Kunst bedeutet für mich, sich als Mensch auszudrücken. Und über die Musik wird das Innere spürbar für andere Menschen.
Woher kommt Ihre Kreativität?
Das wüsste ich selber gerne – da bin ich noch auf der Suche.
Ihr Motto lautet?
Ich vergleiche das Komponieren mit dem Polieren einer Silberscheibe: ich poliere solange, bis ich mich selbst darin erkenne - das ist meine Musik.
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Beschäftigung mit Klang-Charakteristika
Dann kamen Akkordeon, Klavier und Orgel dazu. Und beim Orgel-Studium folgte die Beschäftigung mit Musiktheorie. Da wurde mir klar, dass Musik das richtige Medium für mich ist - denn sie erreicht die Menschen sehr tief", erzählt Hannes Kerschbaumer, gebürtiger Südtiroler aus Brixen, Jahrgang 1981, der seit Herbst 2004 Komposition bei Gerd Kühr an der Kunst-Universität Graz (KUG) studiert.
2007 hat er das Bakkalaureat-Studium mit Auszeichnung abgeschlossen und setzt nun das Master-Studium bei Pierluigi Billone in Wien und Musiktheater-Komposition bei Gerd Kühr fort. Weiters studiert er seit Herbst 2008 bei Beat Furrer Komposition und wird sein Masterstudiums voraussichtlich im September 2009 abschließen.

Hannes Kerschbaumer
Bei Blonay Summer School 2010
Im Juni 2010 wird Kerschbaumer an der Blonay Summer School der "Probio Foundation" in der Schweiz teilnehmen, wo er mit dem Arditti Quartet und Brian Ferneyhough ein Werk für Streichquartett erarbeiten wird.
"Es geht um die Hör-Erfahrung - denn ich beschäftige mich vor allem mit dem Klang. Für mich ist Komponieren zunächst die Aufmerksamkeit gegenüber jedem akustischen Signal. Und jedes Instrument hat seine spezifischen Qualitäten. Wie kann ich das durch meinen Intellekt wieder in etwas umsetzen, was ich in eine Form bringe? Es ist spannend herauszufinden, welche Charakteristika ein Klang hat - und wie ich ihn in ein Umfeld einbetten kann", beschreibt Kerschbaumer.
"Ich spüre ein Stück quasi als energetisches Feld. Und das übersetze ich in ein Notenbild. Der Kopf arbeitet ja den ganzen Tag, vieles wird unbewusst zusammen gebaut. Alles schließlich ins Bewusstsein zu holen - das ist der Prozess des Komponierens", erläutert Kerschbaumer.
Uraufführung von "coer" in Südtirol
Am 10. Oktober 2009 wurde Hannes Kerschbaumers neues Werk "coer" im Rahmen des Symposiums "Musik und Religion als Heimat" mit dem Ensemble "Novosono" unter der Leitung von Armin Engl in Milland/Südtirol uraufgeführt. Am Tag darauf war das Stück in St. Pauls/Südtirol bei "Pauls Sakral" zu hören.
"Für mich hat der sakrale Raum, nicht zuletzt durch seine Akustik, eine besondere Aura. Das Werk handelt vom Südtiroler Heiligen Josef Freinademetz, der Ende des 19. Jahrhunderts Missionar in China war", so Kerschbaumer.
Im Rahmen der "Langen Nacht der neuen österreichischen Musik" in Ö1 wurde vom Grazer Festival "die andere saite" Hannes Kerschbaumers Uraufführung von "Endemic places I" für drei Mallets am 20.März 2009 live übertragen.
Zuletzt schrieb Kerschbaumer das Werk "Mumuth-opening", das am 1. März 2009 anlässlich der Eröffnungsfeier des Hauses für Musik und Musiktheater der Kunstuniversität Graz (Mumuth) aufgeführt wurde.
Kerschbaumers Kurzoper "Buio" wird im Rahmen von "Opern der Zukunft" ihre Uraufführung am 5. Juni 2009 (Regie: Christiane Lutz, Dirigent: Marius Burkert) an der Grazer Oper haben. Weitere Aufführungen dieses Projekts, einer Kooperation von Kunst-Uni und Grazer Oper, finden am 7., 10, und 13. Juni 2009 statt.
"Die Geschichte handelt von einem Schriftsteller, der aufgrund einer Krankheit zuerst blind, dann taub und gelähmt wird. Daher der Titel - buio bedeutet dunkel auf Italienisch. Formal ist das Werk in einen Traum verpackt - und diese Phasen dauern etwa 20 Minuten. Obwohl der Mann auch in seinen Kommunikationsmöglichkeiten immer eingeschränkter wird, bleibt er ein Schaffender. Dargestellt wird er durch mehrere Personen, die sich in einem Instrumental-Käfig befinden. Nur die Schauspielerin, die die Hoffnung verkörpert, kann sich frei bewegen und wird durch Licht sichtbar.
