Pablo Neruda

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Pablo Neruda - Neue Gedichte aus dem Nachlass

Mit dem Zyklus "20 Liebesgedichte und ein Lied der Verzweiflung" wurde er weltberühmt: Pablo Neruda, Jahrgang 1904, Dichter, Politiker, Diplomat, Exilant und Nobelpreisträger, schrieb seine Verse aber nicht nur auf wohlgeordnetes Papier, sondern auch spontan auf Zettel, Menükarten oder Konzertprogramme. Vor wenigen Jahren wurden 21 solcherart verfasste Gedichte im Nachlass entdeckt. Jetzt liegen sie in deutscher Sprache vor, übersetzt von Susanne Lange.

Nerudas umfangreiches Werk lässt sich in drei Phasen einteilen: Seine frühe Dichtung orientiert sich an der Poésie pure und ist vom Modernismo geprägt, der ersten literarischen Bewegung, die sich in Lateinamerika entwickelt und von dort nach Spanien und Europa ausstrahlt. Sie trägt symbolistische Züge, eine Dichtung der Innerlichkeit. Diese erste Phase endet mit Nerudas 1935 veröffentlichtem Manifest "Sobre una poesía sin pureza".

Wie ein Dichter sein sollte

Einiges davon findet sich in dem mit den Worten "Auch auf der Höhe dieser Jahre …" beginnenden Gedicht, das in "Du holde Kunst" zu hören sein wird. Der reife Dichter blickt darin auf sein jugendliches Alter Ego und formuliert wie ein Dichter sein solle, ein "ehrlicher Heizer" und kein "Trapezkünstler".

Mit dem Spanischen Bürgerkrieg und Nerudas Engagement gegen den Faschismus beginnt ein Abschnitt überwiegend politischer Lyrik, die Neruda zum Literatur-Star der internationalen Linken macht.

Rote Blumen, weißer Hintergrund

Luchterhand

Pablo Neruda, "Dich suchte ich - Nachgelassene Gedichte", aus dem Spanischen von Sussane Lange, Luchterhand

Literatur-Star der internationalen Linken

Die Enthüllungen der stalinistischen Verbrechen am 20. Parteitag der Kommunistischen Partei der Sowjetunion 1956 werfen Neruda in eine tiefe Krise. Aus ihr entsteht die letzte Phase seines Werks, die von philosophischer und biografischer Reflexion gekennzeichnet ist.

1970 wird Neruda nach dem Wahlsieg Allendes zum chilenischen Botschafter in Paris. 1971 erhält er den Nobelpreis für Literatur. 1973 stirbt Neruda unter nicht restlos aufgeklärten Umständen während einer Krebsbehandlung - zwölf Tage nach dem 11. September Chiles, dem Putsch unter der Führung von Augusto Pinochet.

Dich suchte ich

Neben Liebeslyrik finden sich in dem im Vorjahr bei Luchterhand erschienenen Bändchen "Dich suchte ich" Gedichte über den jungen Poeten und sein Verhältnis zu Chile; sie sind über einen langen Zeitraum - von den frühen 1950er Jahren bis kurz vor dem Tod des Dichters 1973 - entstanden.

Die sieben für die Sendung ausgewählten Gedichte liest Joseph Lorenz. Stefanie Maderthaner hat die Musik dazu zusammengestellt, sie stammt von Enrique Granados, Robert Schumann, Francis Poulenc, Franz Liszt, Sergej Rachmaninoff, Frederic Mompou, Georges Bizet und Claude Debussy.

Service

Pablo Neruda, "Dich suchte ich - Nachgelassene Gedichte", aus dem Spanischen von Sussane Lange, Luchterhand. Originaltitel: "Tus pies toco en la sombra y otros poemas inéditos", Seix Barral

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