Karel Appel, L’Enfer et ses joies, 1958

ALBERTINA WIEN

Kritik an Verkauf von Essl-Werken

Bedeutende Arbeiten aus der Sammlung Essl wurden an die Sammlung Würth verkauft. Es handelt sich um namhafte Werke von Künstlern wie Karel Appel, Maria Lassnig, Georg Baselitz oder Martin Kippenberger. Da sich die Sammlung Essl für 25 Jahre in der Obhut der Wiener Albertina befindet und die öffentliche Hand dafür 1,1 Mio. jährlich bezahlt, sorgt dieser Verkauf für heftige Kritik. Bereits 2014 wurden bedeutende Werke aus der Sammlung Essl bei einer Auktion in London versteigert.

Mittagsjournal | 01 12 2017

Sabine Oppolzer

Die besten Arbeiten sind verkauft

"In diesem Abkommen zwischen öffentlichem Museum und privater Sammlung zieht die öffentliche Hand den Kürzeren", sagt der internationale Museumsexperte Dieter Bogner, der seinerzeit Erfinder des Museumsquartiers in Wien war. Er hat schon zu Jahresbeginn verlangt, dass dieser Vertrag zwischen Albertina und Sammlung Essl aufgelöst wird. "Wenn von einer Sammlung, die auf einen Wert von 200 Mio. Euro geschätzt wurde, über 100 Mio. bereits verkauft wurden, dann sind zwar noch immer 4.000 Kunstwerke übrig, aber man kann sich vorstellen, dass da sehr viel Schrott dabei ist", so Bogner in Kenntnis der Liste der Arbeiten, die sich in der Sammlung Essl befinden.

Hat der Albertina-Direktor ein Compliance-Problem?

Dieter Bogner sieht ein Compliance-Problem darin, wenn ein Direktor eines Museums Kunstwerke aus einer privaten Sammlung verkauft. Denn sein Interesse sollte es sein, die hochkarätigen Kunstwerke im Haus zu behalten. Klaus Albrecht Schröder meint dazu "nein, das ist keineswegs ein Interessenskonflikt, denn die Sammlung Essl ist so unendlich reich an hochwertigen Bildern. Wir haben nur Arbeiten jener Künstler ausgewählt, von denen wir große Konvolute haben. Von Georg Baselitz etwa besitzen wir 40 Werke und wir haben nur solche ausgewählt, von denen wir in derselben Qualität, in derselben Größe, aus derselben Zeit noch andere Arbeiten haben."

Intransparente Konstruktionen

Klaus Abrecht Schröder hat gemeinsam mit Karlheinz Essl die zu verkaufenden Kunstwerke ausgewählt. Mit dem Erlös werden Schulden bei Hans Peter Haselsteiner getilgt - wobei 60 Prozent der Sammlung Essl GmbH der Privatstiftung von Hans Peter Haselsteiner gehören. Für Dieter Bogner eine sehr intrasparente Konstruktion, von der vor allem die Eigentümer der Stiftung profitieren: "Die Sammlung ist von einer gemeinnützigen Stiftung in eine normale Privatstiftung gewandert, dann in eine GmbH umgewandelt und dann wieder in eine andere GmbH umgewandelt. Ich denke, der Rechnungshof sollte genau prüfen, ob da nicht eine Menge Steuern fällig wurden."

Bundessammlungen darben

Tatsache ist, dass Kulturminister Drozda zwar die jährlich 1,1 Mio. an die Albertina für die Pflege der Sammlung Essl zugesagt hat. Die notwendige Zusage des Finanzministers fehlt aber bisher. Daher scheint dieser Vertrag langfristig nicht abgesichert zu sein. Dazu kommen im Albertina-Budget bisher fehlende 1,1 Mio. jährlich, die die Ausstellung der Sammlung Essl im Künstlerhaus kosten wird. Eigentümer des Künstlerhauses ist die Haselsteiner-Privatstiftung.

Dieter Bogner kritisiert diese geplanten Ausgaben von 2,2 Mio. jährlich für eine private Kunstsammlung, während den Museen mit den Sammlungen des Bundes das Wasser bis zum Hals steht. Die Kritik an dem Deal hat zu einer Prüfung der Albertina durch den Rechnungshof geführt. In den ersten Monaten des Jahres 2018 wird der Abschlussbericht erwartet.

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