oe1.ORF.atORF.at
oe1.ORF.at
Webradio Podcast
Highlights
Was bedeutet Kunst für Sie?
Am ehesten ein "Glaubenssystem", das Bedeutungen produziert, indem ich mich befinde und indem ich kritisch-reflexive Möglichkeiten habe.

Woher kommt Ihre Kreativität?
Ich finde, die Frage ist falsch gestellt, interessanter ist: "Was für eine Funktion hat die Kategorie 'Kreativität' in der Gesellschaft und wie positionieren Sie sich dazu?"

Ihr Motto lautet?
Ich habe keines.

Mehr zur Ö1 Talentebörse
Moira Hille, bildende Kunst
Die kollektive Praxis im Zentrum
"Es ist das Interesse an Problematisierung, das mich zur Kunst gebracht hat. Denn in der Kunst gibt es die Möglichkeit, Sachen in Frage zu stellen. Und dabei entscheidend ist die Problematisierung der Form, die unmittelbar mit dem Inhalt verknüpft ist. Davor habe ich mir andere Studienbereiche angeschaut. In der Kunst kann ich mit verschiedenem Material arbeiten, nicht nur auf der Bild-, sondern auch auf der Text-Ebene, wo Form und Inhalt dicht miteinander verknüpft sind. Für mich war es entscheidend zu sehen, dass es nicht nur darum geht, was ich mache, sondern wie ich es thematisiere und problematisiere", erzählt Moira Hille, gebürtige Hamburgerin, Jahrgang 1976, die im Jahr 2000 an der Hochschule für bildende Künste Hamburg mit dem Studium der Visuellen Kommunikation begonnen hat und seit Herbst 2002 an der Akademie der bildenden Künste in Wien bei Marina Grzinic Konzeptuelle Kunst und nun bei Dorit Margreiter Video und Videoinstallation studiert.

(c) Hille
Moira Hille

Nach Wien kam die Nachwuchskünstlerin durch ein Erasmus-Stipendium, das sie für den Bereich Bildende Kunst bei Renee Green erhielt. "Nach dem Abitur war ich zunächst ein Jahr in Indien, habe danach in Hamburg mit dem Studium der Sprache und Kultur des neuzeitlichen Indien begonnen und gleichzeitig auch Philosophie und Politologie inskribiert. Ganz wichtig war in dieser Zeit für mich auch politische Arbeit - meine künstlerische Arbeit ist immer damit verknüpft", berichtet Hille.
Für die Richtung Video und Videoinstallation hat sie sich 2006 entschlossen: "Ich arbeite mit verschiedenen Medien wie Zeichnung, Fotografie, digitale Bildbearbeitung und Performance. In letzter Zeit habe ich mich zunehmend mit dem Video auseinandergesetzt. Zudem kam, dass ich Dorit Margreiter als Künstlerin sehr schätze - nicht zuletzt wegen ihrer Kunst-Vermittlung und Kunst-Praxis", so die junge Künstlerin, die im November 2007 ihr Studium abschließen wird.

(c) Hille
"Studien zum romantischem Subjekt" (9 Bilder, 2003): Die Serie untersucht das Zusammenspiel Bildaufbau - Positionierung der/des Künstlerin/Künstlers in diesem, mit Verweis auf die Romantik und dem sich daraus ergebenden aktuellen KünstlerInnenideal.

Kollektive Arbeit im Zentrum
"Meine Arbeiten haben immer mit kollektiver Praxis zu tun. Denn ich arbeite sehr viel mit anderen zusammen, was mir sehr wichtig ist. Und das beinhaltet die Fragen: was kann Kollektivität sein, wie ist es möglich, in einem kollektiven Prozess Machtverhältnisse zu erkennen, zu dekonstruieren oder aufzulösen? Das ist natürlich nie absolut möglich. Andererseits geht es mir immer darum, mit welchem Medium ich arbeite. Konkret: was macht zum Beispiel eine Videokamera, was ein Fotoapparat, also mit welchem Machtinstrument arbeite ich?", erläutert Hille ihren künstlerischen Zugang.
Projekt Sommerakademie
Im Jahr 2003 rief Moira Hille gemeinsam mit Katharina Lampert und Katrin Bahrs eine Sommerakademie für Künstlerinnen und Künstler aus Wien und Hamburg ins Leben. "Dabei wurden Arbeiten vorgestellt und diskutiert. Es war ein Rahmen, in dem Sachverhalte kritisch-reflexiv erörtert wurden", schildert Hille das Anliegen der Initiative.

