Das ist eine besondere Art von Mitteilung, eine universelle Sprache. Große Kunst hat eine dem Menschen dienende Funktion.
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Vertreter einer Kunst, die die Menschen berührt
Mein erstes Konzert als Komponist hatte ich mit 14 im Privatgymnasium Werkschulheim Felbertal. Dann kam allerdings ein Bruch in meiner musikalischen Entwicklung, weil die Anforderungen an der handwerklich orientierten Schule parallel zu meiner Faulheit zunahmen.
Also habe ich mit etwa 15 ganz mit der Musik aufgehört und erst sechs Jahre später, während meines Volksschullehrerstudiums an der Pädagogischen Akademie, wieder fortgesetzt, wo ich Klavierunterricht erhielt. In dieser Zeit teilte ich im Studentenheim mit einem Kompositionsstudenten das Zimmer und hatte eine Freundin, die am Mozarteum studierte - das waren wichtige Impulse für meine Entscheidung", erzählt Stephan Maria Karl, gebürtiger Salzburger aus Seekirchen, Jahrgang 1978, der seit 2002 an der Universität Mozarteum Salzburg Komposition und Musiktheorie bei Ernst-Ludwig Leitner sowie seit 2007 bei Reinhard Febel Komposition studiert.

Stephan Maria Karl
Derzeit studiert der junge Komponist am Royal College of Music in London.
Komponist aus Berufung
"Es ist ein innerer Drang - ich muss es tun. Wenn ich dem Komponieren, der Musik, die ich höre, nicht nachgehe, fühle ich mich leer und habe ein schlechtes Gewissen. Wenngleich ich das aber nur phasenweise tue - auf Grund der kraftraubenden geistigen und emotionalen Konzentration geht es nicht anders - weiß ich, dass die klassische Musik und das Komponieren meine Berufung ist. Jeden Schritt, den ich hier setze, mache ich in absoluter Überzeugung und im Vertrauen. Niemand könnte mir das ausreden. Aber auch nur durch diese Überzeugung ist es mir erlaubt, in diesem Beruf glücklich und zu Hause zu sein, denn Geld muss ich mir auf anderem Wege verdienen.
Wie unsere großen Vorbilder vergangener Tage - ob Schubert oder Mozart - können Komponisten auch heute kaum ihr Leben mit Komponieren finanzieren. Dass hat unter anderem damit zu tun, dass Veranstalter, Orchester und Ensembles eisern sparen müssen und auf die kostspieligere Aufführung eines zeitgenössischen Werkes, für das Tantiemen und oft auch ein Auftragshonorar bezahlt werden müssen, verzichten. Da spielt man lieber ältere Werke, die weniger Risiko in sich bergen und sich leichter verkaufen lassen. Das war früher nicht anders: So hat der spektakuläre Virtuose Paganini einst ein große Schar an Veranstaltern und Publikum angezogen, während zur selben Zeit der ungleich genialere Komponist Franz Schubert das Nachsehen hatte.
In diesem Zusammenhang stehen heutige Komponisten vor einem weiteren Problem: Mäzene, die einst Komponisten unterstützt haben, gibt es heute kaum mehr. Und wenn, dann vorzugsweise für marktorientierte Festivals", stellt Karl fest.
"Allein aus meinem Gefühl, aus einer unmittelbaren Emotion, einem Instinkt heraus, entsteht das wesentliche meiner Musik. Mein Verstand, geprägt durch das erlernte Handwerk, setzt dann die Noten. Und wieder ist es mein Gefühl, welches die gesetzten Noten nach ihrer musikalischen Sinnhaftigkeit überprüft und gegebenenfalls ändert", erläutert Karl, der früher auch gemalt hat, seinen künstlerischen Zugang.
"Die besten Ideen kommen immer aus der Spontaneität. Wenn ich mich jetzt gezielt zum Klavier setze und etwas komponieren will, ist es schwieriger. Wenn ich frei im Geist bin, dann kommen die Einfälle."
