Anja Reschke und Constantin Schreiber

NDR

Keine große Freude mit denen von ZAPP

Guter Medienjournalismus zeigt sich dann, wenn es um Berichterstattung über das eigene Haus geht. Das Medienmagazin ZAPP hat sich da einen Namen gemacht. Mit kritischen Berichten über die ARD und den eigenen Sender NDR - seit 15 Jahren. Moderatorin Anja Reschke gibt einen Einblick, wie das so läuft.

Ein Medienmagazin im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, das auch kritisch über das eigene Haus berichtet. Damit hat ZAPP, produziert vom Norddeutschen Rundfunk in der ARD-Senderfamilie, im deutschen Sprachraum eine Alleinstellung – und wird dafür gefeiert, das weiß Anja Reschke. "Das ist auch ganz wichtig für ZAPP – dass die Sendung sich mit den Sendern beschäftigt, denen sie entstammt. Da freuen sich auch die Intendanten, wenn sie das nach außen so verkaufen können. In dem Moment, wo wir dann anrufen und sagen, da hätten wir mal eine kritische Frage, da freuen sie sich dann nicht mehr so."

Anja Reschke im Interview über heiße Mediengeschichten, über Druck von innen und außen - und über Chefs, die den Druck aushalten.
Stefan Kappacher

Sauber bleiben und alle gleichbehandeln

Da selbe gelte für die Recherche von Geschichten im eigenen Haus. "Da gibt es immer wieder die Versuche, dass Leute fragen: Kann ich mal mein Interview sehen? Oder: kann ich dann auswählen, welche Aussagen von mir kommen? Und das musst du natürlich verneinen, denn du kannst nicht dem eigenen Haus eine andere Möglichkeit einräumen als jemand Fremden. Entscheidend ist, dass wir da total sauber bleiben und alle gleich behandeln." Da merkten die Leute dann auch, dass es fair zugeht, sagt Reschke.

Riesenaufwand für zehn Sekunden Bild

Es sei aber alles andere als einfach, so die ZAPP-Moderatorin: "Wenn dann die Sendung läuft, denke ich mir oft: Wenn der Zuschauer wüsste, wie lange wir um diese Formulierung gerungen haben, wieviel Arbeit dahintersteckt, diese zehn Sekunden Bild jetzt zu zeigen! Das macht sich ja auch keiner klar, wir ringen oft darum, was noch die Unabhängigkeit der Redaktion bewahrt und wie weit wir gehen können, ohne dass das Haus uns einen Strich durch die Rechnung macht. Aber ich muss echt sagen, ZAPP darf schon frei entscheiden, was es macht. Es wird nicht reingegrätscht."

ZAPP-Enthüllung über Moderatoren-Gagen

2009 hat ZAPP zum Beispiel über Zusatzeinkommen von Moderatoren der ARD und des ZDF berichtet, das hat bei den Sendern für ein Riesenaufsehen gesorgt, erinnert sich Anja Reschke. Kein Wunder, veröffentliche ZAPP doch die Preislisten der Agenturen mit den Zusatz-Gagen der Moderatorenkollegen: So kostete eine Moderation oder ein Vortrag des damaligen Tagesthemen-Moderators Tom Buhrow 20.000 Euro, die gleiche Summe verlangte eine Agentur für ZDF-Anchorman Claus Kleber. "Unklar bleibt, wie viel die Journalisten davon selbst erhalten - keine Auskunft dazu von Agenturen und Journalisten", hieß es damals in der Sendung.

"BILD hat gejubelt, unsere Sender nicht"

"Da ging es um den Ruf der Sender, um persönliche Betroffenheit plus das schwierige Thema Geld – die Frage war, kann ein Moderator nebenbei auch noch bei einem Wirtschaftsverband oder bei einer Partei moderieren, haben sie das getan, und was haben sie dafür bekommen. Da geht es ja um die Unabhängigkeit der Berichterstattung, ob die in solchen Fällen noch gewahrt ist." Und Anja Reschke weiter: "Das hat uns natürlich große Freude bei der Bild-Zeitung eingebracht und bei anderen Blättern, aber im Haus nicht unbedingt. Das hat schon Jahre gedauert, bis man da wieder ein Vertrauen aufgebaut hat."

Senderchefs fangen die Kritik auf

Anja Reschke erinnert auch an einen Bericht über den Bayerischen Rundfunk, der einen Film über eine Kindersoldatin mitfinanziert hat – die war aber gar keine Kindersoldatin, das hat Zapp enthüllt. "Das war ein unglaubliches Gehacke, monatelang. Und da geht es dann schon so, dass ein Chefredakteur bei uns in der Intendanz vom NDR anruft und sagt, pfeif doch mal deine Leute zurück. Aber ich muss sagen, die Intendanz ist da immer standhaft geblieben. Klar fragen die bei uns nach, aber dass die was abgedreht hätten, habe ich nie erlebt – wenn wir eine gute Begründung hatten."

"Nicht alles nach draußen blasen"

Wenn man bei ZAPP arbeite, dann habe man den Anspruch, besonders kritisch zu sein gegen das eigene Haus, so Reschke. Sie verstehe das, weil man nicht abhängig erscheinen wolle. "Ich versuche aber auch immer, den Autoren zu sagen: Das ist ein ganz wahnsinniger Wert, den wir haben, dass wir so senden dürfen. Und dass wir auch so liberal behandelt werden. Und ich finde, man darf das auch nicht überstrapazieren."

"Man kann nicht jede kleine Ungereimtheit, die hier im Laden läuft - die es natürlich gibt, und die man vielleicht auch berichten könnte – nach draußen blasen", sagt Anja Reschke. Das, was ZAPP über das eigene Haus auf Sendung bringe, müsse schon eine gewisse Hürde nehmen. Sprich: es muss relevant sein.

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