Joachim Meyerhoff

APA/ROBERT JÄGER

Roman

Meyerhoffs "Zweisamkeit der Einzelgänger"

Der Burgschauspieler Joachim Meyerhoff liegt derzeit hoch im Kurs. Mit dem Einpersonenstück "Die Welt im Rücken" von Thomas Melle hat er dem Burgtheater einen Sensationserfolg beschert und wurde dafür heuer zum Schauspieler des Jahres gewählt und ist auch ein Anwärter auf den am Montag vergebenen Nestroy-Preis. Nächste Woche hat er als Ibsens "Volksfeind" Premiere und dieser Tage ist sein neuer Roman "Die Zweisamkeit der Einzelgänger" erschienen, der vierte Band seiner autobiografischen Buchreihe "Alle Toten fliegen hoch".

Mittagsjournal | 11 11 2017

Katharina Menhofer

"Ich will ja alles andere als eine Schauspielerbiografie auf vier Bände schreiben, das wäre wirklich das Schlimmste, was ich mir vorstellen könnte …" Und doch gibt es wohl keinen Schauspieler der so viel Privates, Persönliches und Peinliches preisgibt, wie Joachim Meyerhoff. Hat man seine Bücher gelesen, kennt man seine Kindheit am Psychiatriegelände, wo sein Vater Direktor war, seine trinkfreudigen großbürgerlichen Großeltern, seine pubertären Missgeschicke beim Austauschjahr in Amerika, seine Verluste und seine Nöte als junger Schauspielstudent. Aber kennt man ihn wirklich?

Weniger unschuldig & eine Nuance dunkler

"Die Figur hat viele Anteile von mir, von dem Erzähler, die hat fiktive Anteile, aber auch wahrhaftige, spielerische, skrupellose Anteile - das ist eher so etwas wie ein Bausatz geworden innerhalb der vier Bände, um irgendwie so einen Faden der eigenen Biografie in die Hand zu bekommen." Dieser Faden führt in "Die Zweisamkeit der Einzelgänger" - nach Bielefeld und Dortmund, wo der Mitte 20-Jährige als unglücklicher Provinzschauspieler zwischen drei Frauen pendelt, die voneinander nichts wissen dürfen: Hanna, die schwierige Intellektuelle, Franke, die erotische Tänzerin, und Ilse, die bodenständige Bäckerin. Das ist deutlich reflektierter als in den vergangenen Bänden, weniger unschuldig und eine Nuance dunkler.

"Man kann einfach nicht immer weiter so tun, als würde man immer nur staunen, das ist auch ein Prozess des Älterwerdens, das sind Desillusionierungen: Jetzt hat er diese Verluste der nahen Menschen hinter sich, und die Ausbildung und hockt da in der Provinz - das hinterlässt auch Spuren bei ihm. Aber natürlich ringe ich als Erzähler trotzdem um eine gewisse Leichtigkeit des Erzählens."

"Nicht Schriftsteller, sondern spielender Erzähler"

Das Schreiben, betreibe er weder als Therapie noch als Selbstbefriedigung, so Meyerhoff, die eigentliche Motivation sei die Freude, die es ihm bereite, mit Worten Dinge heraufzubeschwören. "Wenn ich das manchmal schaffe, dass das gleichwertig ist - das Schreckliche und das Schöne, das Lustige und das Unlustige, das Groteske und das Banale - dann findet auf einmal auch so eine Vergegenwärtigung einer bestimmten Zeit statt."

Ob er noch einen fünften Band schreiben will, lässt Meyerhoff offen. "Ich komm jetzt in der autobiografischen Zeit langsam näher an die Jetztzeit, und es geht mir ja nie darum, irgendwelche Menschen vorzuführen, mit denen ich Zeit verbringe. Auch dass ich meine drei Kinder in irgendeiner Form literarisch verarbeite, wäre für mich völlig indiskutabel, da hätte ich nie irgendein Bedürfnis dazu. Bis jetzt hab ich mich ja gar nicht so als Schriftsteller gefühlt, sondern eher als spielender Erzähler oder Unterhalter - aber jetzt wäre vielleicht einmal der Schriftsteller gefragt, der diese biografische Figur in die Fiktion abbiegen lässt."

Schon kommende Woche ist Meyerhoff wieder als Schauspieler gefragt, wo er als Ibsens "Volksfeind" im Burgtheater Premiere feiert. Wer ihn als Interpret seiner eigenen Texte erleben will, hat dazu morgen, am 11. November um 14 Uhr bei der Buch Wien Gelegenheit, und am kommenden Dienstag im Burgtheater.

Service

Joachim Meyerhoffs, "Die Zweisamkeit der Einzelgänger", Roman, Kiepenheuer & Witsch.
Am Dienstag, den 14.11. liest Meyerhoff im Wiener Burgtheater aus seinem Buch. Burgtheater