Riccardo Muti

APA/HANS PUNZ

Neujahrskonzert mit Italien-Note

Riccardo Muti dirigiert am 1. Jänner 2018 zum fünften Mal das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker im Musikverein. Vorab sprach er über das Einzigartige an Strauß, dessen Popularität in Italien, und ob dieses nun wirklich sein letztes Neujahrskonzert gewesen sein wird.

Nur wenige Monate, nachdem Gioacchino Rossinis Oper "Wilhelm Tell" in Paris ihre Uraufführung erlebt hatte, brachte Johann Strauß Vater 1829 in Wien den "Wilhelm-Tell-Galopp" heraus - und dem Wiener Publikum damit das berühmte Thema zu Gehör, noch bevor das Original hier erstmals erklang. Der "Wilhelm-Tell-Galopp" im ersten Teil des kommenden Neujahrskonzerts ist nicht die einzige Querverbindung zwischen Wien und Italien. Auch mit der Maskenball-Quadrille nahm Johann Strauß Sohn einst die Wiener Erstaufführung von Verdis "Un ballo in maschera" vorweg.

Kein endgültiger Abschied?

"Wenige Leute wissen, dass auch die Strauß-Musik in Italien damals sehr populär war", sagt Riccardo Muti. Große Wertschätzung als Ergebnis jahrzehntelanger Zusammenarbeit bringen einander auch der Dirigent und die Wiener Philharmoniker entgegen. 1993 wurde Muti erstmals eingeladen, das Neujahrskonzert zu dirigieren. "Ich hatte damals mit dem Orchester gerade die Schubert-Symphonien aufgenommen", erinnert sich Muti. "Der damalige Vorstand Werner Resel hat zu mir gesagt, dass Schubert eine Art Schlüssel zu Strauß sei. Sie verkörpern zwei Aspekte der Wiener Seele. Wenn ich also Schubert dirigieren könne, sei ich wahrscheinlich auch imstande, das Neujahrskonzert zu leiten."

Dies tat Riccardo Muti dann auch 1997, 2000 und 2004. Danach wäre für ihn eigentlich Schluss gewesen, sagt Muti, aber das neue Vorstandsduo des Orchesters, Daniel Froschauer und Michael Bladerer, hätten erfolgreich insistiert. Doch ist dieses Neujahrskonzert nun wirklich sein letztes, wie Muti kürzlich in einem Interview angekündigt hat, weil er zu den Feiertagen lieber mit seiner Familie zusammensein wolle? Auf diese Frage zitiert Muti singend den Padre Guardiano aus Verdis "La forza del destino": "Wer kann schon in der Zukunft lesen?"

Keine Späße beim Konzert

Für Riccardo Muti verkörpert jedenfalls kein Konzert der Welt so gut die Stimmung des Neujahrsmorgens wie die Strauß-Musik mit ihrem speziellen Zauber. Nicht zuletzt deshalb fanden sich im Programm diesmal fast ausschließlich Werke der Strauß-Dynastie, von Neujahrskonzert-Debüts wie dem Josef-Strauß-Walzer "Wiener Fresken" bis zu Fixsternen wie "Geschichten aus dem Wiener Wald." Lustige Einlagen machte er beim Konzert übrigens keine, denn, so Muti, der Humor und auch die Nostalgie lägen in der Musik selber. "Und wir wissen, wie sehr die Welt gerade heute an Schönheit und tiefen Werten bedarf."

Zum 60. Mal übertrug der ORF das Neujahrskonzert in Bild und Ton, heuer in 95 Länder. Die zwei Balletteinlagen wurden heuer an Schauplätzen gedreht, die an den 100. Todestag Otto Wagners und an das Ende der Monarchie vor 100 Jahren erinnern. Und auch der ORF-Film in der Pause widmete sich heuer der Wiener Moderne. ORF 2 und Ö1 übertrugen das Neujahrskonzert live. Sie können das Konzert auch in "7 Tage Ö1" hören.

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