Das Thema hat mit mir zu tun, denn ich hatte Nierenprobleme. Erst eine Transplantation machte es möglich, dass ich in Graz studieren kann. Daher weiß ich, was es bedeutet, eingeengt zu sein", erläutert der junge Komponist.
Die bisher entstandenen Werke Kerschbaumers reichen vom Solo-Stück bis zu kammermusikalischen und symphonischen Werken, wie er erzählt:
"Bis jetzt habe ich vor allem Kammermusik komponiert. Als Südtiroler habe ich viel Bezug zur Blasmusik, weil es da eine große Tradition gibt. Daher habe ich für dieses Genre schon einiges geschrieben. Auch mein letztes Werk ist für diese Gattung - natürlich in zeitgenössischer Klangsprache. Derzeit beschäftige ich mich mit dem Musiktheater. Hier gibt es ganz spezielle Denkweisen. Bei der Oper wird alles auf ein Ensemble fokussiert", berichtet der Nachwuchskomponist.

"Metrioptera" (Solo für Großbassblockflöte, Partiturausschnitt): Für dieses Werk erhielt Hannes Kerschbaumer beim Kompositionswettbewerb "the modern recorder project" 2008 ein Stipendium für die Teilnahme an den Ferienkursen in Darmstadt.
Seit 2003 wurden bereits mehrere Werke Kerschbaumers aufgeführt und seither konnte er vielfältige Erfahrungen sammeln. So wurde im Frühjahr 2008 "la fontaine de sang", ein 4-Minuten-Stück für großes symphonisches Blasorchester, das als Auftragswerk der Bläserharmonie Brixen entstand, uraufgeführt.
"Zu meinen wichtigsten Konzerten zählt die Uraufführung von 'Microchiroptera', einem Stück für Kammerensemble, das beim 'steirischen herbst' im Rahmen der 'Klangwege' der Kunst-Uni Graz stattfand. Bei diesem Projekt wirkte auch Luigi Billone mit. So lernte ich seine Musik, die mich stark berührt, kennen - und studiere nun auch bei ihm."
"Ebenso bedeutend war das Ö1 'Zeit-Ton'-Konzert aus dem Grazer ORF-Studio im Herbst 2006, wo 'Himmlitzen' für Violoncello, Klarinette sowie Maultrommel und Stimme live aufgeführt wurde. Damals habe ich neben Philipp Comploi und Denis Faic die Maultrommel gespielt und war die Stimme."
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" ... contemplando i deserti ... " mit Phillip Comploi (Vc, St), Denis Faic (Klar), Slobodan Kajkut (Perc, Ges) und Hannes Kerschbaumer (Klar, Ges): Die Uraufführung dieses Werks fand im Rahmen des "Hörfest 2007" im Grazer Forum Stadtpark statt.
Seit Dezember 2008 hat der junge Komponist einen Lehrauftrag für Harmonielehre am Konservatorum "C. Monteverdi" in Bozen in Südtirol.
Wie lauten seine größten beruflichen Zukunftswünsche? "Das Komponieren steht bei mir absolut im Zentrum - natürlich möchte ich davon auch leben können. Das ist aber sehr schwierig. Da ich auch eine pädagogische Ader habe, würde ich mein Wissen gerne als Lehrer weitergeben - nicht im Sinn von Zusatzverdienst, sondern als Berufung", so Hannes Kerschbaumer, dessen pädagogischer Wunsch sich bereits erfüllt hat.
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Kontakt
Hannes Kerschbaumer
Links
Universität für Musik und darstellende Kunst Graz
KUG - Klangwege 2006
Universität für Musik und darstellende Kunst Graz - MUMUTH der Kunstuniversität Graz mit Neuer Musik und großer Oper eröffnet
Hörfest 07 - Hannes Kerschbaumer
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Alex Ladstätter, Klarinette
Christoph Wimmer, Kontrabassist
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Caroline Löffler, Violine
Cordula Stepp, Sopranistin
Elisabeth Baumer, Barock-Oboe
Konstanze Ackermann, Klassisches Saxofon
Andreas Penninger, Organist und Dirigent
Adam Rekucki, Kontrabass
Wolfgang Mayer, Komponist
Trio Tritonous, Geige, Cello, Klavier
Thomas Fichtinger, Klarinette
Peter Ovtscharov, Pianist
Andreas Teufel, Pianist
Sergey Malov, Violine
Andreas Ziegler, Tonmeister
Fabian Kerber, Bassposaune
Eva Klampfer, Jazzgesang
Alja Velkaverh, Flöte
Franziska Kober, Kontrabass
Peter Fliecher, Trompete
Veronika Trisko, Pianistin
Lucja Madziar, Geigerin
Christian Hollensteiner, Trompete
Hannes Hölzl, Posaune
Michaela Girardi, Geigerin
Michal Matejcik, Harfe
Johannes Bär, Trompete
Rupert Struber, Schlagzeuger
Jana Kmitova, Komponistin
Sandra Kirschenhofer, Flötistin
Birgit Selhofer, Dirigentin