", so Dorfer.

Über die Bande gespielt

Müßig zu erwähnen, dass sich genau aus dieser Konfrontation zahlreiche humorvolle Momente des Programms speisen. Thematisch kreist der wartende, aufbrechende und ankommende Dorfer um Rassismus und politische Korrektheit, gestörte Kommunikation durch Smartphone-Überdosis und andere große und kleine Themen der Gegenwart, für die wie immer gilt: Nicht er sucht sie, sondern sie finden ihn, fallen ihm gleichsam zu. "Man muss nur ein Sensorium dafür haben wollen, das aufzuklauben" – und, wie immer bei Dorfer, nicht platt und direkt, sondern über die Bande gespielt zu vermitteln.

Dorfer tut das in gewohnt plastischen sprachlichen Bildern, mit süffisanten Kommentaren und großen Sprachspielereien, und mit dem bekannten Hang zu Fantasie und Blödelei, Dadaismus und Absurdem. Die Liebe zur Sprache in allen Registern und Ausformungen habe ihn seit frühester Kindheit begleitet, erzählt er: "Ich kann gar nicht mehr ohne."

Politisches Kabarett ohne Politiker

Ganz gut hingegen kann er in seinem aktuellen Programm ohne Tagespolitik. Seitenhiebe auf Parteien und Politiker wird man vergeblich suchen, auch Anspielungen auf absurde Blüten des Wahlkampfes oder des Wahlausgangs Mitte Oktober will Dorfer möglichst vermeiden. Statt einen Sündenbock zu suchen, gehe es vielmehr darum, die eigene Rolle als mündiger, wahlberechtigter Mensch in der Demokratie zu hinterfragen. Und das funktioniere ganz ohne konkrete Namennennung.

Solistische Reise durch Europa

Elf Jahre sind seit Dorfers letztem Soloprogramm vergangen. Dazwischen schrieb und spielte er gemeinsam mit Florian Scheuba das Programm "Ballverlust", verabschiedete sich 2011 einvernehmlich von seiner Band, verließ den sicheren Heimathafen Österreich und begab sich auf eine ausgedehnte Solotournee durch Europa, um "zu sehen, ob die Geschichten, die ich erzähle, auch außerhalb Österreichs funktionieren, ob das auch für Menschen anderer Ländern, die der Sprache mächtig sind, etwas hat."

Von der Überwindung der "Links-Rechts-Kacke"

Kabarettpreis 2016, den Alfred Dorfer Anfang des Jahres entgegennahm. In seiner Dankesrede ließ er mit einer unmissverständlichen Botschaft gegen etabliertes Rechts-Links-Denken in der Politik aufhorchen. "Links-Rechts hat sich in Europa nicht bewährt, das können wir nach über 200 Jahren seriöserweise sagen. Es wird Zeit, diese Links-Rechts-Kacke zu überwinden und stattdessen den Verstand zu benutzen."

Und ebendieser kann ab sofort im Programm "und…" auf höchst vergnügliche Weise unter Alfred Dorfers kundiger Anleitung geschult und geschärft werden.

Ö1 Mittagsjournal, 2.10.2017

Judith Hoffmann

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