Liam Neeson (Mark Felt) telefoniert

Constantin Filmverleih

Politthriller "The Secret Man" im Kino

Dass der Watergate-Skandal in den frühen 1970er Jahren aufgedeckt werden konnte und in der Folge zum Rücktritt von Präsident Richard Nixon geführt hat, ist vor allem einem Mann zu verdanken: Mark Felt, ehemaliger Vizedirektor des FBI, hat unter dem Decknamen "Deep Throat" die entscheidenden Informationen an die "Washington Post" weitergegeben. Erst 2005, drei Jahre vor seinem Tod, outete sich "Deep Throat", eine Anspielung auf einen damals populären Pornofilm. Wer genau Felt war und warum er zum Whistleblower wurde, rollt nun der Film "The Secret Man" auf.

Morgenjournal | 31 10 2017

Arnold Schnötzinger

Eleganter dunkler Anzug, weißes Hemd, Krawatten niemals allzu bunt oder gar gemustert, die Schuhe blank poliert. Mark Felt (Liam Neeson) verkörperte schon äußerlich die Korrektheit in Person. Dass ausgerechnet er mit einer Unkorrektheit sondergleichen, mit einem Verrat, die Regierung Nixon zu Fall gebracht hat, ist auf den ersten Blick verblüffend. Doch längst ist der Mann als Watergate-Whistleblower ein Held der Geschichte.

FBI-Unabhängigkeit verteidigen

Loyalität zum eigenen Arbeitgeber FBI hat Mark Felt in seiner Jobbeschreibung ganz oben vermerkt. Da gilt es, die Unabhängigkeit vor allem gegen die Begehrlichkeiten des Weißen Hauses im Strudel des Polit-Skandals zu verteidigen, auch gegen den eigenen Vorgesetzten. "Weil er ihn einfach nicht kontrollieren konnte, hat Präsident Nixon Felt bei der Nachbesetzung des FBI-Direktors nach dem Tod von Edgar J. Hoover übergangen", meint Regisseur Peter Landesman.

Privates Rachemotiv?

Da es sich Mark Felt im Film einmal nach Hoovers Tod auf dessen Bürostuhl bequem macht, quasi von der Aura der Macht kostet, lässt sich ein privates Rachemotiv für den erlittenen Karriereknick nicht ausschließen. Oder waren es doch bedingungsloser Kampf gegen die korrupte Nixon-Administration und purer Eigennutz, die Felt zur Washington Post gehen ließen? Der Film lässt das offen.

Gerangel um Deutungshoheiten

Neben der biografischen Dimension und einem persönlichen Drama rund um Felts Tochter treibt der Film einmal mehr die Rivalität der Institutionen im amerikanischen Polit-Establishment vor sich her, also permanentes Gerangel um Deutungshoheiten zwischen FBI, CIA, Weißem Haus und Justizministerium. "Felt musste das FBI betrügen, um es zu retten", fasst Regisseur Landesman die paradoxe Situation zusammen. Landesman passt seine Regie der Geradlinigkeit seines Protagonisten an, zwischen solidem Charakterporträt, historischem Sittenbild und Politthriller-Spannung. Das filmische Heldendenkmal steht, allzu hoch ist es aber dennoch nicht geraten.

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