Leyyas neues Album "Sauna"

Vor drei Jahren sorgten zwei junge Oberösterreicher mit ihrem Debütalbum "Spanish Disco" für Staunen. Und das nicht nur hierzulande.

Sophie Lindinger und Marco Kleebauer starteten mit ihrer Band Leyya nicht nur auf angesagten Musik-Blogs durch, sondern rotierten auch auf den Plattentellern der altehrwürdigen BBC und präsentierten sich bei prestigeträchtigen Festivals als vielversprechender Geheimtipp. Im Vorjahr gewann die Band dann den Fm4-Award beim Amadeus Musikpreis.

Der Markenkern: verträumte Synthies, hypnotische Beats und elfenhafter Gesang. Alles selbst produziert - mit einem Händchen für bezaubernde Melodien. Nun steht das "schwierige" Album Nummer zwei vor der Tür - am Freitag erscheint "Sauna". Ö1 hat das Album gehört und sprach mit der Band über dessen nicht ganz einfache Entstehungsgeschichte.

Morgenjournal | 23 01 2018

David Baldinger

Trompete, Saxofone, Hammondorgeln - Leyya putzen sich heraus und bitten zum ausgelassenen Tanz. Die kühle Klangfarbe des Debütalbums wurde für "Sauna" einfach überpinselt. Selbstsicher treten Sophie Lindinger und Marco Kleebauer aus dem bisherigen soundtechnischen Halbdunkel ins Rampenlicht. Das Verwaschene des Vorgängeralbums weicht hier präzisen Linien und einer kristallklaren Architektur.

Herumblödeln gegen Erwartungshaltungen

"Die Idee war auch, dass wenn ein Auto vorbeifährt und da drin unsere Musik läuft, man die Message mitbekommt und erkennen sollte, dass das Leyya ist", sagt Marco Kleebauer, Gitarrist, Keyboarder, Soundtüftler und eine Hälfte von Leyya. Der Weg zu dieser Überzeugung führte durch eine veritable Krise. Denn die Erwartungshaltungen waren hoch - lähmend hoch.

Leyya nehmen auf. Löschen wieder. Nehmen neu auf - und löschen wieder alles. Eine Stimmung, die droht, der Kreativität ihren Funken zu rauben. "Das Naive ist uns abhandengekommen", gibt Kleebauer zu. "Also haben wir Wege gesucht, um Dinge wieder ausprobieren zu können, auch wenn das ein bisschen naiv klingt."

Die Lösung war schließlich genauso einfach, wie die Herausforderung kompliziert war. Marco Kleebauer: "Es ist nicht mehr und nicht weniger, als Sachen auszuprobieren. Da darf man auch nicht zu viel nachdenken. Das muss intuitiv passieren. Wahrscheinlich erinnert es an ein kleines Kind, wenn man uns beim Musikmachen zusieht."

Gefühlsecht

Das ganze Album badet in diesem spielerischen Geist und konvertiert die so gewonnenen Ideen zu geschmeidigem Pop. "Wir hatten schon sehr genau Vorstellungen, die wir zu Papier gebracht haben", ergänzt Sängerin Sophie Lindinger. "Vielleicht hört man das auch, jeder Sound war tatsächlich sehr absichtlich."

Die Textur dieser Songs sollte möglichst unverfälscht gefühlvoll sein. Wenn die Muse unvermittelt zur Arbeit ansetzt, dann wurde auch unkonventionell aufgenommen. Dann sang Lindinger in ihr Handy und genau diese Aufnahme findet sich auf dem fertigen Album - weil das Gefühl stimmt. "Das ist das, was jeder merkt. Wenn bei der Stimme ein Gefühl transportiert wird, dann checkt das jeder. Sogar jemand, der die Sprache nicht spricht", ist Kleebauer überzeugt.

Freispiel

Leyya spielen sich auf "Sauna" frei. Von äußeren, vor allem aber auch von inneren Vorstellungen. In "Zoo" spricht sich Sophie Lindinger selbst Mut zu - glaub nicht, was die Leute sagen, glaub an dich. "Da habe ich mir auch beim Text gedacht - ist doch egal! Lass es uns so machen, und wenn es ihnen nicht gefällt, dann sollen sie halt reden."

Die neue Leyya-Gelassenheit ist eigenwillig charmant und wohltuend weit weg von gängigen Pop-Blaupausen mit ihrem Schielen auf Trends oder Verwertbarkeit. "Sauna" ist die mit Auszeichnung abgelegte Reifeprüfung der Band. Leyya riskieren - und gewinnen.

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