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Mit besonderer Affinität zu Textilem und zur Mode
Nach der Matura hatte ich dann eine Krise, wusste nicht genau, was ich tun sollte. Einerseits wollte ich Künstlerin sein, andererseits interessierte mich auch das Pädagogische. Und damals entdeckte ich die Kunstpädagogik, die beides vereint - wo man noch nicht so festgelegt ist.
Gespräche mit verschiedenen Professoren bestätigten mir, dass diese Richtung für meine künstlerische Entwicklung am geeignetsten ist. Es war für mich wunderbar, hier einsteigen zu können", schildert Christina Dörfler, gebürtige Wienerin, Jahrgang 1984 ihren Werdegang.
Seit 2004 studiert die junge Nachwuchs-Künstlerin an der Angewandten Kunst und Kommunikation. Abschließen wird sie voraussichtlich 2010.

Christina Dörfler
"Mich interessieren vor allem die Bereiche Textiles und Mode. Ich versuche mit Studienkollegen meiner Klasse, auf diesem Gebiet etwas zu bewegen. Dass man Mode wieder neu definiert. Also weg von diesem klassischen Modebegriff, der mir während meiner Ausbildung an der Modeschule vermittelt wurde. Als Fundament war das gut für mich - aber jetzt befreie ich mich davon", stellt Dörfler fest.
"Zentraler Ausgangspunkt ist bei mir immer der Mensch. Meine textilen Arbeiten sind sehr stark von den Themen geometrische Form, Architektur und Verbund geprägt. Sie haben immer etwas mit dem Aneinanderreihen von Formen zu tun. Es geht um Raster, Netze - und der Mensch, der sich darin befindet", erläutert Dörfler.
"Ich träume schon von einem eigenen Atelier, einem eigenen Label. Oder etwas in Richtung Theater, Bühne, Kostüm zu machen. Diese Bereiche interessieren mich sehr, weil man da etwas praktisch Angewandtes macht", erklärt Dörfler, die sich ihre Entscheidung noch offen lässt.
"Auch Kunstvermittlung oder das Kuratieren von Ausstellungen interessiert mich. Als Hauptjob wäre mir das aber nicht ausreichend - da brauche ich unbedingt das Tun, die künstlerische Umsetzung."
Am 5. März 2009 präsentierten Christina Dörfler und ihre Kolleginnen Christine Schöpf und Jennifer Rippel in der Modewerkstatt "Liniert" in Wien unter dem Motto "3 Künstlerinnen, 3 Kollektionen, 3 Tage, 1 Raum, 1.000 000 Maschen 3 Mal neu gedacht!" ihre Affinität zu geometrischen Formen und Maschenware.
Bei ihrem Studium an der Angewandten und in der Strickklasse in Wien-Hetzendorf haben die drei Künstlerinnen unterschiedliche Zugänge entwickelt. Gezeigt wurden Unikate, Prototypen, Maschendichteberechnungen und kleine Strick-Kollektionen.
Mit ihrer Studien-Kollegin Christine Schöpf gründete Dörfler im Vorjahr eine Initiative: die "Modeplattform 2008".
"Wir hatten beide ein Auslandspraktikum - sie in Berlin, ich in Lissabon - und wir wollten diese beiden Komponenten zusammenführen. Denn wir brauchen mehr Verständnis für Bekleidung innerhalb der Angewandten, abseits der Modeklasse. Für heuer planen wir nun mit Studierenden ein großes Projekt. Es soll auch Workshops mit Labels geben, die in Wien noch nicht so bekannt sind", berichtet die vielseitige Kunststudentin.
"Im Rahmen dieser Plattform soll es eine Auseinandersetzung mit den verschiedensten Mode-Bereichen geben. Dabei planen wir, die Theorie in einer praktisch angewandten Form umzusetzen. Wir wollen auch mit der Modeindustrie Kontakt aufnehmen, um zu erfahren, wie der Markt funktioniert, wie man sich selbst positionieren kann", erläutert Dörfler ihr ehrgeiziges Projekt.
Als ihre Hauptarbeit präsentierte Christina Dörfler im Juni 2008 den Texturtanz "Carré" an der Angewandten, der in Zusammenarbeit mit Andreas Karl (Musik), Christopher Roth, Bettina Foeldesii und Katherina Kinzel entstand:
"Carré bedeutet Quadrat. Die Grundidee dieser Arbeit ist der rechte Winkel von Grund- und Aufriss, in dem wir uns im urbanen Umfeld täglich bewegen. Und das erzeugt in unserem Geist, in unserem Körper Spannung. Man begibt sich immer vom Boden in den rechten Winkel. Und das war die Aufgabe an die Musik, den Tanz und an das Kostüm", beschreibt Dörfler ihr Projekt.

Dörflers Texturtanz "Carré" (Angewandte, Juni 2008), der an Oskar Schlemmers triadisches Ballett erinnert, konfrontiert den Zuschauer mit Spannungsquadraten in textiler, musikalischer und choreografischer Form.

Texturtanz "Carré" (Angewandte, Juni 2008): "Im vergangenen Herbst wurde die Performance auch im Wiener WUK gezeigt und es ist auch eine DVD dieser Arbeit geplant", so Christina Dörfler.
Als Vorarbeit zu ihrem Texturtanz entstand Dörflers Bekleidungsquadrat "Noir":
"Man sieht hier ein Bild online. Es zeigt einen Ausschnitt aus einer Fotostrecke, auf der Bodenflächen bezogen werden, die im rechten Winkel zur Architektur liegen. Die Formen dafür habe ich selbst gestrickt. Dieses Bekleidungsquadrat wird androgyn bezogen - es sieht wie ein abstraktes Bild aus", erklärt Dörfler.

Das Bekleidungsquadrat "Noir" (2007) diente als Vorstudie zu Christina Dörflers "Carré".
Bereits jetzt setzt sie sich mit ihrer Diplomarbeit auseinander: "Dabei wird es darum gehen, wie Menschen von einem Unternehmen, das einen Ort dominiert, geprägt werden - von der Mode bis zur Architektur."
Wie lautet der berufliche Zukunftswunsch der jungen Nachwuchs-Künstlerin, zu deren vorrangigen Hobbys das Reisen zählt? "Ein eigenes Atelier in England haben zu haben - denn der Norden schreit geradezu nach mir. Und mit verschiedenen Medien arbeiten zu können", so Christina Dörfler.
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