Der Intendant und sein kabarettistischer Sohn

Auszüge aus "Menschenbilder" mit Ernst & Christoph Grissemann und Rainer Rosenberg vom 1. Oktober 2017

Als Ernst Grissemann Ö3-Chef war, begann Rainer Rosenberg, bei Ö3 zu arbeiten, und als Rainer Rosenberg für die Sendereihe "ZickZack" zuständig war, startete Christoph Grissemann seine Karriere bei Ö3. Ein weiterer Generationswechsel fand am 1. Oktober zum 50. Geburtstag von Ö1 statt: Christoph übernahm die Rolle der "Station Voice" von Ö1. Über Pioniertaten von Vater und Sohn, Qualitäten und - Pardon - Dummheiten "on air", Kultur, Provokation und Politik im Wandel der Zeit wurde in einer Spezialausgabe der "Menschenbilder" live gesprochen.

Nepotismus

Ö1: Ich freue mich, Ernst Grissemann begrüßen zu dürfen, Ö3-Chef, Ö1-Chef, Radiodirektor - Pardon, damals hieß es Intendant.
Ernst Grissemann (lachend): "Hörfunkintendant".
Ö1: Danke fürs Kommen. Ernst Grissemann ist die "Station Voice" von Ö1 bis zum heutigen Tag …
Christoph Grissemann (fällt dem Moderator gut gelaunt ins Wort): Gewesen.
Ö1: Und jetzt ist es Christoph, der zweite Gast.

Christoph G.: Damit man dem ORF keinen Nepotismus unterstellen kann …
Ö1: Allerdings besteht der Nepotismus oft darin, dass Menschen davon einen Vorteil haben.
Ernst G.: Er besteht vor allem darin, dass einer von den beiden an der Macht ist. Wir sind beide nicht mehr an der Macht, also hat der Nepotismus im Grunde genommen zwei Neffen und keinen Onkel.
Ö1: Zu diesem Nepotismus muss ich sagen - ich spiele da zum Glück keine Rolle, wir sind in keiner Weise verwandt …
Christoph G.: Wir wissen’s nicht genau, aber wahrscheinlich.
Ö1: Der Vater ist immer unsicher … Als ich beim Radio angefangen habe, war Ernst Grissemann Ö3-Chef.

Christoph G.: Du warst mein Chef, und er war dein Chef Ende der 80er Jahre, und es war mein Riesen-Glück …
Ernst G. (wirft beiläufig und ebenso gut gelaunt wie sein Sohn zuvor ein): Ich war der Chef von beiden.
Christoph G.: … dass ich unkündbar war. Stermann und ich machten, als Rainer Rosenberg noch Chef war, unsere ersten Schritte im Radio. Und ich war als Sohn des großen Chefs sozusagen unkündbar.
Ö1: Christoph, wir haben ja beschlossen, respektvoll mit Herrn Intendanten außer Dienst umzugehen: wie immer per Sie. Und respektlos wie immer mit Dir, per Du.
Ernst G.: Also zwei gegen einen.
Ö1: Zwei Pubertierende?
Ernst G.: Zwei per Du, und einer muss das "Sie" ertragen.
Ö1: Aber der Respekt wiegt das auf.

Vater & Sohn

Ö1: Christoph, warst du als Pubertierender für deinen Vater die Pest?
Christoph G.: Wahrscheinlich eine Mischung aus Pest und Cholera, würde ich sagen. In den Anfangszeiten des Radios, als er Hörfunkintendant war, war das, wenn ich mich an die eigenen Erzeugnisse zurückerinnere, ziemlich …
Ö1: Ich meine nicht das Radio, sondern das Leben als Kind. Oder war der Vater ohnedies dauernd am Sender?

Ernst G. (macht sich daran, anstatt des Sohnes die Frage zu beantworten): Als Kind war er ziemlich die Pest. So wie er hätte es kein anderer Säugling ausgehalten durchzuschreien. Das waren Nächte! Er hat immer zwischen neun Uhr früh und 21 Uhr am Abend geschlafen, dann ging‘s los.
Christoph G. (amüsiert): Daran hat sich bis heute nichts geändert. Ich kann mich daran nicht erinnern, mein Vater war ja damals großer Radio-Funktionär und selten zu Hause. In Wahrheit wurden Stefan, mein älterer Bruder, und ich ziemlich alleine gelassen, wir waren relativ unbeobachtet und sind in den Kinderzimmern unserer Wege gegangen.