Ein Jahr später fand die Sommerakademie dann in Greifenstein in Niederösterreich statt. Und derzeit gibt es Überlegungen, ob das Projekt fortgesetzt wird.
Diplomarbeit "Chandigarh/Biomacht"
Hilles aktuellstes Projekt ist ihre Diplomarbeit über die indische Stadt Chandigarh, die in den 1950er-Jahren von Le Courbusier erbaut wurde. "Was mich daran interessiert, ist das Zusammenspiel zwischen funktionalistischer Architektur und dem Focaultschen Begriff der Biopolitik. Dabei möchte ich mit der Kamera festhalten, welche Kategorien der Lebendigkeit und des Lebens in der Kunst vorzufinden sind. Courbusier, der bei seiner Architektur auch filmisch gearbeitet hat, entwarf diese Stadt in der Form eines menschlichen Körpers", erklärt Hille.

(c) Hille
"Chandigarh/Biomacht" (Video, 2007): In dieser Arbeit versucht Hille mit Bezug auf Foucaults Begriff der Biopolitik, den in der Moderne entstandenen Zusammenhang Funktionalismus - Biologismus am Beispiel der indischen Stadt Chandigarh zu untersuchen.

"Hier bewirkt der Funktionalismus eine Disziplinierung des Lebens, so dass er die stringente Aufteilung in Arbeit, Leben und Freizeit impliziert. Aber ich glaube, dass in Chandigarh nicht nur die Disziplinierung des Lebens ins Spiel kommt, sondern eben die Behauptung der Architektur, selbstlebend zu sein. Es stellt sich die Frage: was bedeutet das für die Kategorie des Lebendigen - sowohl in der Kunst als auch im politischen Kontext. Ich war bereits 2006 ein Monat in Indien und habe mir die Stadt angesehen. Daraus hat sich mein Konzept entwickelt", berichtet Hille, die im Sommer wieder nach Indien reisen wird.
Zahlreiche Projekte, ...
Seit ihrem Studium an der Wiener Akademie hat die Nachwuchskünstlerin bereits zahlreiche Projekte verwirklicht:

So u. a. "Euphoricum. Ein Symposium über die Zukunft der Kunstuniversitäten" in Zusammenarbeit mit Eva Egermann, Marlene Haring, Katharina Lampert und Christian Hessle (2003), die Künstlerinnen-Plattform "A room of one's own", bei dem feministische Diskurse und Praxen in der Kunst thematisiert, erforscht und erweitert werden (seit 2003), die Initiative "Kete", zusammen mit Katharina Lampert, Martin Kahofer, Paul Anxionnaz, Christian Hessle und Stephan Ludescher gegründet, die kulturelle Programme wie z.B. Filmreihen, Performances und Konzerte bietet, wo Themen wie Feminismus, Homosexualität, Alter und Krankheit diskutiert werden.
... Ausstellungen ...
In den letzten Jahren war Moira Hille u. a. bei "Go Johnny Go!" in der Kunsthalle Wien mit "A room of one's own" (2003), beim 10. Mednarodni festival računalniš kih umetnosti (MFRU) in Maribor (2004), bei der Berlin Biennale (2004), bei "Real Presence" in Zusammenarbeit mit Anabela Angelovska und Katharina Morawek in Belgrad (2005), bei "Remapping mozart, Konfiguration II: Frisch zum Kampfe! Frisch zum Streite!" zusammen mit Katharina Lampert, bei "Mothers of Invention" in der MUMOK Factory in Wien sowie bei "Born to be a star" im Künstlerhaus Wien ebenfalls mit "A room of one's own" (2005), sowie bei der Schau "Das neue Europa" wieder mit "A room of one's own" in der Generali Foundation Wien (2006) vertreten.

(c) Hille
"Real Presence" – Installation von A. Angelovska, M. Hille und K. Morawek (Belgrad, 2005): Diese Arbeit untersucht anhand von tableaux vivants, fiktiven Interviews und Bildmaterial die Inszenierungsformen von Kollektivkörpern und dem Dazwischen.

... und Publikationen
eit 2003 publiziert die junge Künstlerin auch im Magazin "Malmoe" sowie in "Derive. Zeitschrift für Stadtforschung".

"Das ist noch ein Lernprozess. Was mich daran interessiert, ist das Medium Sprache. Wie kann man mit diesem Medium Diskurse, Sensibilitäten schaffen - und vielleicht auch Blickwinkel verändern."

(c) Hille
"Südbahnhof" (Video, 8:25 Min., 2003/04): Die architektonischen Linien werden im Kameraraum transformiert. Dabei entsteht eine Verfolgungs-Kamera, die sich mit Themen der Repräsentation und dem Verhältnis Körper-Raum-Kamera auseinandersetzt.