"In meiner Musik soll es einen roten Faden geben. Der Klang ist mir wichtig, doch noch viel wichtiger ist mir die Form, die Entwicklung, die zeitliche Struktur, die der Komposition ein sinnvolles natürliches Knochengerüst verleiht. Darauf kann die Harmonik, der Klang aufgebaut werden. Ein interessanter Klang verliert seinen Wert, wenn dieser nicht in einem entsprechend sinnvollen und nachvollziehbaren Entwicklungsbogen eingebettet wird. Die Idee - die Klangidee - zu finden ist, glaube ich, generell nicht das Schwierige beim Komponieren, sondern deren Verwertung und Entwicklung innerhalb eines sinnvollen Ganzen.
Genial ist, wenn ein Künstler aus einer gewöhnlichen Idee - man könnte auch sagen: aus dem Nichts - ein vollkommenes Kunstwerk schafft. Wie Beethoven es etwa mit dem naiven Terzmotiv in der 5. Sinfonie vollbracht hat, oder wie Michelangelo in seiner Pietà, die kein anderer Bildhauer derart lebendig und wahrhaftig aus dem toten Felsblock meißeln konnte", erläutert Karl.
"Ich möchte dazu beitragen, die aktuelle Situation der Kunst, die in einem Ghetto steckt, zu verbessern. Denn sie wird - zum Teil auch selbstverschuldet - nicht von der Gesellschaft beachtet. Und ich will den Menschen konstruktiv helfen", stellt Stephan Maria Karl fest, der im März 2007 beim 3. Internationalen Symposium "Poetica & Cristianesimo" an der Pontificia Universita della Santa Croce in Rom Vorträge zu den Themen "Tendenzen in eine neue musikalische Epoche" sowie "Die moralische Verantwortung des Künstlers" hielt.
"Das Hauptproblem der neuen Musik, der neuen Kunst ist, dass sie lebensfern ist. Sie wirkt oft abstrakt und körperlos, und die Menschen haben das Gefühl, dass es nichts mit ihrem Leben zu tun hat. Daher werden sie auch nicht berührt - was eine der Hauptaufgaben der Kunst wäre. Kunst soll kein intellektuelles Machwerk sein, das nur eine Elite versteht. Auch György Ligeti verwendet moderne Klänge, allerdings so, dass sie nachvollziehbar sind wie zum Beispiel bei 'Atmosphères'. Jede große Komposition der Musikgeschichte hat eine empfindbare Ordnung, eine natürliche Entwicklung, einen energetischen Sog. Genau so sollte es auch in der modernen Kunst sein.
Als ein großes und zuletzt für den Rezipienten unverantwortliches Problem in der zeitgenössischen Kunst sehe ich die Fokussierung auf die Idee, auf die Philosophie, anstatt auf deren künstlerische Verwirklichung. Es gibt heute einige berühmte und stinkreiche zeitgenössische Künstler, die in ihr Kunstwerk derart eine geniale Idee und Philosophie hineinreden, sodass andere sie dann für 'genial' und 'förderungswürdig' halten."
Am 5. Oktober 2009 wurde im Rahmen des Leopold-Kohr-Festes in der Großen Aula der Universität Salzburg, an dem Persönlichkeiten aus Kunst, Wissenschaft und Politik teilnahmen, Stephan Maria Karls Orchesterwerk "Hybris & Mesotes" für Sprecher, Klangschalen & Orchester aufgeführt.
Der Nationalökonom, Jurist, Staatswissenschaftler und Philosoph Leopold Kohr (1909-1994), der in Oberndorf bei Salzburg geboren wurde, wäre heuer 100. Er war ein Vordenker der Ökologiebewegung und erhielt 1983 den Alternativen Nobelpreis.

Am 11. März 2009 fand die Uraufführung von Stephan Maria Karls Auftragswerk "Hybris & Mesotes" mit der Jungen Philharmonie Salzburg im Salzburger Mozarteum statt.