Ernst G.: Da muss ich dazusagen, ich war es, der die beiden, nachdem sie sich über sämtliche Tabletten aus der Hausapotheke hergemacht hatten, ins Spital gefahren hat, um ihnen den Magen auspumpen zu lassen! Ich war es, der in die Schule gegangen ist, um die Professoren zu überreden, weiter mit den beiden zu reden. Ich war es, der sie langsam darauf vorbereitet hat, dass sie nach dem Scheitern bei der Matura irgendetwas finden, mit dem sie den Lebensunterhalt verdienen können.

Christoph G.: Nein, nein, das stimmt nicht - ich bin zweimal durchgefallen, einmal in der dritten, einmal in der sechsten, und war bei der Matura älter als mein Englischlehrer, das weiß ich noch.
Ernst G.: Das bestätigt eigentlich, was ich sage.
Christoph G.: Aber wenn das kein klassischer Einstieg zu Ö3 ist, weiß ich auch nicht.
Ernst G.: Das wäre ein Einstieg zu Ö3, aber ob er klassisch ist …

Ö3

Ö1: Und als Sie zu Ö3 gekommen sind, da war er gerade ein Jahr alt.
Ernst G.: Ja, wir sind nach Wien übersiedelt, und er hat natürlich nichts mitgekriegt - was er gerade ausbreitet, der Vater hätte sich überhaupt nicht gekümmert …
Christoph G. (wirft gewitzt ein): Die Mutter auch nicht.

Ernst G.: Es war viel Arbeit, wir hatten sechs Wochen, um das Programm für Ö3 auf die Beine zu stellen, und es ist gelungen. Ich kann mich erinnern, es war der 1. Oktober 1967, ein Sonntag so wie heute. Wir haben um 8 Uhr früh begonnen und bis zirka 24 Uhr durchgesendet. Und die Telefone sind nicht still gestanden. Wir hatten 20 oder 25 Telefonnummern reserviert, weil wir dachten, dass sich die Leute melden würden. Doch auch das war zu wenig - wir bekamen eine unglaubliche Retourkutsche von den Hörern. Die waren zum Teil völlig irritiert, was da auf dem neuen Sender passiert, das war man nicht gewohnt.
Ö1: Aber sie hätten doch nicht aufdrehen müssen, das war doch auf einer anderen Frequenz.

Ernst G.: Das stimmt so nicht ganz, es war auf der Frequenz des sogenannten Versuchsprogramms, das sich zwar als drittes Versuchsprogramm etabliert hatte, aber ein beliebtes Programm war, weil einfach eine Schallplatte nach der anderen gespielt wurde, ohne Moderation dazwischen. Ö3 war anders. Da kamen so Leute wie Gerhard Bronner, Frank Elstner. Ich habe einen Griff getan, der hieß Peter Rapp. Ich war damals noch im Hotelzimmer - ich habe zu der Zeit noch im Hotel gewohnt -, als mich Helmut Zilk, damals Fernsehdirektor, anrief und sagte: "Nimm bitte den Moderator, der gerade in Ö3 spricht, sofort vom Mikrofon, der erzählt entsetzliche Witze." Ich habe das Radio aufgedreht, und er hat wirklich schreckliche Witze erzählt, vom Typ: Kommt ’ne Frau zum Arzt … Und ich hab dem Techniker gesagt, er soll ihm das Mikro nicht mehr geben, und bin ins Funkhaus. Peter Rapp meinte zu mir, er versteht das nicht - die Witze hätten immer funktioniert, wenn er sie im Bierzelt gemacht habe.

Christoph G.: Man muss die Ehre von Peter Rapp retten, er ist natürlich ein Gigant. Ich kenne ihn gut und weiß, was er aushält. Eine größere Selbstironie als Peter Rapp hat keiner.
Ernst G.: Damals hatte er noch nicht die Erfahrung von heute. Damals war er baff, dass er solche Witze nicht im Radio erzählen sollte.