Ohne ökonomischen Druck arbeiten
Wie der berufliche Zukunftswunsch der Nachwuchskünstlerin mit großem politischen Bewusstsein lautet?

"Im Berufsleben muss man sich immer einer bestimmten Ökonomie unterwerfen, was ich kritisiere. Ich denke, diese Gesellschaft sollte einmal Qualitäten in Dingen erkennen, die ihr bisher verborgen blieben. Im Moment geht es mir jobmäßig gut, da ich beim Arbeitskreis für Gleichbehandlungsfragen an der Akademie eine fixe Stelle habe. Und diese Tätigkeit lässt mir Zeit genug für meine künstlerische Arbeit. Mein Wunsch wäre es, einmal von meiner künstlerischen Tätigkeit leben zu können", so Moira Hille.
Text: Matthias Osiecki
Um Ihre Meinung abgeben zu können, müssen Sie sich einloggen. Log-in
Die ORF.at-Foren sind jedermann zugängliche, offene und demokratische Diskursplattformen. Bitte bleiben Sie sachlich und bemühen Sie sich um eine faire und freundliche Diskussions-Atmosphäre. Die Redaktion übernimmt keinerlei Verantwortung für den Inhalt der Beiträge, behält sich aber das Recht vor, krass unsachliche, rechtswidrige oder moralisch bedenkliche Beiträge zu löschen.
Ö1 Talentebörse: Kunst

Karoline Riha, Grafik & Druckgrafik
Katharina Cibulka, bildende Kunst
Christoph Meier, bildende Kunst
Desislava Unger, Grafik
Lavinia Lanner, bildende Kunst
Paul DeFlorian, bildende Kunst
Katharina Karner, Malerin
Martina Stock, bildende Künstlerin
Andreas A. Zingerle, Interface Cultures
Maximilian Haidacher, Fotografie
Katharina Gruzei, bildende Kunst
Flaminia Rukavina, Restauratorin
Mathias Kloser, bildende Kunst
Linda Thalmann, bildende Kunst
Stephanie Mold, bildende Kunst
Bernhard Buhmann, Maler
Martin Rille, Transmediale Kunst
Ulla Rauter, Transmediale Kunst
Irene Haselböck, bildende Kunst
Simon Vith, Grafik
Christine Katscher, Grafik
Christina Dörfler, Kunst und kommunikative Praxis
Caroline Heider, bildende Künstlerin
Bernard Ammerer, Maler
Ö1 Talentestipendium
Nazim Ünal Yilmaz, Maler
Hanakam/Schuller, bildende Kunst
Elfriede Penzinger, Malerei
Benjamin Tomasi, Fotografie
Philippe Gerlach, Fotografie
Chrischa Oswald, bildende Kunst
Christine Pichler, bildende Künstlerin
Gordan Savicic, digitale Kunst
Chris Müller, Bildhauer
Mario Sinnhofer, interdisziplinäre Kunst
Regina Hurban, Malerin
Mathias Pöschl, bildender Künstler
Valentin Hirsch, Druckgrafik
Erste Ö1 Talentebörse-Schau endet am Sonntag
Adrienn Kiss, bildende Künstlerin
David Wiltschek, Kunst & Fotografie
Rainer Gamsjäger, Visuelle Gestaltung
Susanne Sue Sellinger, Digital-Kunst
Moira Hille, bildende Kunst
Björn Kämmerer, Kunst und digitale Medien
Stefanie Walch, Kunst und kommunikative Praxis
Katherina Olschbaur, Malerin
Christoph Schwarz, visuelle Mediengestaltung
Judith Fegerl, Installationen
Anne Sophie Christensen, Kunst & Kommunikation
Robert Freund, Malerei
Iris Aue, bildende Künstlerin
Elisa Treml, Textil/Kunst & Design
Nadeshda Dimitrova, Tapisserie
Ingrid Mauthner, Malerin
Florian Schramm, Maler
Roland Hochenauer, Maler
Coelestine Engels, Bildende Kunst
Taife Smetschka, Interface Cultures
Nikola Kovac, bildender Künstler
Jason Neuwersch, Maler
Ágnes Verebics, Bildende Künstlerin
Martin Sedlak, Bildender Künstler
Julijan Borstnik, Bildender Künstler
Katerina Seda, Bildende Künstlerin
Miroslav Mirt, Bildender Künstler
Ágnes Toth, Malerin
Mark Pozlep, Videokünstler
Ondrej Brody, Performance & Video
Dorota Kenderova, Videokünstlerin
Pirmin Blum, Medienkünstler
Marlene Haring, Videokunst
Barbara Musil, Experimental-Kunst
Anna Schreger, Bildende Kunst