Flugblätter auf Pflasterstein

Rita Newman

"Die Weiße Rose" am Theater der Jugend

"Vergesst nicht, dass ein jedes Volk diejenige Regierung verdient, die es erträgt." - Das haben vor 75 Jahren die Mitglieder der Widerstandsgruppe "Die Weiße Rose" in einem ihrer Flugblätter gegen den Nationalsozialismus geschrieben. 1943 wurden Mitglieder der Gruppe rund um die Geschwister Hans und Sophie Scholl wegen Hochverrats hingerichtet.

Viele Bücher, Dokumentationen, Ausstellungen und mehrere Filme haben die Geschichte der Weißen Rose schon zum Thema gehabt, jetzt wurde sie für das Theater der Jugend als Stück aufbereitet und ist heute Abend im Theater im Zentrum beim Wiener Stephansplatz zu sehen. Geeignet ist es für Jugendliche ab 13 Jahren.

Morgenjournal | 11 01 2018

Katharina Menhofer

Am 18. Februar 1943 legen die Geschwister Scholl an der Universität München Flugblätter der Weißen Rose aus. Als sie die letzten Exemplare in den Lichthof flattern lassen, werden sie vom Hausmeister entdeckt, von der Gestapo verhaftet und vier Tage später vom Volksgerichtshof zum Tod verurteilt. Noch am selben Tag werden Hans und Sophie Scholl gemeinsam mit Christoph Probst durch das Fallbeil hingerichtet.

Lara Sienczak als Sophie Scholl, Clemens Matzka als Jakob Schmid, udn Felix Strobel als Hans Scholl

Lara Sienczak als Sophie Scholl, Clemens Matzka als Jakob Schmid und Felix Strobel als Hans Scholl

Rita Newman

"Parallelen zu heute"

Das ist nicht der Stoff aus dem die Kindermärchen fürs Theater sind, sondern wahre Geschichte, die es nach 75 Jahren immer noch und mehr denn je zu erzählen gilt.

Regisseurin Petra Wüllenweber: "Es gibt im Moment Bewegungen, auch in unseren Nachbarländern, wo man Parallelen sieht, wo Meinungsfreiheit und Pressefreiheit etc. eingeschränkt wird, und man sieht ganz gut an der Geschichte der Weißen Rose: wie schwierig es ist, ein System zu ändern oder zu beseitigen, wenn es sich einmal etabliert hat. Also wir sehen, was im Moment in der Welt und bei uns passiert und: Achtung - vor gar nicht allzu langer Zeit war ein Zustand, der unerträglich war."

Wenn einem der Staat das Denken wegnimmt

Hans und Sophie Scholl waren zunächst begeisterte Mitglieder der Hitlerjugend und des Jungmädelbundes. Ihr Reifungsprozess wurde durch ihre humanitäre Erziehung, ihren Glauben und auch durch die Literatur ausgelöst, die sie lasen - Rilke, Heine, Augustinus. "Literatur, die man plötzlich nicht mehr lesen durfte. Das heißt, sie haben am eigenen Leib gespürt, was es heißt, wenn einem der Staat das Denken wegnimmt", so die Regisseurin. "Und daraufhin haben sie gesagt: Was hier passiert, das können wir nicht mehr ignorieren, wir müssen etwas tun, um die Bevölkerung aufzurütteln."

Mann mit Hitlerbart, im Hintergrund Aufschrift "Freiheit" an einer Wand

Rita Newman

Mehr als historische Fakten

Petra Wüllenweber erzählt die Geschichte der Weißen Rose in Rückblenden, ohne Bühnenbild und Requisiten, dafür zum Teil im Zuschauerraum und unter Einbeziehung des Publikums. So dass der Zuschauer "auch vom Gefühl her mitgehen kann. Es geht nicht darum, nur historische Fakten zu vermitteln, sondern Menschen über eineinhalb Stunden zu begleiten und mitzubekommen, wie es ihnen damals ging, und darüber zu begreifen, was es hieß, damals zu leben."

Und auch wie schnell man damals für seine Überzeugungen sterben konnte, erfährt man in dieser eindringlichen, pathosfreien und zurückgenommenen Inszenierung. "Ihr werdet in die Geschichte eingehen" prophezeite Robert Scholl seinen Kindern - und das taten sie. Damit sie dort nicht als starre mythenumrankte Helden verharren, sondern jeder neuen Generation zum lebendigen Vorbild werden, dafür sorgen Theaterstücke wie dieses.

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