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Investigativer Journalismus in Osteuropa wird von internationalen Organisationen unterstützt und belohnt. Nützt er?
Ausgezeichneter Journalismus
Die Gewinner des Press Freedom Award 2008
Korruption aufdecken, Missstände beschreiben, strukturelle Ungerechtigkeit bekämpfen: Investigativer Journalismus ist in Rumänien und Bulgarien nicht (mehr) lebensgefährlich. Im Gegenteil, Zeitungen drucken alles, was Verkauf durch Sensation verspricht. Dass es die Reportagen aber von der journalistischen zu einer gesellschaftlichen Wirkung schaffen, ist in Rumänien und Bulgarien immer noch die Ausnahme, finden Kristina Koleva-Tuncheva und Ovidiu Vanghele, zwei von drei Preisträger/innen des diesjährigen Press Freedom Award, vergeben von den Reportern ohne Grenzen.

Journalistin als Helferin
Kristina Koleva-Tuncheva hätte auch Sozialarbeiterin werden können: "Ich wurde Journalistin, weil ich schon immer das Bedürfnis hatte, Menschen zu helfen. Ich bin sehr wachsam gegenüber asozialem Verhalten oder der Ignoranz öffentlicher Interessen. Als Journalistin kann ich Menschen helfen, indem ich Fragen stelle und nach Antworten suche."

Antworten auf die komplexen Probleme des bulgarischen Gesundheitssystems rund um die unerschwinglichen Preise für Medikamente krebskranker Patienten hat sie nicht gefunden in ihrer preisgekrönten Reportage der Kategorie Fernsehen. "Ich werde weitermachen und niemals aufgeben, solange wir nicht eine Lösung haben für die schwierige Situation, in der sich krebskranke Patienten in Bulgarien befinden", ist sie optimistisch.

Na Chisto - die Aufdeckersendung
Am Beginn ihrer Reportage steht ihr Arbeitgeber, die NGO Broadcast Training Center ProMedia Foundation, finanziert von der amerikanischen Hilfsorganisation US AID. Eines der erfolgreichsten Projekte von Pro Media ist die Sendung "Na Chisto", übersetzt so viel wie "Klartext reden", aus dessen Team der Hinweis kam, auf den hin Koncheva ihre Nachforschungen begann. Seit 2003 diskutieren hier Journalisten mit Gästen über Korruption im öffentlichen Sektor.

Laut US Aid hat die Sendung das gesellschaftliche Bewusstsein für Korruption gestärkt. Viele der in den Sendungen angesprochenen Fälle wurden im Anschluss vom parlamentarischen Komitee für Antikorruption sowie Stadträten weiterverfolgt. Mit 20-25 Prozent nationalem Marktanteil ist das sonntägliche "Na Chisto", auf Nova TV ein Erfolg.

Journalismus verändert Gesellschaft
Investigativer Journalismus kann die bulgarische Gesellschaft verändern, meint auch Tuncheva-Koleva. "Ich denke, wir entwickeln uns in die richtige Richtung, auch wenn es sehr langsam geht. Wir bekommen wesentlich mehr Informationen als noch vor wenigen Jahren, können mehr Fragen stellen, und immer öfter bringen unsere Reportagen Regierung und Behörden auch zum Handeln, und somit reale Ergebnisse. Letzteres sei allerdings bislang eher die Ausnahme" gibt sie zu: "Wir haben noch einen langen Weg zu gehen, bis wir eine demokratische Gesellschaft werden."

Journalisten nicht gefährdet
Auch der 28-jährige rumänische Preisträger der Kategorie "Medienagentur", Ovidiu Vanghele, ist stolz auf das mediale Interesse an seiner Reportage, in der er korrupte Machenschaften des Agrarministers aufdeckte und so dessen Rücktritt bewirkte: "fast die gesamte rumänische Presse war voll davon. Ich fühlte mich richtig gut!"

Gefährdet sei man als Journalist nicht wirklich, meint er: "Rumänien ist nicht Russland!" Trotzdem: "Ich kann nicht sagen, ich wurde bedroht, aber ich bekam einige Anrufe um Mitternacht, von fremden Nummern. Stimmen, die mir sagten, ich solle aufpassen, wo ich hingehe und was ich tue. Aber ich hoffe, das waren schlechte Scherze, ich habe keine Beweise..."

Der studierte Jurist, der sich an der privaten Journalismusschule seines jetzigen Arbeitgebers, der Mediafax Nachrichtenagentur, ausbilden ließ, hat nur Gutes über seinen Chef zu berichten: "Adrian Sarbu ist der einzige Medienbesitzer in diesem Land, der nur in Medien investiert und in nichts anderes. Er ist auch nicht politisch involviert."

Rumänien hinter EU-Qualität
Im Gegensatz zu seiner bulgarischen Kollegin sieht er keine großen Verbesserungen seit dem Beitritt zur Europäischen Union: "Nicht als Journalist, und, schlimmer, nicht als Bürger. Unsere Anführer spielen die Rolle europäischer Anführer, und die meisten Bürger tun, als seien sie europäische Bürger, aber in Wirklichkeit leben wir weit hinter europäischer Lebensqualität."

Journalisten in diesem Land kämpften immer noch jeder für sich in einem "modernen Dschungel" ums Überleben, meint er. Diesen Teil seines Berufs mag er nicht. Und: Internationale Studien mögen die Bedeutung von investigativem Journalismus noch so hoch halten - entscheidend sei, dass die Gesellschaft reagiert und Druck auf die Verantwortlichen ausübt. "Das ist das Problem in Rumänien", sagt Vanghele, "wir schreiben, aber letztendlich passiert nichts. Es ist, als gäbe es zwei Wirklichkeiten."
Text: Hanna Ronzheimer
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