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Mit der Sonderschau von Chris Müllers Installation trägt das Museum Arbeitswelt Steyr dem Zeitgeschichte-Jahr 2008 Rechnung.
Weißes Ballett mit braunen Flecken
Die zweite Karriere von NS-Kriegsverbrechern
Nach Ende des NS-Regimes konnten zahlreiche namhafte Kriegsverbrecher mit Hilfe eines Netzwerkes fliehen und sich durch gegenseitige Unterstützung der Gerichtsbarkeit entziehen. In Argentinien bekamen sie nach 1945 die Chance für eine zweite Karriere. Diese Tatsache bildet die historische Basis für Chris Müllers Doku-Fiktive Installation "Der Verein oder das weiße Ballett mit braunen Flecken".

Dieses Projekt, das Müller zur Fußball-WM in Deutschland 2006 im Vöcklabrucker Lebzelterhaus präsentierte, wird nun anlässlich des 70. Jahrestages des "Anschlusses" Österreichs an Hitler-Deutschland als Sonderschau im Museum Arbeitswelt Steyr am Mittwoch, 12. März 2008, eröffnet und ist bis kommenden Mai zu sehen.

(c) Müller
Chris Müllers Installation unterstützten 18 Spieler des Clubs Holzleithen-Thomasroith mit einem Match. Ihre getragenen Dressen mit den Aufschriften von 18 NS-Kriegverbrechern sowie ein Video des Spiels sind nun im Museum Arbeitswelt Steyr zu sehen.

Von Legenden und Gerüchten überlagert
Jahrzehntelang waren die realen Abläufe und Zusammenhänge der Flucht der ehemaligen Nationalsozialisten von Legenden und Gerüchten überlagert, in denen eine geheimnisvolle Organisation namens "Odessa", "Rattenlinien", sowie dubiose Mannschafts-Kameraden die Hauptrolle spielten.

In der "Umkleidekabine" des Vereins wird in Müllers Installation ein Spiel nachgezeichnet, das nie eines war: mit umstrittenem Kader, "tödlichen Pässen" und chiffrierten Botschaften. Ein Geisterspiel der "globale Division", das erst mit dem Abpfiff 1945 begann und sich gegenwärtig in der Verlängerung befindet.

Wie aktuell das Thema ist, das Chris Müller in seiner Installation behandelt, zeigen neue Erkenntnisse im Fall Adolf Eichmann, die 2006 bekannt wurden.

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Wie rechte Netzwerke funktionier(t)en
Dieses Projekt hat Müller nicht zuletzt deshalb entwickelt, um aufzuzeigen, wie rechte Netzwerke funktionierten, sich über Jahrzehnte erhalten konnten und sich durch Verbotsgesetze und Zeitgeist-Einflüsse wandelten und wandeln.

Bei der Installation "Weißes Ballett mit braunen Flecken" wird bewusst eine "jugendliche Ausdrucksweise" verwendet, um diese Arbeit zum Beispiel auch für Kunst-unerfahrene Schulklassen verständlich darzustellen.
Entschlüsselung von Neonazi-Codes
In der Installation sind die Trikots der Fußballspieler so angebracht, dass sie Neonazi-Codes aufzeigen und durch die Spielanleitung entschlüsselt werden können.

Populär gemacht wurde diese "Verschlüsselungstechnik" Anfang der 1980er-Jahre durch die Rockergruppe "Hells Angels" in Hamburg, die nach einem vorhergehenden Vereinsverbot fortan als "81er" auftraten.
18 - die Zahl Hitlers fehlt
Die Stückzahl der Trikots ist 18. Allerdings fehlt diese Zahl in der laufenden Nummerierung - sie steht für Adolf Hitler.

Diese Zahlenkombination findet sich beispielsweise in den Namen der Neonazi-Organisation "Combat 18", die in vielen europäischen Ländern tätig ist, sowie bei der deutschen Band "Sturm 18".
"Demos"-Eröffnung mit Franzobel und Müller
Gleichzeitig mit der Vernissage der Schau "Der Verein oder Das weiße Ballett mit braunen Flecken" wird auch die neue Demokratiewerkstatt "Demos" des Museum Arbeitswelt, an der Franzobel und Chris Müller mit einer Lesung teilnehmen.
Text: Matthias Osiecki
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Veranstaltungs-Tipps
"Der Verein oder Das weiße Ballett mit braunen Flecken", Doku-Fiktive Installation von Chris Müller, Eröffnung: Mittwoch, 12. März 2008, Beginn: 19:00 Uhr, Ausstellungsdauer: bis 9. Mai 2008, Museum Arbeitswelt Steyr, 4400 Steyr, Wehrgrabengasse 7, Telefon: 07252/77351-0

anschließend: Eröffnung der Demokratiewerkstatt "Demos" mit Lesung von Franzobel und Chris Müller

Link
Museum Arbeitswelt Steyr
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wolferl am 11.03.2008, 12:03
falsche farbe
waren die dressen der deutschen nicht schwarze hose und weißes oberteil? so klingt es mehr nach real madrid (wie sieht es eigentlich mit deren faschistischer vergangenheit aus?)
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