Plakatsujet

MARVEL STUDIOS 2018

"Black Panther" als Genre-Frischzellenkur

Der Black Panther ist eine Comic-Figur, die im Juli 1966 erstmals in Erscheinung trat. Damit war zugleich der erste Superheld afroamerikanischer Herkunft aus dem Comic-Imperium Marvel geboren. Auf der Leinwand hatte der "Black Panther" 2016 bisher nur eine Nebenrolle im Superhelden-Ensemble-Film "Captain America: Civil War", nun macht ihm Hollywood die Bühne frei für einen Solo-Auftritt.

Mittagsjournal | 10 02 2018

"Wie eine Frischzellenkur für das Superhelden-Genre"
Arnold Schnötzinger

Wer auf einem Thron sitzt, muss stets Acht geben. Auch andere wollen dort Platz nehmen, so auch im afrikanischen Reich Wakanda, wo König T'Calla (Chadwick Boseman) regiert. Im Gegensatz zum äußeren Schein, Wakanda sei ein verarmtes rückständiges Land, handelt es sich um eine hochentwickelte Nation, jeder anderen der Welt technologisch überlegen, aber - um das Geheimnis zu wahren - völlig isoliert.

Nakia (Lupita Nyong'o), T'Challa/Black Panther (Chadwick Boseman) und Okoye (Danai Gurira).

Nakia (Lupita Nyong'o), T'Calla/Black Panther (Chadwick Boseman) und Okoye (Danai Gurira).

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Alleskönner Vibranium

Doch T'Calla führt ein Doppelleben, mal König, mal Black Panther. Ein Superheld mit übermenschlichen Kräften, unglaublichen Reflexen, blitzschnell und kaum verwundbar in seinem Anzug aus dem Alleskönner-Metall Vibranium, das kinetische Energie - etwa von Pistolenkugeln - absorbieren und mit großer Wucht wieder abgeben kann.

T'Challa/Black Panther (Chadwick Boseman)

T'Calla/Black Panther (Chadwick Boseman)

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Gegen neo-koloniale Begehrlichkeiten

So weit, so Marvel. Hinter der Action feilt Regisseur Ryan Coogler an einer politischen Vision: auch wenn der Superheld 1966 vor der Gründung der "Black Panther Party" in den USA erstmals als Comic in Erscheinung trat, auch wenn die beiden Schöpfer Stan Lee und Jack Kirby 1966 anfangs bewusst Distanz zur Bürgerrechtsbewegung hielten, so ist "Black Power" der gemeinsame Fokus: ein grimmiger Blick auf die Sklaverei, das entschiedene Aufstampfen gegen neo-koloniale Begehrlichkeiten.

"Politische Verantwortung"

Wer - wie so mancher Schurke aus der westlichen Welt - Wakanda das Vibranium entreißen will, es also selbst ausbeuten will, der bedroht auch die Zivilisationshoheit des Landes. "Der Black Panther stehe eben nicht nur für Superkräfte und einen coolen Anzug, sondern auch für politische Verantwortung", meint Regisseur Ryan Coogler. "Solidarität" heißt das Zauberwort, denn könnte Wakanda mit seinem Reichtum und Fortschritt nicht auch ganz Afrika aus der Misere führen?

Okoye (Danai Gurira) und Ayo (Florence Kasumba)

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Afrika kulturell und visuell

Der martialischen Geste nicht abgeneigt - Frauen sind hier die härtesten Kämpferinnen - feiert vor allem das visuelle Konzept die kulturellen Eigenheiten Afrikas, reibt Gegensätze aneinander: eine archaische Natur an hypermoderner Technologie, Schamanismus an holografischer Spielerei, afrikanische Tanzrituale prallen auf beschleunigte Kampfchoreografien, farbenfrohe Kostüme auf postmoderne Kleidungsextravaganzen, manches am Rande zum Ethno-Kitsch und verbal mit dem Hang zur Überschwänglichkeit.

Darstellerinnen des Filmes, Filmstill

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Genre-Frischzellenkur

Dennoch ist "Black Panther" wie eine Frischzellenkur für das Superhelden-Genre, das seit Jahren irgendwie auf der Stelle tritt. Aber auch wenn sich dieser Panther für Afrika stark macht, so kämpft er doch zuvorderst für Hollywood.

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