Ö1: Ö3 war ja für Österreich eine Öffnung in die Welt und ein Vorbild für viele Sender im deutschsprachigen Raum. Hat sich das auf Ihre Weltoffenheit nach Ihrem Kommen aus Tirol ausgewirkt? Sie sind ja schon als 20-Jähriger angetreten, quasi um im Radio zu sprechen.
Ernst G.: Das ist richtig, noch während der Besatzungszeit, 1954. Damals waren in Tirol im Radiostudio in Innsbruck auch Könner wie Dietmar Schönherr, Walther Reyer, Axel Corti und so weiter. Und ich habe fast alle mitgenommen - Otto Grünmandl, Bert Breit …

Ö1: Wir hatten in Ö3 und in Ö1 viele Konkurrenzverhältnisse: Als Sie Ö3-Chef waren, hieß es immer, da soll wer anderer Chef werden. Und da wurden Sie Intendant - wie ging das zu?
Ernst G.: Das ergab sich eigentlich durch Zufall. Ich war gerade auf Urlaub, 1979 im Jänner, und bekomme einen Anruf, dass mich der damalige Hörfunk-Intendant Wolf in der Maur zu sprechen wünsche. Und der sagte mir am Telefon: "Ich gratuliere dir, du bist Hörfunkintendant." Das kam, gelinde gesagt, etwas überraschend. Teddy Podgorski hatte seine Fernseh-Intendanz zurückgelegt, und Wolf in der Maur wurde Fernseh-Intendant. Darum war die Stelle frei, und es fiel ihnen niemand anderer ein als ich.

Ö1: Generalintendant war Gerd Bacher, der Sie geholt hat, mit eine Figur der österreichischen Zeitgeschichte.
Ernst G.: Ein ganz großer Medienmacher in Österreich, ihm ist zu verdanken, dass der ORF so, wie es ihn heute gibt, dasteht.
Ö1: Robert Menasse hat ihn heute in seiner Festrede (zum 50. Jubiläum von Ö1, Anm.) gelobt. Was man sich von einem, der eher als links bezeichnet wird, vor 25, 30 Jahren nicht erwartet hätte. Wie war das mit der Politik?

Ernst G.: Ich wurde wahlweise, wie’s grad gepasst hat, einmal als Mitte rechts, dann als Mitte links bezeichnet, dann als gar nichts bezeichnet, wie auch immer.
Ö1: Das Unangenehmste war wahrscheinlich gar nichts, denn dann konnte niemand sagen: Den Grissemann haben wir, und den setzen wir auf einen roten, einen schwarzen Sessel.
Ernst G.: Da war Bacher vor. Selbst wenn ich irgendwelche Verbindungen zu irgendeiner politischen Partei gehabt hätte - was ich nicht hatte -, hätte Bacher das verhindert. Nie war der österreichische Rundfunk so frei von politischen Verbindungen, so unabhängig wie zur Zeit der ersten Bacher-Ära zwischen 1966 und 1974.

Ö1: Unabhängig im Sinne einer Demokratie oder einer Monarchie?
E. Grissemann: Im Sinne einer Demokratie natürlich, es war keine Monarchie, die Gerd Bacher da aufgerichtet hat. Er war ein starker Generalintendant und hat seine Stärke genutzt, um uns Programmacher davor zu schützen, uns irgendwelchen Zwängen von Seiten der begehrlichen Parteipolitik unterwerfen zu müssen. Das war ein wunderbares Arbeiten.

Radio in Kriegszeiten

Ö1: Sie haben in Tirol ja auch den Krieg erlebt, 1945 waren sie elf. Die Kriegszeit war die sündigste Zeit des Radios überhaupt, die Vergewaltigung des Mediums zum Desinformationsmedium.
Ernst G.: Während der Kriegszeit hatte das Radio keine Faszination für mich. Es war immer das Gleiche: Irgendeiner hat gebrüllt, oder irgendeine Musikkappelle hat Märsche gespielt - das war das Radioprogramm von damals. Ich kann mich nur noch erinnern, wie mein Vater immer nach dem Mittagessen mit einem schwarzen Tuch, das er über sich und über das Radio gelegt hat, BBC hörte. Meine Mutter war völlig verzweifelt, weil sie dachte, irgendwer würde erfahren, dass der Feindsender gehört wird. Aber Gott sei Dank ist nie etwas passiert. Unmittelbar nach Ende des Krieges kam die völlig neue amerikanische Musik über Sender wie AFN oder BFN in unsere Radioprogramme. Von da an hat mich das Radio interessiert.

