Blonde Frau mit einer blonden Puppe, einer Kopie ihrer selbst

FILMLADEN FILMVERLEIH

Cate Blanchett in "Manifesto"

Julian Rosefeldts Film "Manifesto" ist eine Hommage an die lange Tradition des künstlerischen Manifests - von Fluxus bis Surrealismus, von Dada bis Futurismus. Gespielt und verkörpert werden die Positionen eindrucksvoll von der zweifachen Oscar-Preisträgerin Cate Blanchett.

Morgenjournal | 07 02 2018

"Künstlerisches Ungestüm und schauspielerische Brillanz"
Judith Hoffmann

Gegengift zum populistischen Gebrüll

Ursprünglich war "Manifesto" als Kunstinstallation mit 13 gespielten und gesprochenen Monologen konzipiert, die im Ausstellungsraum parallel in Endlosschleife auf Videoleinwänden abliefen. Nun wechselt Rosefeldt vom Museum ins Kino, wo er sich in Spielfilmlänge derselben brennenden Frage widmet: Ist das künstlerische Manifest, diese archaische Ausdrucksform, überhaupt noch zeitgemäß angesichts der vielen neuen Medien und Kommunikationskanäle?

Rosefeldts Resümee: Ja! Und zwar mehr denn je, weil es "eine Art Gegengift sein könnte zu dem lauten und wütenden Gebrüll der Populisten", so der studierte Architekt, der sich vor allem als Film- und Videokünstler einen Namen gemacht hat. "Ich sag gerne, dass Manifestautoren und -autorinnen auch laut und wütend sind, aber sie haben unheimlich kreative Ideen, die sie in sehr poetischer Form vortragen, so dass die Sätze noch lange nachhallen und einen aktivieren."

Von Fluxus bis Dada, vom Sandler bis zur Brokerin

Rosefeldt hat sich durch hunderte Manifeste gelesen und am Ende 55 ausgewählte Schriften zu 13 Textcollagen verdichtet, denen die Schauspielerin Cate Blanchett eindrucksvoll Gestalt und Stimme verleiht. Während ihrer Brandreden ist Blanchett Kranführerin, Nachrichtensprecherin oder Choreografin.

Sie schleppt sich als verwahrloster Landstreicher über ein stillgelegtes Fabrikgelände und macht lautstark ihren Gedanken über die Krise des Kapitalismus Luft, predigt als Trauerrednerin mit tränenerstickter Stimme Dada, oder flüstert als verständnisvolle Volksschullehrerin den Kindern freundlich, aber bestimmt Leitsätze von Dogma 95 zu.

13 Rollen in elf Drehtagen

Zusammengefunden hatten die beiden vor Jahren dank einer Zufallsbekanntschaft, erzählt der Regisseur: "Es war vor sieben Jahren bei einer Ausstellungseröffnung von mir in Berlin. Da brachte sie unser gemeinsamer Freund Thomas Ostermeier, der Leiter der Schaubühne, mit und stellte sie mir vor. Wir beschlossen noch am selben Abend, gemeinsam etwas zu machen."

Es sollte einige Jahre dauern, bis Rosefeldt über Umwege auf das Thema Manifest stoßen und dabei sofort die Oscarpreisträgerin vor Augen haben würde. In nur elf Drehtagen sprach und spielte sie alle 13 Rollen und brachte dabei viele eigene Ideen zur Entwicklung der Szenen und Figuren ein, wie Rosefeldt erzählt. Eine seiner wenigen konkreten Regieanweisungen: Sie sollte die jeweiligen Texte nicht nur rezitieren, sondern tatsächlich verkörpern.

Anstrengend, aber gelungen

Was Blanchett durch sprachliche Präzision und schauspielerische Wandlungsfähigkeit zuwege bringt, gelingt Rosefeldt und seinem Team auch auf der Bild- und Tonebene. Jeder Drehort ist eine bis ins kleinste Detail konzipierte Kunstinstallation in Form, Farbe und Klang, inmitten derer er spielerisch teils skurrile, teils verblüffende und witzige Assoziationen weckt.

"Manifesto" bewegt sich angesichts seiner Dichte und Vielschichtigkeit immer wieder hart an der Grenze zur Überforderung. Die bemerkenswerte Bildwelt und die großartige schauspielerische Leistung der Protagonistin machen ihn dennoch zu einem außergewöhnlichen Filmkunstwerk.

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