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Ritchie Pettauer über ewiggestrige Medienfuzzis
In der Tat ist die politische Informationsleistung notwendiger Bestandteil für eine differenzierte Meinungsbildung. Also sind die Angehörigen der schreibenden Zunft nachhaltig aufgerufen, ausgewogen zu berichten, Sorgfalt bei der Recherche walten zu lassen und sich ihrer Verantwortung bewusst zu sein. Wozu das führt, ist hinlänglich bekannt: zu inszenierten, g'schobenen Geschichten am einen und zu Meisterleistungen des Aufdeckungsjournalismus am anderen Ende einer überbreiten Skala teilweise durchwegs konfligierender Interessen.

Wenn Michael Konken auf der erwähnten Jahrestagung also über den Unterschied zwischen Journalismus-Profis und Hobby-Bloggern schreibt, dann hätte er auf derartige funktionale Ausdifferenzierungen des Mediensystems verweisen können, aber der Universitätsprofessor zog die grobe Keule vor:
Der Onlinebereich ist aber auch ein Bereich, den wir verstärkt unter qualitativen Kriterien werten müssen. Nicht jeder, der sich dort als Journalist bezeichnet, hat etwas damit gemeinsam. Uns steht es gut zu Gesicht, wenn wir Richtlinien finden, um Müll von Qualität zu trennen und dies den Internetkonsumenten deutlich machen. Das Internet ist eine Plattform auch für Schmierfinken ganz besonderer Art. [...] Blogs sind meines Erachtens nur in ganz wenigen Ausnahmefällen journalistische Erzeugnisse. Sie sind eher der Tummelplatz für Menschen, die zu feige sind, ihre Meinung frei und unter ihrem Namen zu veröffentlichen.
Die Diskussion um die Impressumspflicht von Internetseiten führte in Deutschland dazu, dass die überwiegende Mehrheit der Blogs schon längst genaue Herausgeberinformationen veröffentlicht. Unter den Top 50 der deutschen Blogcharts etwa findet sich keine einzige Seite, bei der sich der Herausgeber nicht im Handumdrehen eruieren ließe.
Aber dies ist nur ein Detail und gar nicht der zentrale Punkt der Kritik an einer unglücklichen Rede. Denn die zeigt schlicht und ergreifend überdeutlich, dass Interessensvertretungen in der Regel schwerfälliger und starrer agieren als jene Mandanten, die sie eigentlich vertreten sollen. Und so überrascht es wenig, dass als erster Thomas Knüwer einen offenen Brief an Michael Konken verfasste. Der beim Handelsblatt tätige deutsche Journalist betreibt ein gut besuchtes Medienblog und ist selbst das beste Beispiel für die Absurdität von Konkens Argumentation: Qualität als format- oder medieninhärenten Faktor anzusprechen, zeugt von einer seltsamen Gesinnung, für die Knüwer deutliche Worte findet:
Es liegt mir in den Fingern, mal so richtig zu kontern. Von einem Ewiggestrigen Gewerkschaftsheini, der seine Führerbunkermentalität hauptberuflich auch noch an Studenten weitergeben darf an der Uni Vechta und der FH Oldenburg. Über einen, dessen intellektuelles Niveau in Sachen Mediendiskussion tiefer liegt als die Golf GTI in meiner münsterländischen Heimat.
Innerhalb der Blogosphäre führte das "feige-Blogger-Zitat" in kürzester Zeit zu zahlreichen Reaktionen: Über fünfzig Beiträge in weniger als zehn Tagen bestätigen nachdrücklich, dass Blogger dem Meta-Diskurs genauso wenig aus dem Weg gehen wie einem Impressum. Der Verursacher des Sturms im Blog-Glas allerdings bekräftigte seine Aussagen gegenüber einem Branchenblatt und erklärte, dass es "nichts zu relativieren gäbe", worauf Blogger ein neues Zeitwort vorschlugen: "konken - aus Angst ablehnen, nicht verstehen (wollen)".
Bei aller Polemik steckt auch eine kleine Moral in der Geschichte: Manche Journalisten haben eben doch menschliche Schwächen. Und manche Blogger vielleicht sogar journalistische Stärken. Und Schwächen.
Links
Michael Konkens Rede im Volltext
Offener Brief von Thomas Knüwer an Michael Konken
Liste mit Blogreaktionen
Deutsche Blogcharts
Sven Scholz: konken als neues Vokabel
www
Weiß der Geier was sich Michael Konken bei dem gedacht hat was er da abgelassen hat. Mir zeigt es allerdings das Konken null vom Bloggen verstanden hat und mir wird immer klarer warum die etablierten Print-Medien so im Internet versagen!
Ahnungslos und ebenso schlampig
Leider ist es doch auch wahr, dass Journalisten und Journalismuslehrende teilweise weniger Ahnung vom Internet als neuem Medium haben als ihre Studierenden. Und wie es mit den journalistischen Grundsätzen in Zeitung, TV und Radio bestellt ist, beweisen diese selbst täglich (bis auf einige Ausnahmen)
Soviel zu "Sorgfalt bei der Recherche":
Hier am Beispiel "Killerspiele" in ARD, ZDF und WDR. http://youtube.com/watch?v=R9JRm3iQQak Ob man jetzt für oder gegen "Killerspiele" ist, ist eine andere Sache, und auch nicht das Thema hier, zeigt aber gut wie es mit der Sorgfalt öffentlich rechtlicher Sender in Deutschland so aussieht.
Der Qualitätsunterschied
Auf der anderen Seite muß ich den etablierten alten Medien vorwerfen, daß diese einen extremen vorauseilenden Gehorsam gegenüber den Inserenten haben. Dinge die denen Schaden könnten werden systematsich verschwiegen http://roland.pege.org/2007/qualitaetsjournalismus.htm
Schaden durch Internetjournalismus
Wie sehr Internetjournalismus schaden kann, sieht man ja derzeit sehr gut am Beispiel United Airlines....... Kurseinbrüche von über 99% wegen einer alten Meldung in neuem Gewand!
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