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Brasiliens Kulturminister, Gilberto Gil, ist der charismatische Kopf einer Kampagne zur Überbrückung der digitalen Kluft mittels Freier Software und Copyleft-Lizenzen von Creative Commons.

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Freie Software ist Chefsache
Wohl in keinem anderen Land der Welt wird Free Libre Open Source Software, kurz FLOSS, auf ähnliche Art und Weise propagiert wie in Brasilien. Dort ist FLOSS Chefsache des Kulturministers Gilberto Gil. Aber es hatte wohl auch kaum ein Land je so einen coolen Kulturminister wie Brasilien. Gilberto Gil trägt seine Dreadlocks ebenso gelassen wie seine schwarzen Armani Jeans, und wurde von der englischen linksliberalen Tageszeitung "The Guardian" auch prompt zum Minister of Cool ausgerufen.

(c) APA
Gilberto Gil

Politiker mit Botschaft
In Salvador de Bahia geboren, identifizierte er sich schon als kleiner Bub mit dem Jazz Samba, auch bekannt als Bossa Nova, und insbesondere mit Joao Gilberto, dessen Name er sich als Künstlername verlieh. Als Musiker weltbekannt wurde er allerdings eher mit dem robust-rockigeren Stil des Tropicalismo Ende der 1960er Jahre. Tropicalismo vermischte die afrobrasilianischen Wurzeln mit "Negritude", der brasilianischen Variante der Black-Consciousness-Bewegung. Mit solchen politischen Botschaften in Popmusik verpackt konnte das damals regierende Militärregime gar nicht gut und verhaftete ihn. "Gil", wie ihn Fans und Freunde nennen, ging ins Exil nach London, was ihn nur noch mehr radikalisierte und woraufhin er das Konzeptalbum "Espresso 222" veröffentlichte, das ihn weltbekannt machte (auch in Österreich).

Seit 2002 in der Regierung Lula da Silvas als Kulturminister tätig, Brasiliens erster Präsident aus der Arbeiterklasse, nahm sich Gilberto Gil der digitalen Kultur an. Beraten wird er dabei von Claudio Prado, ein alter Weggefährte aus den radikalen, politischen Bewegungen der 1960er.

Persönliche Betroffenheit
Prado wurde von Gil ins Kulturministerium berufen, wo er für die digitale Kultur tätig ist. Unter dessen Beratung begann Gil sich ernsthaft der Freien Software zuzuwenden und sich mit Creative-Commons-Lizenzen auseinanderzusetzen. Als Gil entdeckte, dass es ihm seine Plattenfirma verbat, seine eigenen Songs im Internet anzubieten, nahm er diesen Präzedenzfall zum Anlass, eine Ausstiegsmöglichkeit zu suchen und nahm viele Songs in Live-Versionen neu auf, so dass die Rechte nun ihm allein gehören. Im Rahmen der jetzt gerade laufenden Banda Larga Tour können Nutzer/innen die Songs herunterladen, remixen und zu einem Wettbewerb einschicken.

Unterstützung für kleine Inititativen
Im Rahmen seiner Tätigkeit als Kulturminister rief Gil das Projekt Pontos de Cultura ins Leben, frei übersetzbar als Hotspots der Kultur. Kleine Kulturinitiativen und Nichtregierungsorganisationen werden mit Computern und Multimediaausrüstungen ausgestattet und erhalten darüber hinaus Geld und Training. Dieses Konzept wurde von Gils Berater Claudio Prado gemeinsam mit politisch aktiven Hackerkollektiven in Brasilien entwickelt.

Die ethischen Prinzipien, die in der Kultur der offenen Hacklabs wirksam sind, werden hier von der Regierung in einem großangelegten Programm zur digitalen Inklusion landesweit umgesetzt. Über 600 solcher Kulturhotspots, die ausschließlich mit FLOSS arbeiten, soll es bereits geben.

Einzigartig ist dabei nicht, dass sich die Regierung für FLOSS engagiert, das tun inzwischen auch andere Regierungen, sondern, dass FLOSS als Kultur und nicht nur als Technik aufgefasst wird. Unter diesem Ansatz versucht der Minister, eine tiefgreifende Transformation der brasilianischen Kultur und Gesellschaft in die Wege zu leiten, die den Menschen Hilfe zur Selbsthilfe gibt. Dieser Ansatz wird inzwischen auch von anderen Zweigen der brasilianischen Regierung wie etwa dem Kommunikationsministerium aufgegriffen.
Text: Armin Medosch
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Hör-Tipp
Matrix, Sonntag, 23. März 2008, 22:30 Uhr

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Gilberto Gil
The Guardian - Minister of Cool
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