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Barcamps werden der Ideologie des Web 2.0 gemäß auch als Unkonferenzen bezeichnet.

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Ritchie Pettauer über das Barcamp Vienna
Barcamps sind selbst organisierte Treffen der New Media Branche, die Programmkoordination der einzelnen Vorträge und Diskussionsrunden erfolgt vor Ort. Der Name, so die Gründungslegende, leite sich von "foobar" her: Diese Bezeichnung verwenden Programmierer bevorzugt für so genannte metasyntaktische Variablen oder einfacher ausgedrückt: Platzhalter.

Wenn Programmierer sich über Ablaufdiagramme und Algorithmen austauschen, dann bezeichnet foobar also nicht mehr und nicht weniger als das umgangssprachliche "Dingsbums". Barcamps blühen, seit sich die Internet-Ökonomie von ihrer tiefen Krise Ende der Neunziger Jahre einigermaßen erholt hat und Investoren erneut bereit sind, Risikokapital in Start-Up Unternehmen zu pumpen. Mit konventioneller Konferenzorganisation hat der Ablauf eines Barcamps indessen wenig zu tun.

Barcamps sind aus dem Bedürfnis heraus entstanden, daß sich Menschen in einer offenen Umgebung austauschen und voneinander lernen können. Es ist eine intensive Veranstaltung mit Diskussionen, Präsentationen, und Interaktion der Teilnehmer untereinander. (Barcamp.at: Was sind Barcamps?)

(c) ORF, Meinhart
Von allen Teilnehmern und Teilnehmerinnen wird erwartet, dass sie sich aktiv in das Programm einbringen: sei es durch einen Vortrag, durch Mithilfe bei der Organisation oder durch Bewerben der Veranstaltung im eigenen Blog und/oder Bekanntenkreis. Seit der ersten Veranstaltung im Jahr 2005 im kalifornischen Palo Alto manifestierte sich die Barcamp-Idee in weltweit rund fünfzig Städten.

Am 29. und 30. September 2007 trafen sich Informationsarbeiter aus den Überschneidungsbereichen von Technik, Journalismus, Werbung, Medienwissenschaft und Politik zum bereits zweiten Wiener Barcamp in diesem Jahr. Sponsor Microsoft sorgte für die Räumlichkeiten, in denen rund 100 Unkonferenz-Teilnehmer und Teilnehmerinnen an einem besseren virtuellen Morgen bastelten.

Ganz oben auf der Tagesordnung stand die so genannte "Blogosphäre", so die Bezeichnung für die Gesamtheit aller Weblogs. Hannes Offenbacher will mit seiner Blögger-Initiative die heimischen Mikromedien besser vernetzen und sichtbar machen, Martin Staudinger sprach gemeinsam mit dem Autor dieser Kolumne über das Thema "Monetarisierung von Weblogs" und zahlreiche Diskussionsrunden beschäftigten sich mit der Frage nach der Positionierung von Blogs im Kanon der (Massen)Medienlandschaft.

Meral Akin-Hecke präsentierte ihre neue Veranstaltungsreihe "Digitalks", bei der Experten aus der Blogger-Szene im Wiener Museumsquartier interessierten Laien den Einstieg ins digitale Publizieren erleichtern sollen.

Ebenfalls auf breiter Basis diskutiert wurde das Thema "Accessibility: Wie können Webseiten gestaltet werden, um für möglichst alle Besucher zugänglich zu sein, unabhängig von allfälligen sensorischen Behinderungen? In diesem Bereich sind noch riesige Anstrengungen zu leisten, wie die Diskussion mit den Fachleuten von MAIN (Medienarbeit Integrativ) schnell klar machte. Die heute gestartete Blog-Aktion, die Ideen zum Thema "integrative Mediengestaltung" sammelt, entstand im Rahmen dieses Themenblocks.

Natürlich dürfen auf keinem Barcamp die neuesten Web 2.0 Applikationen fehlen: YEurope Gründer Paul Böhm zeigte ein neues Aggregations-Tool namens Soup.io, das es spielerisch einfach ermöglicht, verschiedenste Inhalte völlig ohne Programmierkenntnisse zu einer eigenen Internetseite zu kombinieren, zahlreiche Teilnehmer und Teilnehmerinnen führten ihre aktuellen Beta-Applikationen auf mitgebrachten Laptops vor.

Den Schwerpunkt des Wochenendes bildeten allerdings weder Start-Up-Gründungen noch neue Businessmodelle. Vernetzung und Netzkultur stießen auf weit mehr Aufmerksamkeit als alle Investor-Talks: Vom Vortrag über das Web 2.0 in China bis zur gemeinsamen Planung einer Blog-Demo zu "Free Burma" reichte das Spektrum der politischen Inhalte.
Die Barcamp-Szene wächst
Am 6. und 7. September 2007 steckten fast 300 Web-Bastler ihre Köpfe in München zusammen, für die im November geplante Veranstaltung in Berlin sind bereits jetzt fast fünfhundert Teilnehmer und Teilnehmerinnen angemeldet. Dass mit dem Wachsen der Szene die Unkonferenzen ihren informellen Charakter beibehalten, scheint derzeit aber sehr unwahrscheinlich: In Deutschland werden paradoxerweise bereits erste Stimmen aus der Community selbst immer lauter, die vehement Eintrittspreise fordern: denn nur so könne man dem Problem begegnen, dass sich präventiv zahlreiche Interessenten anmelden, die dann aber gar nicht kommen und anderen die limitierten Plätze wegnehmen.

Wer bottom-up organisiert, sollte sich indessen darüber klar sein, dass fehlende organisatorische Strenge nun mal eine gewisse Unschärfe mit sich bringt. Jede Fluglinie kennt ihre statistischen Passagier-Ausfallsdaten und überbucht Flüge entsprechend - vielleicht eine Option für zukünftige Barcamps. Denn wo man Eintritt zahlt, da führt der nächste logische Schritt zum Honorar für Vortragende, und von diesem Zeitpunkt an wäre es nicht mehr weit her mit der "Unkonferenz". Sicher ist allerdings eines: beim nächsten österreichischen Barcamp "Senza Confini" in Klagenfurt am 2.und 3. Februar 2008 stehen derartige Professionalisierungsüberlegungen zum Glück noch nicht auf der virtuellen Agenda.
Ritchie Pettauer ist selbstständiger Medienberater und Autor in Wien.

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Links
Barcamps in Österreich
Blögger - Weblogs in Österreich
MAIN - Medienarbeit integrativ
Soup.io - Mikro-Aggregator
Digitalks Blog
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