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Was bedeutet Kunst für Sie?
Eigentlich mag ich diesen Terminus nicht, weil er vielfach missbraucht und vor allem am Theater so einen elitären Beigeschmack hat. Kunst sollte meines Erachtens mit Können zu tun haben.

Woher kommt Ihre Kreativität?
Das ist nicht einfach zu beantworten. In meinem Fall kommt die Kreativität wohl aus der Auseinandersetzung mit Menschen und im empathischen Nutzen des Potenzials, das die Menschen haben, mit denen ich zusammen arbeiten darf.

Ihr Motto lautet?
Ich habe keines.

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Katja Lehmann, Regisseurin
Affinität zu psychologischen Realisten und Klassikern
"Dank meiner Eltern hatte ich das große Glück, schon in ganz jungen Jahren mit dem Theater in Berührung zu kommen. Sie waren treue Abonnenten in Gießen, Frankfurt und Darmstadt. Und wir Kinder sahen auch regelmäßig die Kindertheater-Aufführungen.

Mit acht habe ich erstmals Shakespeares 'Hamlet' in Gießen gesehen - und war von der Inszenierung unglaublich schockiert. Gleichzeitig löste diese Erfahrung die Überlegung aus, dass man dieses Werk hätte anders inszenieren können.

Ich wusste bald, dass ich mich im Theater-Bereich bewegen wollte. Allerdings war ich mit 18 noch nicht dazu bereit, Regie zu führen. Da mein Onkel damals Dramaturg am Nationaltheater Mannheim und später in Bremen war, hatte ich bald die Möglichkeit, Einblick in die Theater-Arbeit zu erhalten. Aber zunächst habe ich Geschichte und Germanistik studiert", erzählt Katja Lehmann, gebürtige Hessin aus Lich, Jahrgang 1980, die seit 2004 am Wiener Max Reinhardt Seminar Regie studierte und 2008 abgeschlossen hat.

(c) Lehmann
Katja Lehmann

Warum sie zunächst mit einem anderen Studium begann, das sie 2003 erfolgreich mit dem Magister abschloss und für ihre Diplomarbeit sogar mit dem Maximilian-Bickhoff-Preis für außergewöhnliche Studienleistungen ausgezeichnet wurde, erklärt die Nachwuchs-Regisseurin so:

"Ich wollte ja etwas zu erzählen haben, zuerst Erfahrungen sammeln und die Literatur kennen lernen. Und dieses Studium hat mir auch sehr viel Freude gemacht. Mit der idealen Betreuung an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, die sehr klein ist und eine ausgezeichnete Bibliothek hat, konnte ich das Studium in zügigem Tempo beenden."
Der richtige Platz auf der anderen Seite
Zwar hat Lehmann auch die Schauspielerei interessiert, aber ihren Platz am Theater sah sie woanders: "Ich habe mich immer auf der anderen Seite wohler gefühlt. Es hat mir mehr Spaß gemacht, Geschichten zu erzählen, ohne selbst auf der Bühne sein zu müssen", erläutert Lehmann ihre Entscheidung für die Regie. Nicht zuletzt trug zu ihrer Berufs-Entscheidung eine Hospitanz unter Schauspiel-Chef Gerhard Willert am Landestheater Linz bei Racines "Phädra" im Jahr 2000 bei:

"Die Arbeit Willerts hat mich sehr beeindruckt - und an alle Theaterprozesse herangeführt. Das war kurz nach meiner Zwischenprüfung im Studium - und danach habe ich mich endgültig für das Theater entschieden", berichtet Lehmann, die dafür eine Stelle als Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur für Theorie und Didaktik der Geschichte aufgab.
Geschichten mit profunder Kenntnis erzählen
"Die Möglichkeit, Geschichten zu erzählen und mit verschiedenen Mitteln zu arbeiten, reizt mich am Theater. Hier können sich bildende Kunst, Musik und Film herrlich ergänzen. Und im Herzen dieses Geschehens steht immer der Schauspieler, der eine Geschichte erst lebendig macht", präzisiert Lehmann.

"Und auch die Möglichkeit, die man beim Film zum Beispiel so nicht hat, sechs Wochen oder länger intensiv proben zu können. Ich recherchiere sehr gerne und suche nach tieferen Zusammenhängen - das ist die wissenschaftliche Seite in mir."

