Parteitag mit Fotografen

ORF/JOSEF DOLLINGER

Chinas Medienlandschaft

Chinas Medienlandschaft ist einem technologischen Wandel unterworfen und das digitale Zeitalter eröffnet neue Möglichkeiten der Kontrolle und Überwachung. China baut eine neue – elektronische – Mauer, um das Unmögliche möglich zu machen: Das Internet und alle Aktivitäten darin zu kontrollieren.

Journal Panorama, 11.12.2017

Josef Dollinger

Später Vormittag in Peking. Geschäftiges Treiben auf der Arbeiterstadion-Nordstraße im Stadtteil Chaoyang. Ein älterer Mann steht vor einem der Dutzenden Schaukasten, in denen die aktuellen Ausgaben der wichtigsten chinesischen Tageszeitungen ausgehängt sind. Diese Schaukästen gebe es schon seit Jahrzehnten, sagt er, und er nutze die Gelegenheit auch andere Zeitungen zu lesen als jene, die er abonniert hat.

Eine Auswahl chinesischer Zeitungen

Eine Auswahl chinesischer Zeitungen

ORF/JOSEF DOLLINGER

Mehr als 2.200 Tages- und Wochenzeitungen gibt es in der Volksrepublik China, etwa 7.000 verschiedene Zeitschriften und Magazine, mindestens 3.000 Radio- und TV-Stationen – das sieht auf den ersten Blick wirklich beeindruckend aus. Volkszeitung, Global Times, Beijing Wanbao - sie alle kann man in den Schaukästen lesen. Doch die Auflagen der Zeitungen gehen seit Jahren zurück, das Angebot im Internet ist groß und meist kostenlos, da macht auch China keine Ausnahme. Harte Zeiten für Nachrichten auf Papier.

Die Kommunistische Partei Chinas spielt als Herausgeber eine wichtige Rolle in der Medienlandschaft, so wie auch die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua – auf Deutsch: neues China. Sie ist für die meisten Redaktionen in China als verpflichtende und oft auch einzige Nachrichtenquelle zugelassen, die auch Informationen aus dem Ausland verbreiten darf. Xinhua ist nicht nur eine Nachrichtenagentur, sondern verlegt auch selbst Zeitungen und Zeitschriften in mehreren Sprachen. Mehr als 10.000 Mitarbeiter beschäftigt Xinhua, darunter auch ein weit verzweigtes Korrespondentennetz in der ganzen Welt.

Die letzte kritische Bastion

Ein Sonderfall in der chinesischen Medienlandschaft ist die Hongkonger Tageszeitung „South China Morning Post“. Seit 112 Jahren erscheint dieses traditionsreiche Blatt bereits und gilt nun als letzte kritische Zeitung Chinas. Doch vor zwei Jahren hat der Besitzer – ein malaysischer Magnat – das Blatt überraschend an den chinesischen Internet-Giganten Alibaba verkauft. Der neue Besitzer garantierte zwar die redaktionelle Unabhängigkeit der Redaktion, mahnte aber auch eine ausgewogene und faire Berichterstattung über China ein. Viele verstanden das als erstes Zeichen einer Gleichschaltung mit anderen chinesischen Medien – eine Befürchtung, die bis heute noch nicht gewichen ist. Doch die South China Morning Post erscheint noch immer, auch mit kritischen Artikeln über Chinas Machthaber.

Fotografen in China

Berichterstattung ist in China immer ein Balanceakt

ORF/JOSEF DOLLINGER

Schrilles Fernsehen im Trend

Wenn man sich chinesisches Fernsehen zu Gemüte führen will, benötigt man ähnliche Geschmacksnerven wie in Europa oder in den USA beim Konsumieren von Programm privater TV-Sender. Da wird geheult, geschrien, geweint und gevotet, dass es eine Freude ist. Brot und Spiele – dieses alte römische Herrschaftsprinzip findet auch im chinesischen Fernsehen nach wie vor Anwendung.

Wo ist das schönste Dorf im Land? Wo gibt es die beste chinesische Küche? Wer pflegt am besten die chinesischen Traditionen? Die Prise Patriotismus, die in fast allen Unterhaltungsprogrammen zu spüren ist, wird ständig erhöht. In Filmen werden Chinesen in aller Welt aus den Fängen der Bösen befreit, chinesische Händler verbreiten Wohlstand und Kultur auf allen Kontinenten – und chinesische Soldaten bringen chinesischen Frieden und Sicherheit. Hollywood-Blockbuster sind zwar nach wie vor gefragt, verlieren gegenüber chinesischen Actionfilmen aber zunehmend an Boden. Wolf Warrior, die chinesische Produktion über eine chinesische Heldengeschichte in Afrika, hat heuer einen Einnahmenrekord in China aufgestellt. Fortsetzungsfolgen sind bereits in Planung.

Mehr als eine Prise Patriotismus

Geschichtsschreibung wird in Spieldokumentationen gepflegt - beispielsweise über den Befreiungskampf gegen die Japaner oder den Bürgerkrieg gegen die Kuomintang. Mao Zedong , Zhou Enlai, Jiang Kaishek – sie alle sind fast täglich zu Besuch in den chinesischen Wohnzimmern, um die westliche Sicht der Dinge ein wenig zu korrigieren: China hat sich demnach ganz allein aus den Klauen Japans befreit und nebenbei auch noch den Zweiten Weltkrieg zugunsten der Alliierten entschieden, weil China so viele japanische Truppen besiegt hat, dass danach die Amerikaner nur mehr leichtes Spiel hatten in Asien. Die chinesische Führung nimmt den Bildungsauftrag im Fernsehen eben auf ihre Weise wahr.

Übersicht