Und am 15. März 2009 strahlte ORF 2 im Rahmen des Österreich-Bildes aus dem Landesstudio Salzburg Hans Kutils Dokumentation "Das Elend der Großen - Die Macht der Kleinen. Leopold Kohrs Rezepte für eine bessere Welt" über den Alternativnobelpreisträger aus.
In dieser Dokumentation verwendete Hans Kutil Teile aus Karls Komposition "Pluto".
Anlässlich des Bachfestes in Salzburg wurde Stephan Maria Karls "Sonata über B.A.C.H" für Violoncello solo vom Ensemble Acrobat aufgeführt. Das Konzert fand am 10. Oktober 2008 im Solitär der Universität Mozarteum statt.
Am 24. Mai 2008 wurde Stephan Maria Karls "Leib und Seele" für Sopran und Klavier mit Michiko Watanabe (Klavier: Fausto Quintaba) im Solitär der Mozarteum-Universität Salzburg uraufgeführt.
Das durch prominente Musiker musikalisch gestaltete und von Karl in seiner Funktion als stellvertretender ÖH-Vorsitzender des Mozarteums organisierte Konzert, fand zu Gunsten förderungsbedürftiger Nachwuchsmusiker statt.
Am 16. November 2007 war Stephan M. Karls Werk "Impuls(e)" für Flöte Solo im Rahmen der "Nacht der Komponisten" in Salzburg live in Ö1 zu hören.
"Diese Komposition entstand 2004 und wurde beim ecat-Festival in Edinburgh von Nicole Pressler, der es auch gewidmet ist, uraufgeführt. Es ist dreiteilig angelegt. Zwei Themen, ein rhythmisches im Anfangs- und Endteil und ein melodisches im Mittelteil, werden verschiedenartig verarbeitet. Der erste Ton beziehungsweise Intervallsprung der Themen setzten während der Kompositionsphase jeweils den Impuls für eine instinktive Weiterentwicklung des Vorangegangenen aus - daher auch der Titel", so der junge Komponist.
Im Mai 2007 feierte Karl einen großen Erfolg: "Pluto - Die and Become", sein erstes Werk für Orchester, wurde vom Sinfonieorchesters der Universität Mozarteum unter der Leitung von Dennis Russell Davies uraufgeführt.

"Pluto"-Uraufführung unter Leitung von Dennis Russel Davies: "Stephan Maria Karl wusste mit dem 'Sterben und Werden' von Pluto einen großen programmatischen Brocken mit handwerklichem Geschick zu bewältigen", schrieben die "Salzburger Nachrichten".
Ich habe mich für die astrologische entschieden. Pluto verkörpert das Prinzip des 'Stirb und werde' - das Alte muss beendet sein, damit das Neue entstehen kann. Es ist ein Prinzip, dem das ganze Universum unterliegt", erklärt Karl zu seinem Werk.
Und wie lautet der künstlerische Zukunftswunsch des jungen Komponisten?
"Kunst hat auch früher negative Themen aufgegriffen, aber sie hat Lösungen geboten. In den letzten Jahrzehnten wurden Themen wie Krieg, Angst und Depression bearbeitet, ohne dafür aber positive Visionen zu bieten. Stattdessen scheint mir Pessimismus vorherrschend.
Ich möchte dazu beitragen, einen Stein für das Haus einer konstruktiveren, optimistischeren, fröhlicheren, menschlicheren Kunst zu setzen, die mehr als nur eine handvoll elitärer, modernsein-müssende Intellektuelle anspricht - und so auch endlich wieder eine bestimmende Kraft in der gesellschaftlichen Fortentwicklung ist. Die Geschichte zeigt, dass Kunst, Philosophie und Literatur einbeziehend, deutlichen Einfluss auf die Gesellschaft ausüben kann. Diese Chance sollte nun bald wieder genutzt werden", so Stephan Maria Karl.