Ö1: Von da an wollten Sie Ö3 machen.
Ernst G.: So ist es - schon mit zwölf Jahren war ich erster Ö3-Chef, allerdings nur angedacht.
Ö1: Neun Jahre später waren Sie dann Sprecher. Wie kann man sich den Rundfunk 1954 in Tirol vorstellen?

Ernst G.: Es gibt heute kein Pendant zu dem, was die Sendergruppe West damals bedeutet hat. Da gab es die beiden Sender Dornbirn und Innsbruck, zusammengefasst und verwaltet von der französischen Besatzungsmacht. Wir hatten in Innsbruck einen Leiter aus der französischen Besatzungsära, der sehr gut Deutsch sprach. Er hieß Zinsmeister, war aber darauf bedacht, dass man ihn "Zinsmeistäär" nannte. Er hatte zwei Doggen, mit denen er einmal die Woche erschien. Da marschierte er mit den Hunden den Gang rauf und runter, sah in seinem Büro nach, ob die Sekretärin ihre Arbeit macht. Das war seine Arbeit als Radiochef der französischen Besatzungsmacht. Ungefähr 1953 schon übergab die Besatzungsmacht den Sender der Landesregierung. Wir waren im ersten Jahr ohne französische Aufsicht ein Sender der Landesregierung, und die Landesregierung hat dann den Intendanten nominiert.

Ö1: Da hat sich aber viel geändert, Sie sind ja auch Intendant in Tirol geworden.
Ernst G.: Sehr viel später natürlich. 1954 war ein ganz anderer Intendant, nämlich einer, der vom Landeshauptmann nominiert worden ist und erst 1966, nachdem Gerd Bacher Generalintendant wurde, seines Amtes enthoben wurde.

Geglücktes Leben

Ö1: Christoph, fällt dir etwas ein, das man als geglücktes Leben bezeichnen sollte? Oder ist das ein Anmaßung zu sagen, etwas wäre geglückt?
Christoph G.: Ich glaube, das ist eine Anmaßung, weil jeder vernünftige Mensch unglücklich ist. Du weißt selbst, wie die Welt aussieht zurzeit. Und du kennst die Ö1-Honorare. Glück ist ja nie von Dauer, das gibt es doch höchstens in Sekunden.
Ö1: Und wenn das Leben geglückt ist? Grissemann Senior?
Ernst G. (Pause): Woraus nährt sich die Frage?

Ö1: Die Sendereihe "Menschenbilder" wurde von Hubert Gaisbauer begründet und trägt den Untertitel "Vom geglückten Leben". Und da waren sehr viele Menschen zu Gast, die schreckliche Dinge erlebt haben. Darum könnte man mit Viktor Frankl "Trotzdem ja zum Leben sagen" denken. Man könnte aber auch sagen, eigentlich kann man das geglückte Leben nur in der Sekunde des Todes feststellen, wenn man zurückschaut und denkt: Ja, es war gut … (Schweigen) Das war eine ganz schlechte Frage - Herr Grissemann, das hätten Sie mir verboten!
Christoph G. (amüsiert): Der Moderator, der die Antwort schon mitliefert!

Ernst G.: Nein, das ist hervorragend, da kann man mit "Ja" oder "Nein" antworten. Ich antworte mit "Ja".
Ö1: Wie bei "Multiple Choice".
Ernst G.: "Multiple Choice" ist immer eine wunderbare Ungerechtigkeit, aber schön.
Ö1: "Multiple Choice" schränkt doch wahnsinnig ein.
Ernst G.: Aber es bringt auch die Möglichkeit, richtig zu erraten, was man nicht weiß.

Schlagfertigkeit

Ernst G.: Christoph hat eine unglaubliche Schlagfertigkeit, die ich sehr bewundere. Ich besitze auch eine gewisse Schlagfertigkeit, aber normalerweise brauche ich 30 Minuten für die Antwort. Manchmal bin allerdings auch ich schneller. Einmal war ich kurz vor den Nationalratswahlen als Moderator einer Veranstaltung in Salzburg engagiert. Die Veranstaltung hatte mit den Wahlen nichts zu tun, trotzdem saß der damalige Bundeskanzler im Publikum, weil er behauptete, der Industrielle, der diese Veranstaltung gemacht hat, wäre ein Freund. Man sagte mir, ich möge den Bundeskanzler auf die Bühne bitten. Ich bitte ihn auf die Bühne, er umarmt mich und sagt: "Die Stimme, die wir lieben." Und ich antworte innerhalb einer Zehntelsekunde: "Und die hätten Sie gern." Diese Begebenheit ist einer der wenigen Beweise meiner Schlagfertigkeit.

