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David Röthler über Web 2.0

Entsteht im Web 2.0 eine neue Bottom-up-Beteiligungskultur oder beobachten wir lediglich den nächsten Techno-Hype der Web-Avantgarde?
Das US-Internet ist heute ein Hort der politischen Debatte, überall wird gestritten und debattiert, Standpunkte werden mit Filmschnipseln untermauert, Kandidatenvorurteile per Videobeweis be- oder widerlegt. Das Internet bringt eine Form der Debatte zurück, wie es sie zuletzt auf den Plätzen Athens oder Roms gab - angereichert mit multimedialen, Hypertext-befeuerten Argumentationshilfen.
Wovon Bertolt Brecht in seiner so genannten "Radiotheorie" Anfang der Dreißiger Jahre des letzten Jahrhunderts noch träumte, scheint mit dem Web 2.0 Realität geworden zu sein:
Der Rundfunk wäre der denkbar großartigste Kommunikationsapparat des öffentlichen Lebens, ein ungeheures Kanalsystem, das heißt, er wäre es, wenn er es verstünde, nicht nur auszusenden, sondern auch zu empfangen, also den Zuhörer nicht nur zu hören, sondern auch sprechen zu machen und ihn nicht zu isolieren, sondern ihn auch in Beziehung zu setzen.
Weblogs erlauben es heute die "Zuhörer sprechen zu machen" und sie "in Beziehung zu setzen". Noch nie war die Publikation von Inhalten einfacher. Darüber hinaus vernetzen sich die Bloggerinnen und Blogger über Links, Trackbacks und RSS. User Generated Content verändert die Medienlandschaft. Beispiele sind neben der Blogosphäre Plattformen wie Wikipedia, Youtube oder Flickr.
Dem Web 2.0 ist ein Paradigmenwechsel von einem one-to-many Broadcastsystem zu einem interaktiven many-to-many-Dialog immanent. Da politische Willensbildungsprozesse von Medien in großem Ausmaß mitbestimmt werden, ist die Partizipation von Bürgerinnen und Bürgern an der Medienproduktion eine - wenn auch nicht die einzige - Voraussetzung für politische Partizipation.
Web 2.0 könnte in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle bei der Verflachung von Hierarchien, Offenheit, Agenda Setting und Interaktion mit den Massenmedien im Zuge der fortschreitenden Ausdifferenzierung des Mediensystems spielen. Es besteht die Hoffnung auf Wiederaneignung des politischen Prozesses durch die Bürgerinnen und Bürger auf Basis der neuen Technologien. Allerdings darf nicht übersehen werden, dass politische Beteiligung auch von zahlreichen anderen Faktoren abhängig ist.
Genannt seien Transparenz der politischen Entscheidungsabläufe, Partizipationskultur, soziale Sicherheit sowie eine Verringerung des Digital Divide, Medienkompetenz und Aspekte der Privacy mit aktuellen Themen wie Vorratsdatenspeicherung und Onlinedurchsuchung. Die Vielfalt dieser Problemfelder macht klar, dass Web 2.0 allein Partizipation nicht gewährleisten kann. Politik, die ernsthaft an Partizipation interessiert ist und sich den oben skizzierten Herausforderungen stellt, hat mit Web 2.0 vielfältige Möglichkeiten, politische Beteiligung zu fördern.
Veranstaltungs-Tipp
UnConference Participation 2.0, "Radiofabrik" - das freie, partizipative Radio in Salzburg, Donnerstag, 15. November bis Samstag, 17. November 2007, Salzburg
Die UnConference Participation 2.0 wird sich der Frage des Zusammenhangs zwischen Citizen Journalism und politischer Beteiligung widmen. Mehr als 100 engagierte Menschen aus ganz Europa werden zu dieser - auch im Format partizipativen - Veranstaltung kommen.
Links
Civilmedia - Information und Anmeldung zur UnConference Participation 2.0
politik.netzkompetenz.at - David Röthlers Weblog
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