Kontakt
Stephan M. Karl
Links
Universität Mozarteum Salzburg
Universität Salzburg
Wikipedia - Lepold Kohr
YouTube - Stephan Maria Karl: Sonata B-A-C-H, Toccata (with David Eggert)
Stephan Maria Karl
DrehPunktKultur
83. Bachfest Salzburg 2008
Ensemble Acrobat
IG Komponisten
Internationale Stiftung Mozarteum
Junge Philharmonie Salzburg
MercatorNet
Musikum Salzburg
Nikolaus Schnapfl - Komponist - Pianist
OENM
Pontificia Universita della Santa Croce
Sophie Pacini, Klavier
Angela Tröndle, Jazzmusikerin
Florian Aichinger, Flötist
Martin Riener, Posaune
Alice Sara Ott, Pianistin
Martin Eckmann, Tuba
Gernot Jöbstl, Oboe
Matthias Kranebitter, Komponist
Matthias Bartolomey, Cellist
David Eggert, Cellist
Alina Pinchas, Geige
Hannes Kerschbaumer, Komponist
Kristina Suklar, Geige
Stephan Maria Karl, Komponist
Michael Lagger, Jazz-Klavier
Herbert Maderthaner, Oboe
Wolfgang Heiler, Fagott
Marios Joannou Elia, Komponist
Rony Moser, Klarinettist
Antanina Kalechyts, Orgel
Meng Li, Dirigentin
Karin Meissl, Schlagwerk
Christoph Ehrenfellner, Dirigent, Komponist, Geiger
Daniela Koch, Flötistin
Christian Wieder, Jazztrompete
Christine Kisielewsky, Popularmusik
Chin-Chao Lin, Dirigent
Nikola Djoric, Akkordeon
Manuel Hofstätter, Schlagzeug
Elke Uta Frenzel, Oboe
Lea Birringer, Geigerin
Sebastian Aigner, Schlagwerk
Piotr Skweres, Violoncello und Komposition
Christoph Pepe Auer, Jazzmusiker
Sarah Christian, Geigerin
Raphael Handschuh, Viola
Ioanna Apostolakos, Geige
Adrian Buzac, Oboe
Daniel Ottensamer, Klarinettist
Clemens Berg, Pianist
Daniel Auner, Geiger
Christian Haimel, Gitarre
Martin August Fuchsberger, Dirigent
Katrina Szederkenyi, Harfenistin
Keiko Hattori, Pianistin
Stefan Stroissnig, Pianist
Bence Kulcsár, Schlagwerker
Gerald Pöttinger, Posaune
Evelyn Pena Comas, Querflöte
Marina Bkhiyan, Violine
Manuel Huber, Hornist
Christoph W. Pirker, Orgel
Katharina Engelbrecht, Geigerin
Jürgen Hofstätter, Trompete
Alex Ladstätter, Klarinette
Christoph Wimmer, Kontrabassist
Yuki Manuela Janke, Geigerin
Johannes Wilhelm, Pianist
Maria Erlacher, Sopran
Caroline Löffler, Violine
Cordula Stepp, Sopranistin
Elisabeth Baumer, Barock-Oboe
Konstanze Ackermann, Klassisches Saxofon
Andreas Penninger, Organist und Dirigent
Adam Rekucki, Kontrabass
Wolfgang Mayer, Komponist
Trio Tritonous, Geige, Cello, Klavier
Thomas Fichtinger, Klarinette
Peter Ovtscharov, Pianist
Andreas Teufel, Pianist
Sergey Malov, Violine
Andreas Ziegler, Tonmeister
Fabian Kerber, Bassposaune
Eva Klampfer, Jazzgesang
Alja Velkaverh, Flöte
Franziska Kober, Kontrabass
Peter Fliecher, Trompete
Veronika Trisko, Pianistin
Lucja Madziar, Geigerin
Christian Hollensteiner, Trompete
Hannes Hölzl, Posaune
Michaela Girardi, Geigerin
Michal Matejcik, Harfe
Johannes Bär, Trompete
Rupert Struber, Schlagzeuger
Jana Kmitova, Komponistin
Sandra Kirschenhofer, Flötistin
Birgit Selhofer, Dirigentin