Ferdinand Hodler, Selbstbildnis von Paris 1891

Bettina Jacot-Descombes

Ferdinand Hodler im Leopold Museum

Als einer der herausragendsten Künstler der Moderne gilt Ferdinand Hodler. Das Leopold Museum widmet seinem Werk jetzt unter dem Titel "Wahlverwandtschaften von Klimt bis Schiele" eine Retrospektive und stellt Hodler, der als der Schweizer Bergmaler gilt, im Kontext seiner Zeitgenossen und Freunde vor - Klimt, Schiele oder Koloman Moser.

Morgenjournal | 12 10 2017

Sabine Oppolzer

Intensive Blicke

Die Gesichter der Porträtierten sind meist streng in die Mitte des Bildes gesetzt. Ihre Augen nehmen den Betrachter ins Visier, es scheint, als ob sie zu ihm sprechen wollten. Und es ist fast unmöglich, nicht in den Bann dieses starken inneren Ausdrucks gezogen zu werden. Besonders deutlich wird das inmitten der Selbstporträts von Ferdinand Hodler. Sie zeigen Hodler als jungen Künstler, noch etwas unsicher und dann als erwachsenen Mann, der den Betrachter streng und selbstbewusst aus dem Bild heraus anblickt. Dieses Gemälde ist es auch, das den 340 Seiten starken Katalog ziert.

Die Goldene Aue

Kunstmuseum Winterthur, Stiftung Oskar Reinhart

Die Goldene Aue, um 1890

Vom naturalistischen Maler zum Wegbereiter des Expressionismus

Diese Retrospektive zeigt, wie Ferdinand Hodler die Natur anfangs ganz realistisch wiedergab, dann immer farbintensiver wurde und heute als Wegbereiter des Expressionismus gilt. In den Anfängen waren seine Modelle arme, müde und erschöpfte Menschen und Freunde, Arbeiter und Bauern, die ihm unentgeltlich Modell saßen.

Durchbruch 1904 in der Wiener Secession

Den Durchbruch schaffte Hodler 1904 mit einer Ausstellung in der Wiener Secession. Er fand in Wien und bei den Wiener Künstlerkollegen großen Anklang. In der Schau sind immer wieder Gemälde von Klimt, Schiele oder Koloman Moser neben die Kunstwerke von Hodler gehängt, um die Parallelen und Unterschiede zu veranschaulichen. Manche der Kunstwerke, sind nun, nach 110 Jahren, zum ersten Mal wieder in Wien zu sehen. So etwa der "Wilhelm Tell", der auch 1904 in der Secession hing. Es ist ein Monumentalwerk, das die ganze Energie und Manneskraft dieses Schweizer Nationalhelden zeigt.

Wilhelm Tell

Wilhelm Tell, 1896/97 ( Ausschnitt)

Kunstmuseum Solothurn

Weil bisher Albin Egger-Lienz den Anspruch erhoben hatte, der bedeutendste Monumentalmaler zu sein, kam es zwischen den beiden zum Streit: Anlässlich einer Ausstellung 1913 in Dresden, bei der die Kritiker vor allem über Hodler berichteten, ein wenig über Klimt und gar nicht über Albin Egger-Lienz. Albin Egger-Lienz beauftragte also einen Ghost-Writer, der in den Zeitungen schrieb, dass der eigentliche Monumentalmaler Egger-Lienz sei. Das schadete aber seiner eigenen Karriere, denn Hodler war in Wien so gut vernetzt, dass ihm diese Rufkampagne nichts anhaben konnte.

Bildnis der toten Valentine Godé-Darel

Bildnis der toten Valentine Godé-Darel, 26.01.1915 (Ausschnitt)

Sammlung Rudolf Staechelin/Martin P. Bühler

Ganz besonders berührend ist der Sterbezyklus, den Ferdinand Hodler von seiner Geliebten Valentine Godé-Darel gezeichnet und gemalt hat, deren Verfall er eineinhalb Jahre lang begleitete. Sein manisches Zeichnen zeigt, dass er seine Geliebte unbedingt festhalten wollte. Wenn auch nur auf Papier.

Diese Ausstellung über Ferdinand Hodler sollte man auf keinen Fall versäumen.

Service

Leopoldmuseum - Ferdinand Hodler. Wahlverwandtschaften von Klimt bis Schiele. 13.10.2017 bis 22.01.2018

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