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Robert Rauschenberg malte weiße monochrome Bilder, und zwar für die erste Einzelausstellung seines Lebens, 1951 in der Betty Parson Gallery in New York.
Rauschenberg und die Musik
Eine neue umfassende Weltsicht
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Ausschnitt aus "Seven, Quartets I-VII" von John Cage
Länge: 0:29 min
Robert Rauschenberg ist am Montag im Alter von 82 Jahren verstorben. Kaum ein Maler und Universalkünstler hatte so viel mit Musik und Performance zu tun, hat Musik letztendlich entscheidend beeinflusst, wie Rauschenberg - hauptsächlich natürlich in diversen Aktionen mit seinen Freunden Merce Cunningham und John Cage.

Rauschenberg, Cage und Cunningham - und da zählten rund um diesen harten Kern natürlich noch viele andere dazu -, das war in den 50er und 60er Jahren des 20. Jahrhunderts wie ein Äquivalent zum Paris der 1920er mit Satie, Strawinsky, Dhiagelev, Picasso.

(c) APA
Robert Rauschenberg hat die Musik seiner Mitstreiter entscheidend beeinflusst.

Die reale Welt in der Kunst
Rauschenberg, Cage, Cunningham und deren Freunde wie David Tudor oder Jasper Johns warfen den herrschenden Kunstbegriff über den Haufen, aber das auf manchmal unerwartet sanfte Weise. Monochrome Bilder einerseits, Alltagsgegenstände andererseits; chaotische Klänge einerseits, die Stille andererseits: Man erprobte eine neue umfassende Weltsicht. Zitat: "Rauschenberg vertrat die Ansicht, dass die von ihm angestrebte Wiedervereinigung der künstlerischen (Bild-)wirklichkeit mit der Lebenswirklichkeit am besten dadurch erreicht werden könne, indem man Teile der realen Welt - mehr oder weniger unverändert - in die Kunst hereinholt".

Freund Jasper Johns malte die amerikanische Flagge und John Cage re-komponierte alte amerikanische Siedlerhymnen. Nicht jede Revolution braucht laute Töne.
Riesige Musikspektakel
Dass Kunst und Leben keine völlig getrennten Bereiche der Wahrnehmung und des Erlebens sein sollen, darin waren sich Vertreter dieser Generation und Künstlergruppe über Jahrzehnte hinweg einig. Später führte das zu jeder Menge Alltagsgeräuschen in der Musik und riesigen collagenhaften Musikspektakeln einerseits, zu Robert Rauschenbergs prä-Pop-Art Objektkunst und später seinen Combines andererseits.

Ganz am Anfang aber, späte 1940er und frühe 1950er Jahre, da war man auf andere Weise radikal im Hinterfragen der Grenzen zwischen Kunst und Leben. Robert Rauschenberg malte weiße monochrome Bilder, und zwar für die erste Einzelausstellung seines Lebens, 1951 in der Betty Parson Gallery in New York. Nur mehr das Schattenspiel, die Phantasie der Betrachter, die auf der weißen Leinwand sich indirekt widerspiegelnde Erwartung und Wirklichkeit war kunstwürdig, und David Tudor brachte 1952 John Cages berühmtes "4'33""-tacet-Stück zur Uraufführung, jenes dreisätzige Werk mit der ausschließlichen Spielangabe "tacet", also zu schweigen, nicht zu spielen.

Neue Cage-CD
Bei neos erschienen soeben die Orchesterstücke "Quartets" von John Cage aus dem Jahr 1976, entstanden als Auftrag zur 200-Jahr-Feier der Vereinigten Staaten. Und John Cage führt die erwähnten Ansätze zur Synthese: Die fast transzendentale Sanftheit aleatorischen Kombinierens mit dem Weltbezug existierender Musik. Choräle der Siedler aus den Anfangsjahrzehnten der Vereinigten Staaten, sozusagen neu komponiert beziehungsweise auseinander genommen und wieder neu zusammengesetzt.
Text: Christian Scheib
Mehr zum Tod Robert Rauschenbergs in oe1.ORF.at

Hör-Tipp
Zeit-Ton, Mittwoch, 14. Mai 2008, 23:05 Uhr

CD-Tipp
John Cage, "Seven, Quartets I-VII", NEOS 10720
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