Viktoria Schulz ("Ellen Lewinsky") und Ruby O. Fee ("Ruth Arndt")

TOBIS Film GmbH

"Die Unsichtbaren" von Berlin

Am 19. Juni 1943 erklärte der NS-Reichspropagandaminister Joseph Goebbels Berlin für "judenfrei". Ein Irrtum, denn rund 7.000 Juden hatten sich dafür entschieden, in der Stadt unterzutauchen. Wie gefährlich und abenteuerlich im negativen Sinne das war, das schildert der Film "Die Unsichtbaren - Wir wollen leben", der ein weitgehend unbekanntes Kapitel des jüdischen Widerstands im Nationalsozialismus aufzeigt.

Morgenjournal | 27 10 2017

Arnold Schnötzinger

Wenn Hanni Levi tagsüber ihr Versteck in Berlin verlassen muss, dann sucht sie die Gegenwart vieler Menschen in der Öffentlichkeit. Zum Beispiel auf dem Berliner Kurfürstendamm oder in einem Kino. Es sind trotzdem nur wenige Momente, in denen sich Levi 1943 etwas in Sicherheit fühlen kann. Sie ist eine von 7.000 Berliner Juden, die sich ihrer Deportation in die Konzentrationslager widersetzten. Sich möglichst unsichtbar zu machen, also sich zu verstecken, zu tarnen und zu täuschen wird zur prinzipiellen Überlebensfrage.

Kriegswitwen-Tarnung

Hanni Levi färbte sich die Haare blond, Cioma Schönhaus gab sich eine neue Identität - immerhin war er ein gewiefter Passfälscher -, Eugen Friede schloss sich im Untergrund einer Widerstandsgruppe an und Ruth Arndt-Gumpel und ihre beste Freundin gingen damals nur mit einem schwarzen Hutschleier vor dem Gesicht auf die Straße, quasi als Kriegswitwen, die vor Kontrollen durch die Polizei weitgehend verschont blieben.

Angst und Unheimlichkeit

Vier Überlebende erzählen in "Die Unsichtbaren - Wir wollen leben" ihre unheilvollen Geschichten, Oral History, die vor allem durch die detaillierten Schilderungen von Flucht und Verstecken das Gefühl des Verfolgtseins und der persönlichen Gefahr zuspitzt, ein Gefühl permanenter Angst und Unheimlichkeit.

Der deutsche Regisseur Claus Räfle scheut Spannungsbögen nicht, im Gegenteil: der Film forciert sie sogar durch seine spezielle Machart, einen kontinuierlicher Wechsel zwischen Interviewausschnitten und nachgestellten Spielszenen. So wird das Mündliche der Zeitzeugen in der szenischen Darstellung verdoppelt und verdichtet. "Wir wollten auf diese Art, diese Geschichten der möglichst authentisch darstellen", meint Räfle.

Respektsbezeugung

Alle vier Protagonisten des Films haben überlebt, so wie rund 1.600 andere Juden in Berlin auch. Der Film "Die Unsichtbaren - Wir wollen leben" erweist ihnen allen, - spät, aber doch - Respekt für ihren Mut, ihre Listigkeit und ihren Überlebenswillen.

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