Bunker

APA/AFP/PAUL FAITH

Im Keller - mit Gerhard Amanshauser

Jenen, die ihn kannten, ist er als offener und zugleich skeptischer Mensch in Erinnerung, ein staunender so sehr wie ungläubiger Erzähler, der die Menschen "aus dem Blickwinkel einer Sonde zu beschreiben" verstand. Am 2. Jänner vor 90 Jahren wurde Gerhard Amanshauser in Salzburg geboren, 2006 ist er ebendort gestorben. Grund genug, diesen wichtigen Autor, seinen Sarkasmus und literatischen Wagemut ins Gedächtnis zu rufen.

Bedeutend und unentdeckt

Amanshausers schriftstellerische, stilistische geschliffene Arbeit passierte zeitlebens mit dem Vergrößerungsglas. "Jede Kleinigkeit machte mich aufmerksam", heißt es in der Erzählung "Der Deserteur". Er war produktiv, veröffentlichte Romane, Essays, Lese-und Bilderbücher, Lektürenotizen, Satiren und Aphorismen. Vom Literaturbetrieb aber wurde er wenig wahrgenommen. Der Salzburger Kosmpopolit und Weltzweifler war nicht mit der Selbstinszenierungsgabe eines Thomas Bernhard oder dem Selbstbewusstsein eines Peter Handke gesegnet. Folgt man Daniel Kehlmanns Worten, so zählt Gerhard Amanshauser zu "den bedeutendsten unter Österreichs bisher unentdeckten Autoren".

Scharfer Beobachter

Mit "Aus dem Leben der Quaden" begann 1968 Amanshausers Bindung an den Residenz Verlag, unterbochen von einem Flirt mit der Bibliothek der Provinz, die sein Gesamtwerk 1996 neu auflegte. 2001 kehrte er mit seiner Autobiographie "Als Barbar im Prater" zurück. Paul Jandl notierte in seinem Nachruf auf Gerhard Amanshauser:"Sein scharfer Blick galt dem eitlen Treiben der Welt. Das Haus am Salzburger Mönchsberg war ihm Refugium und Aussichtswarte zugleich. Vom Fenster des in seinem Werk verewigten "Terrassenzimmers" (1973) oder des "Mansardenzimmers"(1999) schaute Amanshauser herab. Der Repräsentant des Trivialen, der Durchschnittsmensch, wurde mit satirischem Schwung erledigt."

Im Keller

Mit seinem Text "Der Hobbyraum" zeigt sich der studierte Techniker und Germanist einmal mehr als visionärer und gnadenloser Gesellschaftskritiker, als Meister der kleinen, exakten Form. Entstanden ist er Ende 1970er Jahre, lange bevor spektakuläre Kriminalfälle in Österreich - von Priklopil bis Fritzl - das Abscheulichste des Menschen von unten nach oben gekehrt haben. Es ist eine unbehagliche Geschichte: Da hadert ein perfektionistischer alter Bastler mit dem Körper, seinem Begehren und seinem Zerfall. Dieser Körper versperrt ihm den Weg in die Unsterblichkeit. Und so hat er seinen Hobbyraum, die Werkstatt im Keller eines Wohnblocks, zu einer "autarken Zelle" ausgebaut ....