(c) Lehmann
"Das weite Land" von Arthur Schnitzler (Uni Eichstätt, 2003): "Bei dieser Inszenierung wurde mir erstmals klar, was es heißt, einen Text für die Bühne zu gestalten, seelische Vorgänge zu versinnlichen und die Spannung zu halten", so Katja Lehmann.

Horvaths "Don Juan" und Film für Holocaust-Museum
Zurzeit arbeitet die begeisterte Jungregisseurin an zwei Projekten: einer Inszenierung von Horvaths "Don Juan kommt aus dem Krieg", das ein vom EU-"Leader plus" finanziertes Projekt ist, bei dem sie mit einem Profi-Team, aber mit jugendlichen Laien-Darstellern im Alter zwischen 13 und 18 Jahren, eine Inszenierung erarbeitet;

"Die größte Arbeit besteht darin, mit diesen 15 Jugendlichen, die aus ganz verschiedenen Schulformen kommen und auch ganz unterschiedlichen sozialen Hintergrund haben, eine künstlerische Leistung zustande zu bringen", berichtet Lehmann.

Premiere hat das Horvath-Stück am 20. September 2008 in Töging am Inn.

Das zweite Projekt ist ein Kurzfilm für das Holocaust-Denkmal in Berlin, der sich mit verschiedenen Inszenierungsformen auseinandersetzt.

"Damit soll veranschaulicht werden, dass Fakten nicht Fakten sind, sondern auf eine bestimmte Weise präsentiert werden. Es soll die Besucher darauf hinweisen, dass sie durch die Art, wie man Zeichen setzt, gelenkt werden, und soll ihre multiperspektivischen Standpunkte schulen. In diesem Film zeigen wir fünf unterschiedliche Inszenierungen eines Raumes". Eingesetzt wird der Film, der eine Auftragsarbeit einer deutschen Stiftung ist, ab Oktober 2008.
"Gefährliche Liebschaften" als Diplom-Inszenierung
Ihr Regie-Studium hat Katja Lehmann mit Christopher Hamptons "Gefährlichen Liebschaften" abgeschlossen, die im Jänner 2008 auf der Neuen Studiobühne des Reinhardt Seminars Premiere hatten.

"Ich hatte eine wunderbare Besetzung für das Stück, es war hervorragende Zusammenarbeit", so Lehmann über ihre Diplom-Inszenierung.
Psychologische Realisten und Klassiker
Besonderes Interesse hat Lehmann an den Werken der psychologischen Realisten wie Horvath, Schnitzler sowie Karl Kraus oder Tschechow, ebenso an jenen der Amerikaner wie Tennessee Williams und Sam Shepard. "Und natürlich die Klassiker - diese Modernität bei ihnen! Einer der größten ist Schiller für mich", so Katja Lehmann.

Probleme hat sie mit manchen zeitgenössischen Stücken: "Es gibt natürlich auch Juwelen darunter. Aber oft findet man nur Oberfläche und wenig Substanz. Und nur wenige heutige Autoren haben eine Sprachbeherrschung wie Thomas Bernhard."
Theater-Praxis seit 1997
Praktische Theater-Erfahrungen konnte die Jungregisseurin bereits seit etwa zehn Jahren sammeln: so unter anderem im Rahmen der Schauspielgruppe der St. Lioba Schule Bad Nauheim, bei der sie Schnitzlers "Der grüne Kakadu" inszenierte und auch mitspielte, bei Brechts "Furcht und Elend des Dritten Reiches", wo sie als Regie-Assistentin tätig war und ebenfalls spielte, als Regie-Assistentin bei der Freien Gruppe "Zettel-Theater" (Mainz/Frankfurt/Main) bei Shakespeares "Lustigen Weibern von Windsor" (1999), bei einer Regie-Hospitanz am Landestheater Linz für Racines "Phädra" unter Gerhard Willert (2000), beim "Fritz-Haarmann-Protokoll" an der Universität Eichstätt (2001) sowie Impro-Theater und Theatersport unter Leitung von Michael Klebl (2002) sowie bei Schnitzlers "Weitem Land", das Lehmann 2003 an der Universität Eichstätt inszenierte.

