Jordi Savall

DAVID GNASZEWSKI

Festival Resonanzen im Zeichen Europas

Die 26. Ausgabe der Resonanzen, des Wiener Festivals der Alten Musik, steht heuer unter dem Motto "Eurovisionen". Damit bezieht sich das im Wiener Konzerthaus beheimatete Festival auf den Gründungsmythos unseres Kontinents. Europa, die Tochter eines libanesischen Königs, wurde von Zeus in Gestalt eines Stiers entführt und in den südöstlichen Mittelmeerraum verschleppt. Was ist Europa heute? Eine geografische Einheit, eine Wirtschaftsunion, eine Wertegemeinschaft?

Morgenjournal | 20 01 2018

Sebastian Fleischer

Klar ist, dass ein Festival der Alten Musik keine Antworten auf aktuelle politische und soziale Fragen geben kann, es bietet jedoch die Gelegenheit, historische Bezüge aufzuzeigen. Dazu Konzerthaus-Dramaturg Peter Reichelt, der seit 2009 für die dramaturgische Ausrichtung der Resonanzen verantwortlich zeichnet: "Das Programm wurde so zusammengestellt, dass das Motto mit optimaler historischer Tiefenschärfe und musikalisch möglichst abwechslungsreich ausgeleuchtet wird. Ziel ist es, aktuelle Themen auf ihre historische Dimension sowie auf ihre Aktualität hin zu befragen. Im Rahmen des heurigen Mottos, 'Eurovisionen', geht es daher um Fragen der Interkulturalität, um Ängste vor islamischer Bedrohung und um die Vision eines Europas der Regionen vor beziehungsweise, aus heutiger Sicht, nach der Nationalstaatlichkeit."

Wiener Konzerthaus, Außenansicht bei Nacht

LUKAS BECK

Alle Konzerte in Ö1

Von 20. bis 28. Jänner erwartet das Resonanzen-Publikum Musik aus der Zeit von 400 v. Chr. bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts - dargeboten von internationalen Koryphäen ihres Fachs. Und auch dieses Jahr bietet Österreich 1 seinen Hörer/innen wieder die exklusive Möglichkeit, am reichhaltigen Resonanzen-Programm akustisch teilzuhaben, und wird im Laufe der kommenden Wochen alle (!) Konzerte der Festivalausgabe 2018 über den Äther schicken.

Quasi als Präludium wird Resonanzen-Dramaturg Peter Reichelt am 17. Jänner in der Sendung "Alte Musik - neu interpretiert" zu Gast sein und das Programm vorstellen. In guter alter Tradition überträgt Ö1 sowohl das Eröffnungs- als auch das Abschlusskonzert live aus dem Großen Saal des Wiener Konzerthauses.

Eröffnungs- und Abschlusskonzert live

Zum Auftakt am 20. Jänner widmet sich Jordi Savall gemeinsam mit der Capella Reial de Catalunya und Hespèrion XXI. dem großen Humanisten Erasmus von Rotterdam. Unter dem Titel "Lob der Torheit" treten dabei Texte und Musik seiner Zeit in lebendigen Dialog miteinander. Beim Abschlusskonzert am 28. Jänner lassen Chor und Orchester des tschechischen Originalklangensembles Collegium 1704 prachtvolle Hoffeste der Habsburger mit Musik aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts akustisch wiederauferstehen.

Collegium 1704 unter Václav Luks

Collegium 1704

PETRA HAJSKA

Am 21. Jänner erzählt das zwölfköpfige Huelgas Ensemble in A-cappella-Form eine kleine Geschichte der europäischen Mehrstimmigkeit ("Alte Musik - neu interpretiert", 24. Jänner). Tags darauf, am 22. Jänner, bieten die Resonanzen die österreichische Erstaufführung von André Campras Opéra-ballet "L'Europe galante", dargeboten von der französischen Formation La Simphonie du Marais ("Alte Musik - neu interpretiert", 31. Jänner).

Am 23. Jänner gibt es bei den Resonanzen eine Weltpremiere, wenn die drei Blockflötenkoryphäen Dorothee Oberlinger (Deutschland), Michael Oman (Österreich) und Maurice Steger (Schweiz) erstmals als Eurowinds gemeinsam auftreten und damit ein neues Kapitel flötistischen Musizierens aufschlagen ("Das Ö1 Konzert", 29. Jänner). Weitere Konzerte stehen im Februar und März auf dem Programm von Ö1.

Service

Wiener Konzerthaus - Resonanzen 20. bis 28. Jänner 2018

Gestaltung

  • Gerhard Hafner

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