Ausschnitt des Hauptsujets

TWENTIETH CENTURY FOX

Oscar-Favorit "The Shape of Water"

Wenn Anfang März die goldenen Statuetten vergeben werden, ist "The Shape of Water" des mexikanischen Regisseurs Guillermo del Toro der große Favorit: Bestes Drehbuch, bester Film, beste Regie, beste Haupt- und Nebendarsteller - insgesamt 13 Nominierungen kann er vorweisen. Angesiedelt ist der Film zur Zeit des Kalten Krieges: Im US-Bundesstaat Baltimore wird in einem Hochsicherheitslabor eine fremdartige Kreatur festgehalten. Daraus entwickelt del Toro ein modernes Kino-Märchen.

Mittagsjournal | 12 02 2018

David Baldinger

Den Soundtrack zu "The Shape of Water" hat der französische Filmkomponist Alexandre Desplat geschrieben. 2015 wurde er für die Musik zu "Grand Budapest Hotel" mit einem Oscar ausgezeichnet. In einer zunehmend von visuellen Reizen geprägten Welt, werde das Auge beim Filmsehen zuerst angesprochen, so Desplat, das Hören in den Hintergrund gedrängt. Dennoch habe die Musik keineswegs das Nachsehen:

"Auch wenn man nicht bewusst auf die Filmmusik achtet, so schleicht sie sich unweigerlich in Körper und Gehirn ein." Alexandre Desplat

Kulturjournal | 13 02 | Alexandre Desplat im Porträt

Arnold Schnötzinger

Fischwesen, Amphibienmann, Flussgott - Kritiker wissen nicht so recht, wie sie dieses sensibelste Objekt Fabelwesen beschreiben sollen. Worte sind auch nicht die passende Währung, um der opulenten Bildgewalt von Guillermo del Toros fantastischem Kino-Märchen gerecht zu werden. Jede Einstellung del Toros ist wuchtig und intensiv - ein Film imposant wie eine Kathedrale.

Sally Hawkins (Elisa) und Doug Jones

Sally Hawkins (Elisa) und Doug Jones

TWENTIETH CENTURY FOX

Verbotene Liebe - Die Putzfrau und der Flussgott

Die Geschichte selbst ist rasch skizziert: 1963 entdeckt die stumme Putzkraft Elisa an ihrem Arbeitsplatz, einem Geheimlabor der Regierung, ein mysteriöses Wasserwesen. Das wiederum wird als mögliche Geheimwaffe im Kalten Krieg von Sowjets und Amerikanern gleichermaßen begehrt und gejagt. Verstrickungen und massive Interessenskonflikte sind also vorprogrammiert.

Del Toro erzählt aber keinen Thriller, sondern die Liebesgeschichte eines Außenseiterpärchens, einer sprachlosen und dadurch universellen Liebe. Mit seinem Film will er Angst nehmen. "Ständig wird uns gesagt, wir sollten uns fürchten - vor anderen Religionen, Immigranten, dem anderen Geschlecht. Dabei wäre es höchst an der Zeit einzusehen, dass es kein wir gegen die gibt, sondern nur ein ‚wir‘", meint del Toro.

Sadistische Technokraten in einem Amerika mit Herz

Ein Klassiker scheint den Mexikaner inspiriert zu haben - E.T. Nur dass die Frage, "Wie umgehen mit dem Fremden?", hier für Erwachsene und vor der Szenerie des Kalten Krieges erzählt wird.

Der Bösewicht trägt hier Anzug und ist ein sadistischer Regierungstechnokrat, der alles tut, um ein Happy End zu verhindern. Seiner Überheblichkeit und seinem latenten Rassismus stellt del Toro ein Amerika mit Herz gegenüber. "Der Film scheint tatsächlich heilende Wirkung zu haben. Ganz egal, wo ich auch hinkomme, überall berührt er die Menschen. Er bringt unsere Gefühle in Wallung - und das in einer Zeit, in der Gefühle nicht unbedingt Konjunktur haben", meint del Toro.

Michael Shannon (Strickland) und Michael Stuhlbarg

Michael Shannon (Strickland) und Michael Stuhlbarg

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Ode an Underdogs - mit Wermutstropfen

"The Shape of Water" ist ein unverhohlen romantisches Plädoyer für Humanismus, Toleranz und Mitgefühl. Del Toros Helden sind couragierte Underdogs, deren Solidarität stärker ist, als jede staatlich verordnete Unmenschlichkeit.

Der kleine Wermutstropfen: Dem Film merkt man an, wie sehr sein Regisseur den krönenden Oscar will. Del Toro erzählt seine Fabel mit moralischer Integrität und feiert nebenbei das Kino als magischen Ort. Das sollte die Academy beeindrucken. Doch auch wenn dieses Bemühen durchschimmert, bleibt "The Shape of Water" ein hinreißendes Film-Gemälde.

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