Christa Ludwig

APA/GEORG HOCHMUTH

Christa Ludwig zum 90. Geburtstag

Die deutsche Mezzosopranistin Christa Ludwig feiert am 16. März ihren 90. Geburtstag - und blickt auf eine Weltkarriere mit vielen Entbehrungen zurück.

Vor fast einem Vierteljahrhundert hat sie sich von der Bühne verabschiedet - und gilt bis heute als eine der Größten ihres Fachs. In ihrer knapp 50-jährigen Karriere hat Christa Ludwig an allen großen Opernhäusern gesungen und mit den berühmtesten Dirigenten wie Herbert von Karajan, Leonard Bernstein und Karl Böhm zusammengearbeitet. Ihre künstlerische Heimat war über all die Jahrzehnte die Wiener Staatsoper, die die Sängerin am 25. März mit einer Matinee feiern wird.

Morgenjournal | 16 03 2018

Sebastian Fleischer

Intermezzo | 18 03 2018

Gernot Zimmermann

Die Kunst, leicht zu sein

Zeitlos, leicht und unpathetisch hat Christa Ludwig ihre Gesangspartien gestaltet. "Leicht muss man sein", lautet ein Ausspruch der Marschallin in Richard Strauß' "Rosenkavalier" - eine ihrer Paraderollen - und ist wohl nicht zufällig der Titel ihrer jüngst erschienenen Memoiren. Ihre unbeschwerte Ausstrahlung hat sich die Ludwig behalten.

Die gesangliche Leichtigkeit auf der Bühne war freilich auch für sie das Ergebnis jahrzehntelanger harter Arbeit. Oder in den Worten der Sängerin: "Meine Mutter sagte immer: 'Du sollst nicht mit dem Kapital singen, sondern mit den Zinsen.' Ich habe aber immer nur mit dem Kapital gesungen. Das hätte mir sonst keinen Spaß gemacht, immer nur aufzupassen."

Singen zum Überleben

In Berlin als Tochter eines Sängerpaares geboren - ihre Mutter war ihre einzige Gesangslehrerin, der Vater Opernintendant - ist Ludwig mit dem Singen aufgewachsen; sofort nach dem Krieg wurde es zur wichtigen Einnahmequelle für die ganze Familie.

"Mein Vater war in der Partei, der durfte nicht arbeiten. Meine Mutter hat nicht mehr gesungen. Ich habe also gesungen, um meine Familie über Wasser zu halten. Zuerst in den Kasinos der amerikanischen Offiziere. Da hab ich geklaut wie ein Rabe, weil wir nichts hatten. Das erste Mal hab ich meinen Finger in eine braune Sache hineingesteckt und wusste nicht, was es ist. Es war Erdnussbutter, und ich fand es scheußlich."

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Sebastian Fleischer

Karl Böhm holt sie 1955 nach Wien

1946 debütierte Ludwig als Prinz Orlofsky in der "Fledermaus" an der Oper Frankfurt, es folgten Engagements in Hannover und Darmstadt, wo sie auch Zeitgenössisches sang - bis sie Karl Böhm 1955 an die Wiener Staatsoper holte.

"Ich hörte nur, das Wien ein Intrigennest sei", erinnert sich die Sängerin. "Das habe ich dem Direktor des Rundfunks in Frankfurt erzählt. Und er sagte: Fräulein Ludwig, die Fäden, die für einen gesponnen werden, darf man nicht zerreißen."

"Der letzte Schrei" an der Staatsoper

Christa Ludwig ergriff die Fäden: Fast vierzig Jahre lang blieb sie an der Staatsoper und sang dort insgesamt 42 verschiedene Partien. In der gleichen Zeitspanne trat sie regelmäßig bei den Salzburger Festspielen, in Bayreuth oder an der New Yorker Met auf. Eine Weltkarriere, die aber auch mit zahlreichen Entbehrungen verbunden war. "Ich hatte die Realität des Lebens nie kennengelernt. Was draußen auf der Straße passierte, wusste ich nicht. Die Studentenbewegungen in Paris, Berlin oder Wien habe ich nicht mitgemacht. Ich habe ja nur gesungen! Im Grunde genommen ist das auch schrecklich!"

Im Gegenzug arbeitete Christa Ludwig mit herausragenden Künstlerpersönlichkeiten zusammen: mit Maria Callas, Herbert von Karajan, den sie schon als Kind gekannt hatte - oder Leonard Bernstein, der die Tiefe in der Musik etwa eines Gustav Mahler so sehr verstanden habe wie kein anderer, so die Mezzosopranistin, die sich 1994 nach einer ausgiebigen letzten Tournee von ihrem Publikum verabschiedete. Der "letzte Schrei" an der Staatsoper, wie sie es beschreibt, sei eine Befreiung gewesen. "Danach ging ich über die Kärntner Straße, mit weit offenem Hals und Mantel, und wollte mich einmal in Ruhe erkälten. Es ist mir bis heute nicht geglückt."

Service

"Christa Ludwig 'Leicht muss man sein' - Erinnerungen an die Zukunft", aufgezeichnet von Erna Cuesta und Franz Zoglauer, Amalthea Verlag

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