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Durch die Spaltung der lettischen Medien in lettischer und russischer Sprache entstand ein doppelter Informationsraum.
Stolz auf Schwarz-Weiss
Eine lettische Kulturzeitschrift verliert an Farbe
Wer mit der airBaltic gen Norden fliegt und wieder mal Wolken vor dem Fenster hat, muss sich nicht langweilen: In der Sitztasche vor ihm steckt eines der interessantesten Flugjournale Europas. Der "Baltic Outlook" nämlich wird verfasst vom Verlag der provokantesten Kulturzeitschrift Lettlands, "Rigas Laiks". Mit diesem Auftrag sicherte die Fluggesellschaft nicht nur dem Flugjournal mehr Pep, sondern auch die Unabhängigkeit des renommierten Kulturmagazins.

Früher bunt, heute Schwarz-Weiss
"Als wir vor fünfzehn Jahren begannen - vier Philosophen, die sich als Herausgeber einer Monatszeitschrift versuchten - da war ‘Rigas Laiks’ ein extrem buntes Blatt und allein deshalb schon sehr einzigartig im damaligen Lettland", erzählt Ieva Lesinska-Geibere, die seit 1995 dort als Redakteurin arbeitet. Beim Anschauen der Zeitungscover im Netz-Archiv macht man ab der Jahrtausendwende eine interessante Entdeckung: "Seit Beginn der Unabhängigkeit haben sich die Verhältnisse gravierend verändert. Heute sind wir stolz darauf, die einzige Zeitschrift in Schwarz-Weiss zu sein", meint Lesinska-Geibere, und erzählt von der Inflation der Frauenzeitschriften, die die höchste Zuwachsrate der Medien in Lettland haben.

Bunt, aber unkontroversiell sei heute der Großteil lettischer Medien. Den ideologischen neunziger Jahren, in denen viele neue Medien entstanden, folgte die übliche Medienkonzentration, in Lettland vor allem durch nordeuropäische Konzerne. Qualität wich ökonomischem Druck. Die Umwandlung der zwei öffentlich-rechtlichen Fernseh- und vier Radiosender (LTV und LR) ist nicht wirklich gelungen: sie werden weiterhin vollkommen aus dem Staatsbudget finanziert und sind dementsprechend labil.

"Rigas Laiks" zeigt sich trotz seiner kleinen, akademischen Leserschaft stabil: Bekannt ist das zweifärbige Magazin vor allem für seine schonungslosen, stets unredigierten Interviews, für die sie einerseits in der Bevölkerung Anerkennung finden, die aber immer wieder für Kontroversen sorgen - "schließlich zeigen wir jeden, auch den neuen Präsidenten so, wie er spricht, völlig unverschönt", so Lesinska-Geibere.

Europa medial (c) APA
Der lettische Präsident, Valdis Zatlers. Ganz ungeschönt.

Kritik wandert ins Netz ab
Für Qualitätsjournalismus ist aufgrund der Enge des lettischen Marktes und der schlechten ökonomischen Situation sonst kaum Platz. Am politisch aktivsten zeigte sich 2007 die Tagezeitung "Diena". Sie rief zu Demonstrationen gegen den damaligen korruptionsbelasteten Ministerpräsidenten Aigars Kalvitis auf. Es wurden die größten seit Lettlands Unabhängigkeit - mit Kalvitis Rücktritt im Dezember als Folge.

Trotzdem: kritische Analysen bringen die Zeitungen meist nur noch in ihrer Online-Ausgabe, stellt Lesinska-Geibere fest. Diese Tendenz sah der lettische Politik- und Medienwissenschaftler Visvaldis Valtenbergs schon vor zwei Jahren: Kritische Berichterstattung habe in den lettischen Online-Medien stark zugenommen, sagte er im Interview mit "Politik Digital". "Da traditionelle Medien eher dazu neigen, sich an den Regeln des Marktes zu orientieren, ist es manchmal recht hart, eine Message herauszuhören oder zu platzieren."

Vor allem unabhängige Webseiten wie "Delfi" oder das politikwissenschaftlich-kritisch ausgerichtete "Politika" sind außerordentlich beliebt. Allerdings waren 2006 erst 40 Prozent der Letten Internetbenutzer.

Mediale Subräume von Letten und Russen
Mit Übersetzungen führen diese auch weiter, was im Printbereich längst aufgegeben wurde: Die Zusammenführung der lettischen und russischen Informationsräume.

Die lettische Sprache wurde während der sowjetischen Besatzung systematisch eingeschränkt. Mit der Unabhängigkeit kehrte man die Verhältnisse um: Lettland führte ein rigides Sprachgesetz ein, das von den Russen, mit 29 Prozent die größte Minderheit, nun das Beherrschen des Lettischen verlangt.

Im öffentlichen Radio und Fernsehen ist jeweils das zweite Programm teilweise auf Russisch. Daneben gibt es zahlreiche private russische Radio- und TV Stationen. Fünf nationale und 30 regionale russischen Tageszeitungen stehen in Konkurrenz zu russischsprachigen Medien aus Russland.

Doppelter Informationsraum
Die Spannungen zwischen Letten und Russen verfestigen sich nicht zuletzt medial. Es ist ein russischer und ein lettischer Informationsraum entstanden, in denen sich Ansichten zu politischen Themen in Lettland eklatant unterscheiden. Nur wenige Menschen verfolgen aber die Presse in beiden Sprachen. Diese Spaltung gilt als großes Hindernis bei der russisch-lettischen Konfliktprävention.

Die meistfrequentierten Webseiten "Delfi" und "Dialogi", sowie die TV-Webseite "tvnet" produzieren mit bilingualen Versionen eine Art medialen Zwischenraum, in dem Diskussionen, wenn auch weiterhin konfliktträchtig, so doch möglicher werden.
Text: Hanna Ronzheimer
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