Mann blickt auf sein Handy

AP/GERALD HERBERT

Immer hängst du am Smartphone!

Vor dem Einschlafen noch schnell einmal Facebook checken, am Tablet eine letzte Folge der Lieblingsserie schauen oder mit einem Podcast abschalten - viele Menschen nehmen ihre mobilen Endgeräte mit ins Bett. Und verschlechtern damit die Qualität ihres Schlafes. Denn die grellen Bildschirme halten wach und das Gehirn wird von der ungebremsten Informationsflut auf Trab gehalten.

Für viele jüngere Menschen gehört der Griff zum Smartphone auch abends und sogar in der Nacht zum Alltag. Hans-Günter Weeß, Leiter des interdisziplinären Schlafzentrums am Pfalzklinikum Klingenmünster in Deutschland hat für eine Studie 150 Jugendliche zu ihren abendlichen Smartphone-Gewohnheiten befragt.

"Von den rund 150 befragten Jugendlichen zwischen 14 und 20 Jahren gaben knapp 70 Prozent an, sich auch in den letzten 10 Minuten vor dem Schlafengehen mit dem Smartphone zu beschäftigen und rund die Hälfe lassen sich auch in der Nacht von Mitteilungen wecken."

All diejenigen, die bis zur Zubettgehzeit das Smartphone und das Tablet noch nutzen oder es gar mit ins Bett nehmen, haben laut Studie einen schlechteren Schlaf, schlafen weniger und sind am Tag schläfriger.

Wir verlieren die klare Strukturierung von Tag und Nacht in dieser digitalen vernetzten 24 Stunden-Nonstop-Gesellschaft.

Smartphones können auch aus einem anderen Grund "Aufputsch-Mittel" sein: Die Bildschirme strahlen in der Regel mit hohem Blaulichtanteil. Und das verwirrt den menschlichen Körper, dieser glaubt dadurch, es sei draußen noch Tag und sendet das Signal "Schalte in den Tag-Modus!" an die innere Uhr.

Manche Smartphones und Tablets bieten eine Lösung für dieses Problem an: Wer möchte, kann den Blaulichtanteil des Bildschirms am Abend verringern. Und auch für Computerbildschirme gibt es vergleichbare Software, eine Art digitalen Bildschirmdämmer: "Das Problem ist ein bisschen, dass die Farbqualität darunter leidet, also der Bildschirm wird orange oder gelblich und das ist manchmal störend, vor allem, wenn man visuelle Aufgaben am Bildschirm erledigen muss. Aber von der chronobiologischen Seite her ist es natürlich begrüßenswert, diese Filter abends einzusetzen", erklärt Christian Cajochen, Chronobiologie an der Universität Basel in der Schweiz.

Ein Problem ist für Hans-Günter Weeß nicht nur das Smartphone, sondern auch die tatsächliche oder zumindest gefühlte Pflicht, ständig erreichbar sein zu müssen: "Die klare Strukturierung am Tage wach und in der Nacht schlafen und erholen, die verlieren wir immer mehr in dieser digitalen vernetzten 24 Stunden-Nonstop-Gesellschaft und davon sind dann tatsächlich Alt und Jung betroffen.

Ein Smartphone ist auch eine Erziehung zum Geldausgeben.

"Jetzt pack doch mal das Handy weg". Unter diesem Titel gibt der deutsche Autor und Medienexperte Thomas Feibel Tipps, wie man mit dem modernen Medienkonsum der Kinder umgeht. Als Problem empfindet Thomas Feibel, wenn Kinder all zu früh ein Smartphone bekommen. Er empfiehlt als Richtwert nach der vierten Schulstufe, wenn die Kinder die Schule wechseln.

Feibel kritisiert, dass ein Smartphone auch eine Erziehung zum Geldausgeben ist und Kinder sehr früh zu Kunden werden: " Wenn man eine kostenlose App habe möchte, muss man ja trotzdem einen Kauf-Vorgang durchlaufen. Und auch bei kostenlosen Spielen werden die Kinder dazu animiert, im Spiel bestimmte Dinge zu kaufen, um in das nächste Level aufzusteigen. Dabei verlieren Kinder schnell die Kontrolle und geben weit mehr Geld aus, als wenn sie es vor sich liegen hätten."

Man könnte glauben, heute gehört Messer, Gabel, Löffel und Smartphone zum Besteck.

Wie man sich selbst beim Telefonieren sieht und wie die anderen, das klaffe häufig weit auseinander. Wir selbst können oft noch nicht mit dem Smartphone umgehen, aber genau diese Souveränität würden viele von ihren Kindern verlangen, kritisiert Thomas Feibel: "Wir Erwachsene haben die Balance selber noch nicht gefunden, der missbräuchliche Umgang mit dem Smartphone fällt uns dann besonders bei unseren Kindern auf."

In seinem Buch bleibt Thomas Feibel nicht dabei stehen, den Erwachsenen die Doppelmoral vorzuhalten. Er zeigt etwa anhand einer Studie von Sherry Turkle auf, was ein Smartphone auf dem Tisch anrichten kann: "Ein Smartphone, das ausgeschaltet auf dem Tisch liegt, lenkt ab. Man taucht nicht so tief ins Gespräch ein, als wenn das Smartphone nicht auf dem Tisch wäre. Wenn wir in Restaurants schauen: man könnte glauben, heute gehört Messer Gabel Löffel Smartphone zum Besteck. Das Wegzulassen ist eine schwierige Übung. Wenn wir Erwachsene solche Regeln für unsere Kinder aufstellen, müssen auch wir uns daran halten."

Kinder mit Smartphones brauchen Regeln, ist Thomas Feibel überzeugt. Er rät Bildschirmzeiten einzuführen, in denen Smartphone, Tablet und Fernsehen zusammengefasst sind. Wenn Kinder jünger als zehn Jahre sind, überfordert man sie, wenn man sie ihr Smartphone-Leben selbst verwalten lässt. Ab zehn könne man mit ihnen zusammen Regeln aufstellen, glaubt der Medienexperte: "Ich möchte auch von meinem Kind wissen, warum willst du ein Smartphone und wie willst du es nutzen. Man kann gemeinsam Regeln entwerfen. Vielleicht hilft es uns Erwachsenen auch, wenn wir mit Kindern Vorgaben festlegen, dass wir begreifen, an welche Regeln wir uns halten müssen."