Crowdfunder mit Constantin Seibt

JAN BOLOMEY

"Republik": Crowdfunding für die Demokratie

In der Schweiz startet im Jänner das digitale Magazin "Republik". Die Macher haben sich zum Ziel gesetzt, mit ihrem Journalismus die Demokratie in der Schweiz zu stärken. Finanziert wird das Projekt mittels Crowdfunding durch Leser und Leserinnen und private Investoren. Das Interesse ist größer als erwartet: 14.000 Personen sind bereits dabei. Nadja Hahn hat für #doublecheck mit Mitbegründer Constantin Seibt gesprochen.

"Bescheidenheit gehört nicht zur DNA unseres Unternehmens", sagt Constantin Seibt, der vorigen Oktober den Schweizer "Tagesanzeiger" verlassen hat, um mit dem Online-Magazin "Republik" den Journalismus in der Schweiz aufzumischen, und da wolle er nichts Kleines machen: "Wir wollen so klingen, als wären mehrere Amerikaner von ihrem Hubschrauber über Zürich abgesprungen, und die werden jetzt Journalismus machen."

Rettungsaktion

Klingt wie eine Rettungsaktion - und so sieht es Seibt auch, denn der Journalismus in der Schweiz liege im Argen. Erst im Oktober hat die größte Mediengruppe der Schweiz, "Tamedia" – die auch an der österreichischen Gratiszeitung "Heute" eine 25-Prozent-Beteiligung hält – hat ihre Regionalzeitungen zusammengelegt. Das gehe zu Lasten der journalistischen Vielfalt. Da auch das Anzeigenbusiness schwächle, werde "Tamedia" immer mehr zu einem Internethandelshaus mit Job- , Auto- oder Immobilienbörsen und entwickle sich weg vom Journalismus.

Constantin Seibt im Interview mit Nadja Hahn

Gleichzeitig werde der politische Einfluss größer. Christoph Blocher, Milliardär und Chefstratege der rechtskonservativen Schweizerischen Volkspartei (SVP), gehöre bereits ein Drittel der "Basler Zeitung Medien AG". Zudem hat er noch einen Familienverlag gekauft, der 25 lokale Gratisblätter herausgibt. Auch dem öffentlich-rechtlichen Schweizer Radio und Fernsehen SRF droht das Aus, wenn in der Volksabstimmung im März 2018 für die Abschaffung der Rundfunkgebühren gestimmt wird.

"Alles was dunkel und verwickelt ist"

"Eine funktionierende Demokratie braucht einen funktionierenden Journalismus", sagt Seibt, immerhin werde in der Schweiz mehrmals im Jahr über komplexe Themen abgestimmt und genau das sieht "Republik" als Auftrag.

Seibt über die Themen, über die "Republik berichten will

Constantin Seibt

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Constantin Seibt

"Wir machen alles, was dunkel und verwickelt und etwas unangenehm ist." Seibt nennt etwa die Eurokrise oder die Schweizer Elektrizitätswirtschaft. Dabei wird das Magazin durchaus eine politische Schlagseite haben.

"Wir sind nicht neutral"

"Wir sind nicht neutral. Wir sind von liberal bis links weit offen, sind aber gegen die Rechtsnationalen", sagt Seibt. Man sei eben ein republikanisches Medium, daher auch der Name "Republik".

Das ist vielen Schweizern offenbar etwas wert. Im Frühling ist eine Crowdfunding-Aktion gestartet, die mehr Geld als erwartet gebracht hat: 14.000 Leser und Leserinnen haben eine Jahresmitgliedschaft bezahlt, die 240 Schweizer Franken (205 Euro) kostet. Zusätzlich haben Privatinvestoren 3,5 Millionen Franken investiert. Damit sei der Start abgesichert.

Constantin Seibt über die politische Ausrichtung der "Republik"

Crowdfunding macht unabhängig

Die vielen Eigentümer seien ein Garant für redaktionelle Unabhängigkeit. Hier sieht Seibt einen Unterschied zum österreichischen "addendum.org", das sich ebenfalls dem Qualitätsjournalismus verschreibt, aber von Red Bull-Chef Dietrich Mateschitz finanziert wird.

"Frei ist, wer mehr als drei Herren hat. Wir haben im Moment 14.000 Herren und Herrinnen, das heißt, wir sind ziemlich frei." Private Investoren seien ab 10.000 Franken eingestiegen, die größte Investition habe eine Million Franken betragen. Für wohlhabende Schweizer sei die "Republik" "ein Mittelding zwischen Investment und Mäzenatentum".

Auch die Organisation soll für Unabhängigkeit sorgen: Das Magazin ist als Aktiengesellschaft organisiert. Investoren hätten als Aktionäre kaum Stimmrechte, würden aber, sobald Gewinne anfallen, ihr Geld zurückbekommen. Dahinter stehe das Medien-Start-up "Projekt R", eine Genossenschaft die sich um Journalismus, Ausbildung, Open Source Software, Rechtliches und Veranstaltungen kümmere. Zwei Dutzend Mitarbeiter sind dort beschäftigt.

Großer Ansturm im Hotel Rothaus um Mitglied bei Republik zu werden.

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Vorbild: "De Correspondent"

Als Vorbild gilt das niederländische Crowdfunding Online-Magazin "De Correspondent". Viel mehr als andere Crowdfunding-Projekte, wie etwa "Krautreporter" in Deutschland, ist es seit vier Jahren erfolgreich und will 2018 auch in den USA starten.

Wie viele Leser und Leserinnen "Republik" treu bleiben, sei schwer abzuschätzen. Die Deutsch-Schweiz sei ein kleiner Markt, sagt Seibt. Aber mit 22.000 bis 25.000 Mitgliedern könne man langfristig überleben, das solle spätestens in vier bis fünf Jahren gesichert sein. "Schaffen wir das, machen wir Gewinn. Schaffen wir es nicht, werden wir dafür bluten."

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