Norkoreanische Soldaten

KCNA VIA KNS

Kriegsgefahr in Korea

Es ist ein Dauerkonflikt, der sich langsam hochschaukelt – das kommunistische Regime in Nordkorea führt einen Atomraketentest nach dem anderen durch; die USA reagieren mit der Demonstration militärischer Stärke und Manövern auf der koreanischen Halbinsel; Präsident Donald Trump droht bereits unverhohlen mit einem Militärschlag gegen Pjöngjang.

Pjöngjang verfügt immerhin über die viertgrößten Militärstreitkräfte der Welt und hat mehr als eine Million Mann unter Waffen. Greifen die USA wirklich an, wäre mit einem massiven militärischen Gegenschlag auf die US-Bündnispartner Südkorea und Japan zu rechnen, zu deren Verteidigung wiederum die USA verpflichtet sind.

Hunderttausende Tote und riesige Flüchtlingsströme wären die Folge. Werden Chemie- oder gar Atmowaffen eingesetzt, fiele die Opferbilanz noch wesentlich verheerender aus; die ganze Welt wäre betroffen.

Südkorea befindet sich in einer besonders heiklen Lage: Man wäre hauptbetroffen von einem Krieg, kann aber nicht allein über die Vorgangsweise gegenüber Nordkorea bestimmen, da man auch militärisch vom Hauptbündnispartner USA abhängig ist.

Die seit dem Frühjahr 2016 regierende linksliberale Demokratische Partei ist eigentlich mit dem Versprechen angetreten, wieder in Dialog mit dem Norden zu treten; bis jetzt ist daraus nichts geworden.

Die südkoreanische Regierung hält sich alle Optionen offen, obwohl sie innen- und außenpolitsisch unter Druck steht. Denn der Präsident Moon Jae In wurde gewählt, weil sich die Bevölkerung eine Annäherung an Nordkorea erhofft hat, daher gleicht die momentane Politik Südkoreas dem Versuche es allen recht zu machen, meint der Korea-Experte an der Uni Wien Rüdiger Frank.

Die bisherige Politik gegenüber dem nordkoreanischen Diktator Kim Jong-Un, bestehend aus Drohungen, Sanktionen, militärischer Abschreckung und Druck aus Peking, haben aus Sicht des Politikwissenschafters und Sicherheitsexperten Heinz Gärtner jedenfalls nichts gebracht.

"Kim Jong Un hört werder auf China, noch auf Russland. Nordkorea macht seine eigene Politik und hält noch viel mehr Sanktionen aus", meint Politikwissenschafter und Sicherheitsexperte Heinz Gärtner.

Der Westen muss sich wohl damit abfinden, dass Nordkorea über Atomwaffen verfügt. Das Ziel sollte sein durch Verhandlung zu erreichen, dass es nicht mehr und stärkere Atomwaffen werden. Welche Schritte zur Deeskalation der jetzigen Krise wären aus Rüdiger Franks Sicht noch sinnvoll?

"Der Westen muss die selbst aufgerichteten Mauern überwinden und mit der nordkoreanischen Führung sprechen. Da hat auch die bisherige Berichterstattung und Verteufelung Nordkoreas nicht gerade geholfen", sagt Rüdiger Frank.

Denkbar wäre etwa eine Neuauflage der Sechsparteiengespräche unter Einbindung der EU. Doch derzeit scheint eine diplomatische Lösung nicht in Sicht. Seoul setzt nun auf die Olympischen Winterspiele in Pyongchang im kommenden Februar: Man hat Nordkorea mehrfach zur Teilnahme eingeladen und hofft auf eine positive Antwort: Die gemeinsame Teilnahme von nordkoreanischen und südkoreanischen Athlet/innen an der Eröffnungszeremonie könnte eine starke und symbolträchtige Botschaft in die Welt senden, so ein hoher südkoreanischer Diplomat bei einer Diskussionsveranstaltung an der Diplomatischen Akademie in Wien.