Ausstellungsansicht

MUMOK/LISA RASTL

Die Sammlung Hahn im mumok

In der alten Bundesrepublik Deutschland war das Rheinland das unangefochtene Zentrum der zeitgenössischen Kunst. Große Galeristen wie Rudolf Zwirner brachten die Pop-Art bereits in den 1960er Jahren nach Deutschland, Kuratoren wie Kaspar König den zeitgenössischen Diskurs. Und auch Künstler tummelten sich in der Gegend zwischen Köln, Düsseldorf, Wuppertal und Bonn. Eine Ausstellung im Museum moderner Kunst in Wien zeigt nun die Sammlung eines Mannes, der Teil der vibrierenden rheinländischen Kunstszene der 1960er war.

Kulturjournal | 10 11 2017

Christine Scheucher

In den Nullerjahren war der Katzenjammer groß. Vom Hauptstadtsog war die Rede, davon dass Berlin den alten Kunstzentren der Bundesrepublik das Wasser abgräbt. Immer mehr Galerien zog es von Köln an die Spree. Darunter die Galerie Sprüth Magers, ein großer Player im internationalen Kunstgeschäft. Dabei war das Rheinland einst jener Ort, an dem sich in den 1960er Jahren nach einer Epoche des totalen kulturellen Kahlschlags eine Kunstszene entwickelte, deren Strahlkraft weit über die Grenzen Deutschlands hinausging.

"Damals war das Rheinland wirklich die Metropole für zeitgenössische Kunst, es entstand die Fluxus-Bewegung und viele Vertreter des Nouveau Realisme kamen von Paris nach Köln. Es waren jene Kunstrichtungen, die alte Hierarchien aufgelöst haben. Man wollte raus aus dem White Cube und rein ins Leben!", sagt Karola Kraus, Direktorin des Museum moderner Kunst in Wien.

Raus aus dem White Cube!

Im Rheinland ließen sich große Galeristen nieder: Allen voran Rudolf Zwirner, der Künstler wie Robert Rauschenberg nach Deutschland brachte und dem jungen Joseph Beuys eine Bühne bot. Fluxus revolutionierte vom Rheinland aus den saturierten Kunstbetrieb, John Cage und Medienpionier Nam June Paik kamen nach Köln und fanden Inspiration im Umfeld Karlheinz Stockhausens.

Die deutsche Kunstszene erfand sich selbst neu und er war mittendrin der deutsche Sammler Wolfgang Hahn, Chefrestaurator im Wallraf-Richartz-Museum und später im Museum Ludwig in Köln. "Er war ein Besessener", sagt Karola Kraus. "Er wollte Kunst um sich scharen. Sein Haus war nicht sehr groß, aber dieses Haus war vollgestopft mit Kunst. Selbst auf der Toilette zeigte Hahn seine Kunstwerke. Die Kunst, die er gesammelt hat, ist heute sehr wertvoll, aber damals war sie durchaus noch erschwinglich."

Die Ausstellung "Kunst ins Leben!" verschafft einen Überblick über die rheinländische Kunstszene der 1960er Jahre und zeigt Highlights aus der Sammlung Wolfgang Hahn. Mit kleinem Budget und großem Engagement baute Wolfgang Hahn eine beachtliche Sammlung zeitgenössischer Kunst auf. Mit vielen Künstlern war Hahn eng befreundet. Zum Beispiel mit dem koreanischen Medienkunstpionier Nam June Paik.

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MUMOK/LISA RASTL

Ein Sammler aus Leidenschaft

Das mumok zeigt unter anderem Nam June Paiks Klavier Intégral, ein Kunstwerk, das heute von unschätzbarem Wert ist. Im Deutschland der 1960er Jahre macht Nam June Paik das Klavier als Versatzstück der bürgerlichen Hochkultur zum vielstimmigen Klang- und Kunstobjekt. Er bespritzt das Klavier mit Farbe, verziert es mit Objekten der Konsumkultur: ein Telefon, ein Büstenhalter, eine Plastikflasche. Dem präparierten Klavier waren Töne zu entlocken, die man im Konzertsaal so noch nicht gehört hatte.

"Paik war ausgebildeter Musiker und Musikhistoriker. Er hat eine Magisterarbeit über Arnold Schönberg geschrieben. Als er nach Deutschland kommt, sucht er nach neuen Formaten und merkt, dass die klassische Ausstellung für ihn nichts mehr ist, dass sie ihn nicht weiterführt. Die bildende Kunst, Malerei und Skulptur interessiert ihn nicht, aber er findet, dass die Musik neue Perspektiven aufzeigen kann und er bringt sie in die bildende Kunst ein. Paik stellt gewissermaßen die Musik aus", sagt Susanne Neuburger, Kuratorin der Ausstellung "Kunst ins Leben!".

Nam June Paiks Klavier Intégral gehört zu den teuersten Exponaten der Ausstellung, die in Kooperation mit dem Museum Ludwig in Köln entstanden ist. Die Sammlung Hahn selbst gehört übrigens zu den Beständen des Wiener mumok. Sie wurde bereits 1978 von der Republik Österreich erworben.

Service

mumok - Kunst ins Leben! - Der Sammler Wolfgang Hahn und die 60er Jahre. 10. November 2017 bis 24. Juni 2018

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