Blonde FRau mit bunter Trommel

Mark Kaplan

Kunst, die unter die Haut geht: Vienna Art Week

Bereits seit 2004 präsentiert sich der Kunststandort Wien im Rahmen der Vienna Art Week. Heuer geht das Erfolgsformat mit dem Generalthema "Transforming Technology" in die nächste Runde. In Diskussionen und Performances untersuchen Kuratoren, Kritikerinnen, Künstler und Künstlerinnen die Frage, wie sich die viel zitierte Digitalisierung auf unsere Lebens- und Arbeitswelt auswirken wird.

Mittagsjournal | 13 11 2017

Christine Scheucher

Sie ist einer der wenigen lebenden Cyborgs unserer Zeit: die spanische Künstlerin Moon Ribas. Ein Cyborg ist ein Mischwesen zwischen biologischem Organismus und Maschine. In Moon Ribas' Füßen sind Sensoren implantiert, diese vibrieren, sobald es irgendwo auf der Welt ein Erdbeben gibt. Je stärker die Erde bebt, desto intensiver ist auch das Signal, das Moon Ribas empfängt. Diese Signale wiederum übersetzt die Künstlerin in Bewegungen, in tänzerische Performances. Moon Ribas' Kunst geht im wahrsten Sinne unter die Haut.

Seismographin der Kunst

"Ich habe Choreographie und Tanz studiert. Die Sensoren in meinem Körper helfen mir dabei, das Wesen der Bewegung besser zu verstehen", sagt die 32-jährige Künstlerin. Dienstagabend (14.11.) wird Moon Ribas im Rahmen der Vienna Art Week in einer Performance im Museum für angewandte Kunst zu sehen sein. Ribas hat die so genannte Cyborg Foundation gegründet. Deren Ziel: die Erweiterung der menschlichen Sinne mithilfe von implantierbaren Chips und Sensoren.

Der alte Menschheitstraum von der Überbietung der Schöpfung mit den Mitteln der Technik scheint zum Greifen nah. Körperfunktionen sollen in Zukunft mittels Chipimplantat überwacht werden (Stichwort Krebsfrüherkennung), unsere Wahrnehmung wurde ohnedies längst mittels technischer Prothesen wie dem Smartphone erweitert. Schöne, neue Welt. Was nun? "Der Verbindung von Mensch und Maschine war den Menschen immer unheimlich. Aber es liegt in der Hand des Menschen, die Technik positiv zu nutzen", sagt Moon Ribas.

Die spanische Künstlerin ist zweifellos der heimliche Stargast der diesjährigen Vienna Art Week, die sich heuer dem Generalthema "Transforming Technology" widmet, der zentralen Zukunftsfrage also, wie die Digitalisierung, die mitunter ja als vierte industrielle Revolution bezeichnet wird, unsere Gesellschaft verändern wird. Die Kunst, sagt Robert Punkenhofer, der künstlerische Leiter der Vienna Art Week, als großes Experimentierfeld beschäftige sich mit den gesellschaftlichen und ökonomischen Umwälzungen, die vor uns stehen. "Wir stellen dieses Jahr zwei Fragen. Erstens: Welchen Einfluss haben neue Technologien auf die Kunstwelt, das künstlerische Schaffen, den Kunstmarkt. Zweitens: Welchen Einfluss hat der Künstler auf technologische Entwicklungen", sagt Robert Punkenhofer.

Die Vienna Art Week lockt auch in diesem Jahr internationale Kuratorinnen und Kunstaficionados nach Wien. Neben Galerien und Off-Spaces nehmen auch die meisten Museen und großen Institutionen am Programm der Vienna Art Week teil, die bis 19. November zu Diskussionen, Performances und Spezialführungen einlädt.

Vienna Art Week - 13. bis 19. November 2017

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