Christoph G.: Dazu muss man allerdings sagen, mein Vater hasst es, auf seine Stimme reduziert zu werden. Wir machen oft Auftritte zusammen, und er sagt mir immer: "Wenn Du mich auf die Bühne bittest, bitte nicht wieder auf die Stimme eingehen." Und ich sage dann immer: "Meine Damen und Herren, hier ein Mann, der es hasst, auf seine Stimme reduziert zu werden, er war lange Jahre Hörfunkintendant, begrüßen Sie bitte ‚the voice‘ Ernst Grissemann."
Ernst G.: Das macht er tatsächlich.
Christoph G.: Damit kann man ihn bis aufs Blut ärgern, das ist ganz angenehm.
Ernst G.: Das erste Mal, dass es bei Veranstaltungstourneen die Ohrfeige schon vor Beginn der Lesung gibt.

Ö1: Grissemann und Grissemann ist erfolgreicher als Stermann und Grissemann?
Christoph G.: Absolut. Die Leute schätzen es, dass ein dynamischer Partner an meiner Seite ist und nicht der Grauhaarige aus dem Fernsehen. Ich sehe das immer in den Augen des Publikums, dieses Erstaunen: Oh, er lebt noch - und damit meinen sie mich!
Ö1: Wie sind Sie dann auf die Idee gekommen, gemeinsam aufzutreten?
Christoph G.: (zum Vater) Du brauchtest Geld oder?? (Beide lachen schallend) Nein, wir wollten schon länger mal etwas zusammen machen.

Ernst G.: Ich glaube, das hat sich einfach entwickelt. Wir haben ein paar Mal darüber geredet, gemeinsam etwas zu machen, und irgendwann hat die Agentur, der wir beide angehören, gezündet, und, zack, waren Termine da.
Christoph G.: Ja, und es ist auch eine relativ einzigarte Konstellation, es gibt ja kein Vater-Sohn-Paar. Die Leute genießen das wirklich, muss man sagen. Für mich ist es auch sehr angenehm, mit ihm auf der Bühne ist es herrlich. Ich würde behaupten, die Leute kommen wegen mir, aber sie bleiben wegen ihm. Er erzählt die köstlichsten Anekdoten - weil vorhin das Stichwort Grünmandl gefallen ist, man schmeißt sich vor Lachen wirklich weg, wenn er über Grünmandl redet.

Ernst G.: Aber das ist nicht mein Verdienst, sondern das Verdienst von Otto Grünmandl.
Christoph G.: Es ist aber auch dein parodistisches Talent, Grünmandl so nachzumachen. Ich kann in dieser Lesung, obwohl ich 50 Prozent der Gage kriege, vollkommen in mich zusammenfallen, ich kann einfach Schlaftabletten nehmen und sitze dann da wie eine Ikea-Vase, und er übernimmt das ganze Programm.
Ö1: Eine Ikea-Vase sitzt?!

Das Lachen an der falschen Stelle

Ö1: Dieses Lachen an der falschen Stelle - erleben Sie das auch bei Klappe Santa?
Ernst G.: Natürlich erlebt man das auch da, aber da weiß man nach einer gewissen Zeit, warum. Das Publikum ist jeden Tag anders. Ich habe das schon von vielen Leuten gehört, die das ganze Jahr spielen, dass es praktisch bei jedem Gig ein anderes Publikum und eine andere Dynamik gibt. Man kann sich also niemals darauf festlegen, dass an einem bestimmten Punkt des Programms eine Reaktion kommt. Es kommt immer wieder vor, dass da, wo es die Akteure erwarten, nichts kommt, und genau dort, wo sie meinen, da kommt sowieso nichts, plötzlich ein Sturm losbricht. Das ist etwas, was die Meinungsforscher bisher noch nicht erhoben haben, warum das so ist. Und wir, die auf der Bühne stehen, müssen damit leben.