Am Reinhardt-Seminar waren von ihr bisher Szenen-Studien von Büchners "Woyzeck", Schnitzlers "Anatol", Horvaths "Geschichten aus dem Wiener Wald", Ibsens "Hedda Gabler" sowie eine Aninszenierung von R. W. Fassbinders "Die bitteren Tränen der Petra von Kant" sowie Sheppards "Liebestoll" zu sehen.

(c) Lehmann
Sam Shepards "Fool For Love" in der Inszenierung von Katja Lehmann mit (von links nach rechts) Florian Köhler als Martin, Judith Mauthe als May und Nenad Smigoc als Alter Mann (Max Reinhardt Seminar, Februar 2007).

Alma-Mahler-Projekt "Das bisschen Unterleib"
Außerdem hat die vielseitige Jungregisseurin den Monolog "Das bisschen Unterleib" über Alma-Mahler-Werfel verfasst, bei dem sie mit der Schauspiel-Studentin Magdalena Kronschläger zusammengearbeitet hat.

"Diese Arbeit entstand, als ich aus Deutschland kam und noch nichts von der Manker-Produktion wusste. Nun haben wir diesen Stoff in eine Hörspiel-Fassung umgearbeitet, wollen aber auch einen Abend machen", freut sich Lehmann auf die Arbeit mit ihrer Kollegin.

Mehr zu Magdalena Kronschläger in der Ö1 Talentebörse
Festwochen-Produktion, Spielfilm und Roman
Wie lauten die Zukunftswünsche der ambitionierten Regisseurin, die gerne in Wien inszenieren würde?

"Ich möchte einmal eine Inszenierung für die Wiener Festwochen machen, einen Spielfilm produzieren und einen ordentlichen Roman schreiben - dann wäre ich ganz zufrieden", so die prompte Antwort von Katja Lehmann.
Text: Matthias Osiecki
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Ö1 Talentebörse: Bühne

Diana-Marina Fischer, Sopran
Sarantos Zervoulakos, Schauspielregie
Andrejus Kalinovas, Tenor
Raimund Orfeo Voigt, Szenografie
Angela Smigoc, Schauspielerin
Simona Eisinger, Koloratursopran
Martina Mikelic, Altistin
Markus Subramaniam, Schauspieler
Michael Großschädl, Schauspieler
Regina Riel, Sopran
Alexander Meile, Schauspieler
Stefan Leonhardsberger, Schauspieler
Martina Lechner, Musikalisches Unterhaltungstheater
Eva Maria Sommersberg, Schauspielerin
Marie Jung, Schauspielerin
Andrè Schuen, Bassbariton
Steffen Jäger, Regie
Emily Cox, Schauspielerin
Anna Unterberger, Schauspielerin
Theresa Langer, Schauspielerin
Verena Rotky, Bühnengestaltung
Ines Schiller, Schauspielerin
Louisa von Spies, Schauspielerin
Susanne Inkiow, Regie
Anita Götz, Sopran
Katja Lehmann, Regisseurin
Nikoletta Korkos, Tänzerin
Irene Mattausch, Sopran
Sophia Freynhofer, Schauspielerin
Johannes Pölzgutter, Musiktheaterregie
Nanina R. Kotlowski, Tänzerin
Florian Köhler, Schauspieler
Matthäus Schmidlechner, Tenor
Christiane Karg, Sopranistin
Matthias Lier, Schauspieler
Alexander F. Zieglarski, Schauspieler
Barbara Schulte, Theater-Regie
Petra Staduan, Schauspielerin
Anna Maria Nowak, Tänzerin
Nikolaus Barton, Schauspieler
Sirkka Mentlein, Musiktheater-Regie
Hannes Perkmann, Schauspieler
Thomas Frank, Schauspieler
Taylan Memioglu, Tenor
Magdalena Kronschläger, Schauspielerin
Florian Berger, Tanz
Jolene McCleland, Mezzosopran
Bettina Schwarz, Schauspielerin
Barbara Novotny, Schauspielerin
Bryan Rothfuss, Bariton
Peter Gregor Pertusini, Schauspieler
Tania Oppel, Koloratursopran
Anisha Bondy, Musiktheater-Regie
Daniela Keckeis, Schauspielerin
Katharina Knap, Schauspielerin
Rainer Sellmaier, Bühnenbild
Thiemo Strutzenberger, Schauspieler