Theaterinnenraum

ORF/JOSEPH SCHIMMER

25 Jahre Theatergruppe "Die Fremden"

25 Jahre Bretter die die Welt bedeuten, für die Mitglieder der Theatergruppe "Die Fremden" sind dies die Bretter in einer neuen Heimat. Die Laienschauspieltruppe hat schon fast 80 Schauspielerinnen und Schauspielern - vorübergehend - ein Zuhause geboten, aus mehr als 40 Ländern kamen sie.

Sie alle haben sogenannten Migrationshintergrund, bis auf einen: Markus, der sich gern als einziges weißes unter lauter schwarzen Schafen bezeichnet: Er ist gebürtiger Österreicher und deutschsprachig, in der aktuellen Produktion spielt er den Bus-Entführer. "Fahraway" - als Wortspiel aus dem deutschen Wort für fahren und dem englischen Ausdruck far away für weit weg - ist der Titel der aktuellen Produktion, einer Art Roadmovie auf der Bühne.

Eine Art Schicksalsgemeinschaft

Die Gäste im Bus sind eine Art Schicksalsgemeinschaft, sie teilen lang zurückliegende Erinnerungen, tauschen Erfahrungen aus zu Themen wie Menschenhandel, Schlepperei, Flucht und Ausbeutung. Allen gemeinsam ist die Herausforderung, sich von der alten Heimat zu verabschieden und in der neuen zurechtzufinden.

Erarbeitet werden die Stücke gemeinsam - unter Einbringung sehr persönlicher Erlebnisse und Geschichten, all dies unter der Leitung der Theaterpädagogin Dagmar Ransmayr, die "Die Fremden" vor 25 Jahren gegründet hat. Damals war es der Jugoslawienkrieg, der viele Menschen nach Österreich flüchten ließ.

Auszeichnungen und Preise aber keinen Förderung

Aus einzelnen Szenen zur besseren Verarbeitung der persönlichen Flucht - und Kriegserfahrungen, oft noch ohne Kenntnis der deutschen Sprache, entwickelte sich nach und nach die erste Produktion: "Die Fremden" hieß das Stück - ein Name, der geblieben ist.

Mittlerweile spielt die Truppe das 21. Theaterstück, mehrere Preise und Auszeichnungen haben "Die Fremden" schon ergattert, Förderungen noch nie, was der Gruppe jedoch Unabhängigkeit ermöglicht, so Leiterin Dagmar Ransmayr.

Freunde und Familie

Viele haben hier nicht nur Freunde fürs Leben gefunden, auch so manch eine Familie ist aus den Fremden hervorgegangen. Sophie Leplae etwa hat hier ihren Mann kennengelernt. Die Mitglieder bleiben einander freundschaftlich verbunden, Osas Imafido und Armen Abisoghomyan schätzen das sehr: "Du bekommst hier Anerkennung und Wertschätzung und kannst dich selbst einbringen".

Für Tomasz Nowak ist die aktuelle Produktion die erste: im Radio hat er einen Bericht über "Die Fremden" gehört. Begeistert von der Idee und auf der Suche nach neuen Herausforderungen hat er sich ihr kurzerhand angeschlossen.

Was Dagmar Ranymayr gerne noch versuchen würde: Ein Stück, das sich vor allem mit der Identitätssuche junger Menschen mit sogenanntem Migrationshintergrund beschäftig, vor allem auch, wenn deren Eltern aus unterschiedlichen Kulturen stammen.

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Die Fremden