Sebastian Kurz und Heinz-Christian Strache

AFP/JOE KLAMAR

ORF: "Nicht da, um Zirkusspiele zu machen"

Der aktuelle Wahlkampf sticht durch eine beispiellose Anzahl an TV-Konfrontationen hervor, bei denen auch die privaten Sender kräftig mitmischen. Puls4 und ATV haben heuer beide auch Elefantenrunden und Duelle der Spitzenkandidaten abgehalten, und dafür auch Subventionen aus dem Privatrundfunkfonds erhalten. Das Publikum dankt es mit großem Interesse, dahinter läuft aber auch ein medienpolitisches Machtspiel - das schon am Wahlabend weitergeht (siehe Infobox).

Insgesamt haben Puls4 und ATV zuletzt rund vier Millionen Euro an Subventionen für Sendungen mit journalistischem Mehrwert erhalten. Der Privatrundfunk-Fonds wird mit Geldern gespeist, die aus den Einnahmen aus der Rundfunkgebühr stammen. Denn diese Gebühr, die von der GIS eingetrieben wird, die geht bei weitem nicht nur an den ORF. Ein Drittel der Einnahmen bekommen Länder und Bund und einen Teil davon eben auch die Privatsender.

Sebastian Kurz und Christian Kern

APA/GEORG HOCHMUTH

Die Privaten sind mit ihren Wahlsendungen durchaus erfolgreich. Puls4 und ATV haben Rekordquoten für die jeweiligen Elefantenrunden gemeldet. Die Einschaltquoten auf Puls4 für die Duelle zwischen Christian Kern und Sebastian Kurz beziehungsweise Sebastian Kurz und Heinz-Christian Strache waren beachtlich. Dass es bei den Duellen auch um das Duell privat gegen öffentlich-rechtlich geht, demonstriert Puls4-Geschäftsführer Markus Breitenecker. Er hat anhand der guten Reichweiten der Wahlberichterstattung behauptet, man habe dem ORF jetzt im Informationsbereich den Rang abgelaufen.

Fritz Dittlbacher im Interview mit Stefan Kappacher

Absolute Rekordwerte

Fritz Dittlbacher, Chefredakteur der Zeit im Bild und verantwortlich für die Wahlberichterstattung des ORF-Fernsehens, zollt dem Team um Corinna Milborn bei Puls4 durchaus Respekt für die Wahlsendungen.
Das Interesse der Zuschauer für diese Wahl sei enorm hoch, aber selbstredend nicht nur bei den Privaten: "Wir haben bei unseren Formaten absolute Rekordwerte." Das zeige, wie hoch das Interesse des Publikums sei, sagt Dittlbacher.

Dass sogenannte Kanzlerduelle auch auf Puls4 oder ATV das politikinteressierte Publikum anlocke, sei vor so einer spannenden Wahl nachvollziehbar, sagt Dittlbacher. Die mit Abstand höchsten Reichweiten habe aber nach wie vor der ORF. Der ZIB-Chefredakteur widerspricht damit Markus Breitenecker: "Es ist so, dass natürlich die reichweitenstärksten Sendungen im ORF stattfinden und noch nicht bei den Privaten." Das ORF-Duell Kern gegen Strache am Montagabend haben bis zu 950.000 Menschen gesehen.

Vielleicht altmodisch aber seriös

Auch mit der Analyse in der ZIB2, die ohne Blitzumfragen und Ähnliches auskommt, hat der ORF Top-Quoten. Dass man im Vergleich zu kecken Formaten der Konkurrenz vielleicht etwas altmodisch daherkommt, ist für Dittlbacher kein Problem: "Wenn altmodisch New Speech für seriös ist, dann lasse ich mir das gerne vorwerfen. Wir haben eine Verantwortung in diesem Wahlkampf, nicht Zirkusspiele daraus zu machen, sondern schon auch Information anzubieten." Setting und Analyse seien daher bewusst seriös gestaltet, so Dittlbacher. "Deshalb kommentiert bei uns Peter Filzmaier - und nicht die von den Parteien entsandten Spin-Doktoren."

Fritz Dittlbacher im Interview, Teil 2

Heinz-Christian Strache, Claudia Reiterer und Christian Kern

ORF/HANS LEITNER

ZIB2 und Report legen weiter zu

Das Publikum wisse das zu schätzen. Die an die Duelle anschließende Analyse in der ZIB2 habe 800.000 Zuseher und Zuseherinnen. Im Schnitt kommt die ZIB2 mittlerweile auf eine Quote von fast 600.000. Das war eine stetige Aufwärtsentwicklung in den vergangenen Jahren. Der "Report" als wichtigstes politisches Magazin hat ebenfalls deutlich zugelegt und wird im Schnitt von rund 550.000 gesehen.

"Zehnerpotenzen über den Mitbewerbern"

Das Flaggschiff "Zeit im Bild" um 19.30 Uhr hält bei einer Einschaltquote von im Schnitt rund einer Million. Derzeit liegt sie auch darüber. Chefredakteur Dittlbacher: "In den täglichen Nachrichtensendungen ist es so, dass wir das wirklich starke Vertrauen des Publikums in den ORF jeden Tag bei unseren Zuseherzahlen bemerken, die dann doch zum Teil um Zehnerpotenzen über denen der privaten Mitbewerber liegen."

Fritz Dittlbacher im Interview, Teil 3

Jeder kommuniziert nur seine Zahlen

Die "Zeit im Bild" erreiche jetzt in der Vorwahlzeit bis zu 1,3 Millionen Menschen täglich. Das liege deutlich über der Reichweite der Privaten. Die genauen Quoten für "ATV aktuell", "Puls4 News" und "Servus Nachrichten" liegen #doublecheck vor, berichtet darf darüber aber nicht werden. Eine Vereinbarung der Teilnehmer am Teletest – der die Fernsehreichweiten in Österreich misst – besagt: Jeder kommuniziert nur seine Zahlen.

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